Tannenhof in Werder (Havel) : Werder startet in die Weihnachtsbaumsaison

Trotz trockenen Sommers sind die Werderaner Tannen saftig grün, stattlich - und erstmals etwas teurer als bisher.

Seit 1990 leiten sie den Tannenhof: Gerald Mai und Karin Lorenz.
Seit 1990 leiten sie den Tannenhof: Gerald Mai und Karin Lorenz.Foto: Sebastian Gabsch

Werder (Havel) - Der Start der Weihnachtsbaumsaison am Dienstagmorgen auf dem Werderaner Tannenhof ist buchstäblich ins Wasser gefallen. Werders Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) und Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) gaben den Startschuss und sägten mühsam eine Tanne ab – bei strömendem Regen. Gerald Mai, der Chef des Tannenhofs, freute sich über den nassen Start – seit Monaten hat es nicht mehr so viel geregnet. 

Der trockene Sommer ist nicht spurlos an dem Werderaner Tannenhof vorübergegangen. Dort wo die Beregnungsanlage auf der rund 50 Hektar großen Anbauflächen nicht hingekommen ist, klaffen große braune Stellen. Vor allem die zarten Bäumchen, die dieses Jahr erst gepflanzt wurden, haben gelitten, erzählt Mai. Wie hoch der wirtschaftliche Schaden ausfällt, kann Mai derzeit noch nicht abschätzen. Der Tannenhofchef schätzt, dass etwa 80 Prozent der Bäume keine größeren Schäden erlitten haben. „Sie sind schön wie immer“, betont Mai. Seine Kunden würden schlanke, dichte und volle Bäume, „mit ausgezeichneter Nadel“ erwarten. 

Teure Pflege über die heißen Sommermonate

Dass seine Tannen trotz Trockenheit saftig grün sind, ist einer aufwendigen Pflege geschuldet. Zwei Mitarbeiter seien für mehrere Wochen im Sommer nur mit dem Beregnen der Bäume beschäftigt gewesen. Die wenigen Mitarbeiter, die der Betrieb im Sommer beschäftige, mussten aufgestockt werden – um einen größeren Schaden zu verhindern. Denn das Geschäft mit den Weihnachtsbäumen ist kurz: Nur rund sechs Wochen, bis Heiligabend, bleibt Zeit für das Jahresgeschäft. 

Klar sei aber, dass trotz der hohen Kosten für den Betrieb sich die Tannenbäume in diesem Jahr nicht deutlich verteuern werden, sagt Mai. Er spricht von einer „leichten Preisanpassung“ von rund zehn Prozent, „dafür waren die Preise in den vergangenen Jahren immer stabil.“ 

Auch die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald rechnet mit einer moderaten Preissteigerung. Bei Nordmanntannen müsse man laut Naturschutzverband mit einem Plus von 50 Cent bis zu einem Euro pro Meter rechnen. Auf dem Werderaner Tannenhof kostet eine zwei Meter hohe Nordmanntanne zwischen 40 und 45 Euro. Andere Bäume, wie zum Beispiel Coloradotannen, Frasertannen oder Korktannen liegen ebenfalls bei rund 22 Euro pro Meter. Etwas günstiger sind Rot- und Blaufichten sowie Berg- und Schwarzkiefern. 

80 Prozent der fünf Hektar großen Anlage sind Nordmanntannen. 
80 Prozent der fünf Hektar großen Anlage sind Nordmanntannen. Foto: Sebastian Gabsch


Nach der Saison, im Frühjahr kommenden Jahres, wird Tannenhofchef erst wissen, wie hoch die Verluste sind. Erst dann wisse er, ob die durch die Dürre in Mitleidenschaft gezogenen Jungpflanzen noch zu stattlichen Bäumen heranwachsen. Da Tannen rund zehn Jahre gehegt und gepflegt werden bis sie als Weihnachtsbaum verkauft werden können, will Mai den drohenden Verlust in einigen Jahren bereits jetzt schon ausgleichen. 

Drei Mal so viel Wasser als sonst gebraucht

Er will wie berichtet den Betrieb demnächst an seinen Sohn weitergeben, der soll später keine Einbußen aus diesem Jahr haben. Auch der Hofladen und die Scheune sollen ab 2020 erweitert werden. Nochmals tief in die Tasche greifen muss Mai, wenn die Wasserrechnung kommt. „Das wird weh tun.“ Drei Mal so viel Wasser als sonst sei im heißen Sommer verbraucht worden, insgesamt rund 20.000 Kubikmeter Wasser aus dem Glindower See seien nach Plessow gepumpt worden. 

Altes Brauchwasserwerk wird immer wichtiger

Wie wichtig das sanierungsbedürftige Brauchwasserwerk in Glindow für die Werderaner Obstbauern und Landwirte ist, sei in diesem Jahr besonders deutlich geworden, so Bürgermeisterin Manuela Saß am Dienstag. Ohne das Wasser hätte es in vielen Werderaner Betrieben große Ernteausfälle gegeben. Das aus dem Jahr 1938 stammende Pumpwerk nutzt das Wasser aus dem Glindower See und bringt es über ein weit verzweigtes Rohrleitungsnetz auf die Obstplantagen. Nötig sei der Einbau moderner Pumpen, zuletzt wurde das Werk in den 80er-Jahren bei Erweiterungen teiltweise erneuert. Seither investiert die Stadt nur so viel in die Anlage wie für einen reibungslosen Betrieb benötigt wird. „Wir hoffen auf Fördermittel“, so Saß gegenüber den PNN. Dafür sei man derzeit in enger Abstimmung mit dem Landwirtschaftsministerium.


Vom heutigen Mittwoch bis zum 23. Dezember können auf dem Tannenhof, Lehniner Chaussee 19, täglich von 9 bis 17 Uhr Tannen selber geschlagen werden. Die Bäume aus Werder gibt es auch an zahlreichen Verkaufsstationen in der Region. Ab dem 23. November veröffentlicht die Brandenburger Forst Termine zum Bäume selber schlagen unter www.forst.brandenburg.de