Potsdam-Mittelmark : Studenten machen Schule

Nur wenige Schulen in Brandenburg beteiligten sich bislang an dem studentischen Projekt – nicht zuletzt aus Kostengründen

Andreas Koska
Student Moritz Pilz mit Schülern der Evangelischen Grundschule Potsdam.
Student Moritz Pilz mit Schülern der Evangelischen Grundschule Potsdam.Foto: kos

Die zehnjährige Hannah streckt begeistert ihre Hand in die Höhe. Die fünf Sinne nach denen Moritz Pilz gefragt hat, sind der Schülerin der Evangelischen Grundschule in Babelsberg geläufig. Moritz Pilz ist Lehramtsstudent an der FU Berlin, er will eine Studienratslaufbahn einschlagen, der junge Mann studiert Geschichte und Sozialkunde. Seine Brötchen verdient er als Dozent beim Projekt „Studenten machen Schule“ des kleinen Berliner Unternehmens S.W.i.M. – das steht für „Schlüsselqualifikation, Wissenschaftsvorbereitung, interaktive Medien“.

In dem Projekt sammeln Studenten Praxiserfahrungen, die Lehrer bekommen neue Ideen, den Schülern werden in Kleingruppen Kompetenzen vermittelt, für die häufig im regulären Unterricht nicht genug gegeben wird. Die Firma bietet Schulen „Schülerwerkstätten“ an, in denen gezeigt wird wie man „Lernen lernen“, die Schule mitgestalten oder die Medien richtig nutzen kann. Als Dozenten werden allein Lehramtsstudenten engagiert. Diese bekommen dadurch die Möglichkeit vor einer Klasse zu stehen und Erfahrungen zu sammeln. Der Erwerb der sogenannten Schlüsselqualifikationen durch die Schüler erleichtert, im Idealfall, den Lehrern vor Ort die Arbeit mit den Kindern.

Henriette Paschen ist Hannahs Klassenlehrerin. „Ich finde das Projekt spannend, die Kinder lernen neue Methoden und ich selbst bekomme neue Ideen“, zeigt sie sich angetan. Inzwischen überlegen Hannah und ihre Schulfreunde welche Sinne fürs Lernen gebraucht werden. Schon in den ersten beiden Stunden haben sie gelernt wie ein Schreibtisch aussehen sollte, an dem man gern lernt. „Arbeitsplatzgestaltung“ heißt dieser Workshop. Hannah, Richard, Luise und die anderen Fünftklässler haben jetzt herausgefunden welchem Lerntyp sie angehören. Moritz Pilz las Begriffe vor, zeigte Schrifttafel und Bilder, die Schüler schrieben danach in jeder Kategorie die ihnen in Erinnerung gebliebenen Begriffe auf. Hannah konnte sich am Besten das Gelesene merken, Richard war der Hörtyp und Luise konnte mit Symbolen am besten arbeiten.

„Lernen lernen“ ist eines von fünf Workshops innerhalb des „Moduls 3“. Insgesamt gibt es fünf Module. Die Evangelische Schule Potsdam ist eine der ersten Brandenburger Schulen die die Dienste des studentischen Unternehmens in Anspruch nehmen. Bisher waren auch die Kleinmachnower Steinweg-Grundschule und die Ottfried-Preußler-Schule in Großbeeren dabei. Im Januar folgt die Inselschule in Töplitz. „Das Ziel unseres Projektes ist es, ein praxisnahes Unterstützungsangebot zur Vorbereitung auf die neuen Prüfungskomponenten und den weiteren Bildungs- und Lebensweg von Schülern anzubieten“, erklärt der Mitbegründer Robert Greve. Der 25-jährige Masterstudent kümmert sich bei dem Projekt unter anderem um die Grundsatzplanung, die Arbeitskoordination und unser Kompetenznetzwerk.

Die Germanistik- und Biologie-Studentin Bea Höfgen studiert im vierten Semester, sie ist erst 21 Jahre alt und koordiniert die im September begonnene Arbeit in Brandenburg. „Wir bieten unsere Workshops allen Grundschulen in Brandenburg an“, betont Höfgen. Sie erzählt, dass der Rücklauf auf die Angebote groß war. „Allerdings ist die Finanzierung ein Problem“, meint sie. Zwar werden die Kosten individuell berechnet, Greve macht aber ein Beispiel auf. „Bei 70 Schülern und 25 Doppelstunden berechnen wir 1500 Euro, dies entspricht 4,50 Euro je Schüler und 90 Minuten“, so Greve. In Berlin ist man seit 2007 tätig. „Hier haben wir bis heute rund 10 000 Schüler an 100 Schulen in rund 600 Workshops unterrichtet“, erzählt Greve von der Erfolgsgeschichte. Die Finanzierung erfolgte entweder über Dienstleistungsverträge im Ganztagsbereich oder wurde durch Schulfördervereine gesponsert. Der „Landesverband schulischer Fördervereine Berlin-Brandenburg“ gehört zu den Kooperationspartnern der Studenten.

Nach zwei Workshops am Vormittag haben die Schüler der evangelischen Schule Mittagspause. Auch Moritz Pilz kann durchatmen. „Seit 15 Monaten bin ich als Teamer dabei, so habe ich viele Schulen und Schüler kennen gelernt, nicht alle sind so motiviert wie hier in Babelsberg“, meint er. Man merkt ihm an, dass es Spaß gemacht hat. Am Nachmittag wird er mit den Schülern Gedächtnistraining durchführen. Da wird Henriette Paschen nicht dabei sein. „Es war auf jedem Fall schön, nicht vorne zu stehen“, sagt sie. Ab März werden die brandenburgischen Oberschulen und Gymnasien in das Projekteinbezogen. Andreas Koska

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