Stammbahn in Kleinmachnow : Bürger fürchten Lärm durch Güterzüge

Bürger vermuten, die Bahn könnte Güterzüge über die Strecke der Stammbahn schicken, ohne für einen angemessenen Lärmschutz zu sorgen.

Kleinmachnow - Die Stammbahn wird in Kleinmachnow zum Streitthema: Bürger befürchten, dass auf der Strecke auch Güterzüge verkehren sollen und die Deutsche Bahn nicht für ausreichenden Schallschutz sorgen könnte. So schreibt Toralf Reichenbach in einem Brief an die Bürgerinitiative Stammbahn, er habe zwar gerne unterstützt, dass auf der Strecke eine S-Bahn-Verlängerung gebaut würde. Nun aber habe er den Eindruck, dass die Bürgerinitiative „vielmehr eine zweigleisige Schnellbahntrasse mit Regio- und Güterverkehr“ beabsichtige. Mit derartigen Plänen könne er sich nicht mehr identifizieren. Seine Bedenken trug Reichenbach auch in der letzten Sitzung des Kleinmachnower Hauptausschusses vor. In dem Ausschuss wurden in der vergangenen Woche mehrere Beschlüsse zu Bebauungsplänen der Stammbahntrasse einstimmig angenommen.

Laut Jens Klocksin, Co-Sprecher der Bürgerinitiative Stammbahn, sind Reichenbachs Befürchtungen unbegründet. „Der B-Plan sieht ja vorerst nur vor, dass die Trasse für den Betrieb als Eisenbahnstrecke freigehalten wird.“ Wenn das zuständige Ministerium den Bau einer neuen Strecke auf der alten Trasse beschließt, werde in einem nächsten Schritt das Eisenbahnbundesamt ermitteln, welche Art von Schallschutz nötig sei, damit Anwohner nicht von Lärm belästigt würden. Die Deutsche Bahn habe sich an diese Vorschriften zu halten, die unter anderem auf dem Bundesimmissionsschutzgesetz basierten und somit nicht verhandelbar seien. Zwar habe es in der Vergangenheit Fälle gegeben, in denen Bauherren aus Gründen der Kostenersparnis zunächst keinen ausreichenden Schallschutz einrichteten. Bürger könnten in solchen Fällen aber klagen und seien damit in der Regel erfolgreich.

Bürgerinitiative für Stammbahn in der Kritik

Güterverkehr sei auf der Strecke keinesfalls geplant, so Klocksin. „Das wäre auch gar nicht möglich, da sich auf der Strecke ein Tunnel befindet, durch den Güterzüge nicht fahren dürfen“, erklärt der Stammbahn-Experte. Auch die Befürchtung einiger Bürger, dass eine Kurve am Berliner Südring wieder montiert werden könnte, um den Tunnel zu umgehen, erklärt Klocksin für haltlos. Der Großteil des Güterverkehrs werde heutzutage ohnehin per Lkw abgewickelt, weshalb gar kein Bedarf an einer zusätzlichen Strecke für Güterzüge bestehe.

Die Bürgerinitiative Stammbahn setzt sich seit 1999 dafür ein, dass die Berlin-Potsdamer Stammbahnstrecke wieder in Betrieb genommen wird. Auf der Strecke könnten Reisende die Städte und Gemeinden der Region mit Regionalbahnen deutlich schneller erreichen, als es heute der Fall ist. Die Fahrtzeit von Berlin-Zehlendorf zum Berliner Hauptbahnhof etwa würde sich laut einem Informationsblatt der Bürgerinitiative von etwa einer halben Stunde auf 15 Minuten reduzieren, von Kleinmachnow bräuchten Reisende bis zum Potsdamer Platz in Berlin statt 37 Minuten ebenfalls nur noch eine Viertelstunde. Daneben gibt es Überlegungen, die S-Bahn-Strecke von Teltow nach Stahnsdorf zu verlängern und möglicherweise an die von 1913 bis zum Mauerbau betriebene „Friedhofsbahn“ aus Wannsee anzubinden.

Fahrradschnellweg gefordert

Auch im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf hatten die Bezirksverordneten sich Ende Mai für die Reaktivierung der Stammbahn eingesetzt. Zusätzlich forderten die Bürgervertreter, dass ein Fahrradschnellweg – möglichst frei von Kreuzungen – entlang der Stammbahnstrecke gebaut werde, auf dem Fahrradfahrer schnell von Potsdam in die Mitte Berlins gelangen können.

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