Potsdam-Mittelmark : Telefonzelle wird zum Bücherschrank Tauschprojekt mit englischem Flair

Tausch-Kabine. Initiatorin Marion Rosenthal bei der Eröffnung.
Tausch-Kabine. Initiatorin Marion Rosenthal bei der Eröffnung.Foto: Dieter Herrmann

Michendorf - Eine englische Telefonzelle wurde am Mittwoch feierlich als erster öffentlicher Bücherschrank in Michendorf eingeweiht. Über 250 Bücher sowie CDs und Videokassetten stapeln sich in den Regalen, die vom Boden bis unter die Decke der alten Kabine reichen.

Das Konzept sei ganz einfach, erklärte Marion Rosenthal, die vor einem Jahr die Idee hatte, eine solche Bücherzelle in Michendorf aufzustellen: „Nimm ein Buch und bring ein Buch – aber man muss nicht unbedingt tauschen, nur Nehmen oder Abgeben geht auch.“ Die Tür des roten Bücherschrankes, der auf dem Parkplatz des Hauses Sankt Georg in der Langerwischer Straße steht, sei jederzeit offen.

Die Initiatorin hatte von einem ähnlichen Projekt in der Zeitung gelesen und hatte sich mit ihrer Idee an den Michendorfer Kulturbund gewandt. Die Suche nach einem alten Telefonhäuschen begann. „Wir haben uns zuerst an die Deutsche Telekom gewendet“, erinnerte sich Klaus Dieter Becker, Vorstandsmitglied des Kulturbundes. Das Unternehmen lagere in Michendorf die ausrangierten gelben und pinken Kabinen, doch „rausrücken wollten die nichts“, so Becker.

Um das Projekt dennoch zu verwirklichen, startete der Kulturbund einen öffentlichen Aufruf, in dem nach einer Telefonzelle gesucht wurde. Daraufhin habe sich die auf Kommunikationstechnik spezialisierte Potsdamer Firma Nacom gemeldet und die rote Kabine für das Bibliotheksprojekt spendiert. „Denen wurde wohl die Telefonzelle von Briten noch zu DDR-Zeiten geschenkt“, berichtete Becker den PNN. Auch der Transport der schweren Kabine wurde von der Potsdamer Kabelbaufirma Elka gesponsert.

Für Marion Rosenthal ist das Projekt eines ihrer „Kinder“. Als Leiterin des Tauschkreises, der zum Kulturbund gehört, kümmert sie sich in weiteren Projekten um den Tausch von Kleidern und Pflanzen. „Ich bin vom Tauschen begeistert: Man hilft sich gegenseitig und muss nichts wegwerfen.“ Einmal die Woche wird sie neue Bücher in die Kabine bringen. Ihr Vorrat sei ausreichend: Etwa 500 Bücher stapeln sich in ihrer Wohnung und warten auf Michendorfer Leser. es

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