Streik in Potsdam-Mittelmark : Selbst Verdi-Mitglieder kritisieren Gewerkschaft

Auch in Potsdam-Mittelmark stand der Verkehr still. Kaum ein Bus fuhr, 70.000 Einwohner waren abgeschnitten. Wer sich ein Taxi genommen hat, muss die Kosten selbst tragen.

Potsdam-Mittelmark - Nichts ging mehr in Werder, Stahnsdorf, Beelitz und Babelsberg. Die Tore der vier Betriebshöfe der Beelitzer Verkehrs- und Servicegesellschaft waren am Dienstag fest verschlossen, der Busverkehr komplett eingestellt. „Wir haben erst um 3.30 Uhr die Streikmitteilung von Verdi bekommen, da konnten wir keinen Notfahrplan mehr erarbeiten“, sagt Unternehmenssprecherin Ulrike Rehberg den PNN. Erst um Punkt 15 Uhr gab der Betriebsrat die Tore wieder frei, und der Verkehr konnte langsam anrollen.

„Wir verstehen zwar grundsätzlich das Ansinnen der Gewerkschaft, finden die Dauer und Kurzfristigkeit für einen ersten Warnstreik aber sehr heftig“, so Rehberg. Sie entschuldigt sich zudem für die fehlerhafte Kommunikation: An den wenigen Bushaltestellen, die mit LED-Anzeigen ausgestattet waren, waren alle im Normalfall abfahrenden Busse aufgeführt, dazu gab es eine Warnung zu massiven Beeinträchtigungen. Dass jedoch keiner der angezeigten Busse fuhr, war beispielsweise am Werderaner Plantagenplatz nicht zu erfahren.

"Nach Potsdam ging gar nichts mehr"

Glück hatte nur, wer an einer der wenigen Strecken im Kreis wohnt, die von Subunternehmern betrieben werden. Dort war am Dienstag trotz Streiks regulärer Betrieb, wie beispielsweise auf der Linie 629 durch Stahnsdorf, Kleinmachnow und Teltow. Insgesamt war die Region mit ihren 70.000 Einwohnern aber fast komplett abgeschnitten. „Nur aus Teltow kam man mit der BVG oder der S-Bahn nach Berlin, nach Potsdam ging gar nichts mehr“, so der Sprecher der „AG Regionale Mobilität“, Peter Weis. Er selbst fuhr mit einer Mitfahrgelegenheit an seinen Berliner Arbeitsplatz. „Bei dem guten Wetter sind vielleicht einige auf das Fahrrad umgestiegen“, so Weis, der die fehlende Information der Fahrgäste kritisiert. So seien in den drei Gemeinden trotz starker Nutzung nur an wenigen Bushaltestellen elektrische Anzeigetafeln montiert, wer in der Zeitung nichts vom Streik gelesen habe, habe umsonst auf den Bus gewartet.

Weis ist selbst Verdi-Mitglied, den Streik hält er durchaus für berechtigt. Auch er hält es aber für fraglich, ob solch ein heftiger Streikbeginn nötig war. „Zwar fällt ein Streik grundsätzlich immer ungünstig, er hätte jedoch besser kommuniziert werden müssen“, so Weis.

Taxi-Kosten werden nicht übernommen

Erfreulich war der Tag für die märkischen Taxi-Unternehmen. „Unsere sieben Autos standen seit 6 Uhr morgens nicht mehr still“, sagt Mario Große, Mitarbeiter des größten Unternehmens der Region, der Werderaner Firma Taxi-Kubi. Zeitweise hätten Kunden 20 Minuten auf ein Taxi warten müssen. Auch bei Kollegen anderer Unternehmen sei die Lage ähnlich. Zusätzliche Fahrer habe man in der kurzen Zeit nicht mobilisieren können.

Das Taxi nutzen musste auch die PNN-Leserin Edda Lutsch aus Teltow. Sie hat keinen Führerschein und keine Verwandten vor Ort. „Kann man bei Verdi eine Erstattung der Fahrkosten bewirken?“, fragt Lutsch in einem Schreiben. Verdi-Verhandlungsführer Marco Pavlik verneint das. Auch die Beelitzer Verkehrsgesellschaft lehnt eine Kostenübernahme ab, da es sich bei dem Streik um höhere Gewalt handele. 

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