Straßenbau in Stahnsdorf : Umständlich und unübersichtlich

Der Ärger um die Baustelle Potsdamer Allee in Stahnsdorf ebbt nicht ab. 

Solveig Schuster
Bauarbeiten Potsdamer Allee Straße Stahnsdorf.
Bauarbeiten Potsdamer Allee Straße Stahnsdorf.Foto: Enrico Bellin

Stahnsdorf – Das große Chaos zum Schulstart ist in Stahnsdorf ausgeblieben. Trotzdem bleibt die Baustelle Potsdamer Allee und die damit einhergehende Sperrung des Bäkedamms weiterhin für viele ein Problem. Neben den Autofahrern, die zu Stoßzeiten vor allem in der Lindenstraße (L77) im Stau stehen, beklagen Geschäftsinhaber mangelnde Zufahrtswege und eine schlechte Koordination. Im Enzianweg, über den Autofahrer vermehrt eine Abkürzung suchen, bildete sich eine Interessensgemeinschaft, die gegen die zunehmende Verkehrsbelastung kämpft. Auch Radfahrer klagen. Die Situation sei unübersichtlich, berichten sie.
Der Kleinmachnower Ortsgruppensprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs, Peter Weis, nutzte das Wochenende für eine Stippvisite. Im Ergebnis hat er eine Anfrage an die Fachausschüsse des Landkreises verfasst, in der auch er auf fehlende Beschilderungen von Umleitungswegen für Radfahrer verweist. An der Wannseestraße etwa ende der benutzungspflichtige Radweg im Nichts, den Schleusenweg könnten Radler aufgrund von Sperren nicht queren. Michael Hollax, verantwortlicher Mitarbeiter beim Kreisstraßenbaubetrieb, hat sich am Montag ein Bild von der Situation vor Ort gemacht. „Im Großen und Ganzen läuft der Baustellenverkehr“, sagt er. „Einige Details muss man sich aber noch genauer ansehen.“ Dazu gehöre auch der Radverkehr. 
Erst zum Ende der vergangenen Woche hatte der Bauherr nachjustiert und die Verkehrsführung am Knotenpunkt Stahnsdorfer Hof verändert. Dort können Autofahrer zwar noch aus der Lindenstraße kommend zur Ruhlsdorfer Straße abbiegen, aber nicht mehr umgekehrt. In Richtung Teltow ist die Ruhlsdorfer Straße bis zur Einmündung Quermathe gesperrt. Nach Angaben der Behörde würde die Kreuzung damit um rund 3000 Autos am Tag entlastet. 
Autofahrer aus Teltow, die hinter dem Abzweig Quermathe ins Gewerbegebiet wollen oder aufgrund der Baustelle in der Ruhlsdorfer Straße in Teltow über die Stahnsdorfer Straße umgeleitet werden, müssen über die ohnehin schon viel befahrene Iserstraße oder zwängen sich eben durch den Enzianweg. Besonders beschwerlich sei es derzeit für ortsansässige Gewerbetreibende und deren Kunden. „Wir wissen um unsere Vorteile“, erklärt Selgros-Geschäftsführer Falk Moses. Für die Klientel des Großhandelsmarktes sei Zeit aber Geld. Durchschnittlich würden rund 800 Kunden am Tag den Cash&Carry-Markt besuchen. Moses fürchtet, dass sie sich über kurz oder lang verkehrsgünstigere Möglichkeiten suchen. Insbesondere, wenn die Ruhlsdorfer Straße zwischen Mühlenstraße und Quermathe zum Spätherbst für den Bau der neuen Landesstraße 77, die einmal von dort zur Landesstraße 40 führen soll, voll gesperrt wird. Bei der Gemeinde habe es nach eigenen Angaben  nach Umsetzung der Maßnahmen kaum noch Hinweise und Beschwerden gegeben, auch würden diese umgehend an die Staßenbaubehörde weitergegeben und bearbeitet.  Dennoch fühlen sich  wie  Moses nicht alle Gewerbetreibenden  ausreichend mitgenommen. Nach einer Infoveranstaltung zum Bau der Landesstraße 77  im Juli  sei kaum etwas passiert, kritisiert der Vorsitzende des regionalen Gewerbevereins Georg Lehrmann.  
Selgros-Geschäftsführer Moses wünscht sich ein Gespräch, etwa  zu Möglichkeiten der Beschilderung während der Bauphase. Zudem müssten die Ampeln in der Lindenstraße und dem Güterfelder Damm aufeinander abgestimmt werden, damit der Verkehr noch besser fließen kann, meint er. Einen ähnlich lautenden Antrag hat auch die Stahnsdorfer CDU vorgelegt, der derzeit in den Ausschüssen beraten wird. Um die Anwohner zu entlasten, fordert diese zudem ein Tempo-30-Limit auf der Lindenstraße. 
Anderen, wie dem Kleinmachnower Jürgen Lemke, geht es insgesamt auf der Baustelle nicht schnell genug. Es werde nicht mit Elan und Intensität gearbeitet. „Hier muss eine Schippe mehr drauf“, fordert er.