Potsdam-Mittelmark : Staubeirat gefordert

CDU-Fraktion will Mitspracherecht stärken

Thomas Lähns

Potsdam-Mittelmark – Die Interessen könnten unterschiedlicher kaum sein: Während die Fischer überflutete Wiesen in den Flussniederungen brauchen, damit zum Beispiel Hechte laichen, sind die Landwirte auf trockenen Boden für die Heumahd angewiesen. Die Wasser- und Bodenverbände geraten oft in eine Zwickmühle: Sollen sie ihre Wehre in den Gräben schließen oder öffnen? Abhilfe soll ein Staubeirat für den Landkreis schaffen, in dem die wichtigsten Interessengruppen vertreten sind und ihre Ziele miteinander abstimmen.

Einen entsprechenden Antrag hat die CDU-Fraktion zur nächsten Kreistagssitzung gestellt. In dem Gremium, das der Unteren Wasserbehörde zur Seite gestellt werden soll – wenn auch nur mit beratender Funktion – sollen Vertreter der Unteren Naturschutz- und der Wasserbehörde, der Landwirtschaft und Fischerei und der Wasser- und Bodenverbände als Eigentümer der Anlagen angehören. Vorbild soll der Staubeirat des Wasser- und Schifffahrtsamtes Brandenburg sein: Hier stimmen sich seit mehreren Jahren vor allem Landwirte und Binnenschiffer über die Regelung der Wasserstände an der Havel durch die acht Havelwehre ab.

Ein solches Gremium müsse auch für den Landkreis zur Verfügung stehen – und auch die kleineren Fluss- und Grabensysteme ins Auge fassen, argumentiert die CDU, die auf diesem Wege vor allem die Rechte der Fischer stärken will. Staubeiräte habe es schon vor hundert Jahren gegeben, erklärte Fraktionschef Rudolf Werner den PNN. Erst nach der Wende habe man diese Form der Interessenvertretung aus dem Blick verloren.

Das Grundproblem in der Region sei das niedrige Gefälle, erklärte Werner: „Wenn man das Wasser auf dem flachen Land nur 50 Zentimeter absenkt, macht sich das noch in 30 Kilometern bemerkbar.“ Immerhin: Zwischen Fischern und Landwirten ließen sich Kompromisse finden – indem man die Staustufen zeitlich und örtlich variiert. „Richtig schwierig“ werde es aber in Anbetracht der Bebauung von Flussniederungen. Viele Gemeinden hätten nach 1990 Baugebiete an Uferstreifen ausgewiesen – „aber das Wasser sucht sich seinen Weg“.

Ein weiteres Problem sei der Zustand der kleineren Wehre in den Grabennetzen der Region. Oft würde das Geld fehlen, um diese wieder funktionstüchtig zu machen. Thomas Lähns

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!