Tag der öffnen Höfe in Neu Langerwisch : Die Pferdeskulptur auf dem Hof

Bildhauer Bernd Anhoff ist mit seinen Werken überall in der Region präsent. Zum Tag der offenen Höfe am Samstag in Neu Langerwisch kann man ihn besuchen.

Henry Klix
Freistoß. Bernd Anhoff vor einer seiner Lieblingsskulpturen.
Freistoß. Bernd Anhoff vor einer seiner Lieblingsskulpturen.Foto: hkx

Michendorf - Er ist in ein schlichtes Gewand gehüllt, dieser die Arme ausbreitende Jesus. Die Stofffalten sind fein herausgearbeitet. Aber das leicht geneigte Gesicht, Hände und Füße sind grob gehauen und schemenhaft, ein Kreuz gibt es auch nicht. Das zeitlos-schöne Kruzifix, das die Neu-Langerwischer Kirche schmückt, hat der Neu-Langerwischer Bildhauer Bernd Anhoff geschnitzt.

Vor knapp zehn Jahren hat er sein Berufsleben beendet, hat sich bei Geisler-Moroder in Tirol zum Bildhauer umschulen lassen und sich selbständig gemacht. Früher hat er als Elektrotechniker Telekommunikationsanlagen geplant. „Jetzt mache ich, was mir Spaß macht“, sagt der 63-Jährige. Frühzeitige Altersplanung, so nennt er es. Zum Tag der offenen Höfe in Neu Langerwisch kann man sich am morgigen Samstag ab 14 Uhr in seinem Atelier umschauen.

Das Haus, in dem Bernd Anhoff mit seiner Frau wohnt, ist im 18. Jahrhundert von Webern errichtet worden – in Neu Langerwisch, das mit seinen Vier-Seiten-Höfen, der friderizianischen Kirche, den Backsteinfassaden, dem Anger und natürlich dem Storchennest zu den ursprünglichsten Straßendörfern rund um Potsdam gehört. Anhoff lebt seit der Kindheit hier, schon die Eltern stammten aus Langerwisch.

Seine Skulpturen stehen überall in der Region: in Kindergärten, vor Gemeindehäusern, Schulen, Rathäusern oder in privaten Gärten. Hier ein Fischreiher, da ein Schulanfänger, dort ein tanzendes Paar. Und nicht zuletzt der lebensecht geschnitzte Riesenschnauzer im hohen Gras seines Gartens, eine Erinnerung an seinen verstorbenen Hund. Die Bewegung interessiert ihn, das Material und dessen Wirkung im Raum, sagt Anhoff. Bisweilen hat er Kunden auch schon Skulpturen aus kranken Bäumen herausgezaubert, die gefällt werden sollten. Holz ist das Material, das ihn am meisten inspiriert, sagt Anhoff.

Wenn am Samstag die Besucher auf seinen Hof kommen – in den vergangenen Jahren waren es immer mehrere Hundert – dann freut er sich auf Gespräche, zum Beispiel über den lebensgroßen Fußballer vor seiner Haustür, der sich schon vor dem Schuss über das Tor zu freuen scheint, und über die Pferdeskulptur, die er aus Hufeisen zusammengeschweißt hat. Nicht sein erstes Hufeisenpferd übrigens. Über die exaltiert wirkende Dame in roten Hackenschuhen. Oder über das nur etwa 20 Zentimeter große Bauernpaar, dessen Beelitzer Herkunft mit der geschnitzten Spargelspitze daneben gekennzeichnet ist. „Vielleicht wird ja mal was Größeres daraus“, überlegt Anhoff.

Was den Tag der Offenen Höfe in Langerwisch angeht, so ist längst etwas Größeres daraus geworden. Zum neunten Mal findet das Höfefest statt, sagt Andrea Alms vom Organisationsteam. Die Gästezahl sei stetig gewachsen. Zur Geschichte und Bauzeit der Höfe sind vor jeder Anlage Tafeln angebracht, beim Rundgang kann man sich davon überzeugen, was seit der Wende aus den Bauernhöfen, der Alten Schmiede und mancher Landvilla so geworden ist. Rundherum gibt es Handwerksstände, Dudelsackklänge und Gegrilltes. Die Kirche mit dem Kruzifix von Bernd Anhoff ist natürlich auch geöffnet. Henry Klix

Tag der Offenen Höfe am 3. September ab 14 Uhr in Neu Langerwisch. Wer sich noch selbst mit seiner Kunst oder seinem Verein vorstellen will, kann sich unter Tel.: (033205) 549 66 anmelden

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