Stadtgeschichte in Werder (Havel) : Alarm per Knöpfchendrücken

Die Stadt Werder (Havel) hat ihre historische Notrufsäule vor der Polizeidienststelle restauriert – ein Relikt aus der Zeit vor Festnetzanschlüssen und Handys.

Der Feuermelder an der Polizei Werder wurde restauriert. Polizeikommissar Gert Meyer (links) war an der Aufarbeitung der Säule beteiligt.
Der Feuermelder an der Polizei Werder wurde restauriert. Polizeikommissar Gert Meyer (links) war an der Aufarbeitung der Säule...Foto: Andreas Klaer

Werder (Havel) - Früher gab es Notrufsäulen noch in vielen Städten und Gemeinden. Mit der Verbreitung von Mobiltelefonen sind sie heute, mit einigen Ausnahmen wie etwa an Bahnsteigen oder an Autobahnen, weitestgehend aus dem Straßenbild verschwunden. Die Stadt Werder (Havel) hat seine Säule auf Initiative des Revierleiters, Polizeihauptkommissar Gert Meyer, restaurieren lassen. Nun steht sie wieder vor der Tür der Polizeidienststelle in der Potsdamer Straße.

Die Geschichte der Notrufsäule, die Anfang der 60er-Jahre vor der Polizeidienststelle errichtet wurde, ließ sich nicht sehr einfach recherchieren, wie der Vorsitzende des Heimatvereins Werder, Klaus Froh, bei der feierlichen Einweihung der Säule erzählte. „Ich war im Bauamt und im Stadtarchiv. Es ließ sich aber nichts über die Säule direkt erfahren“, sagte Froh. Warum steht die Notrufsäule direkt vor der Polizei? Schließlich ist der Weg zum nächsten helfenden Polizisten nicht sehr weit. Haben sich die Behörden damals einen Scherz erlaubt?

Die Feuerwehr war bei der Polizei eingezogen

Die Wache hat ihren Sitz bereits seit Ende der 1940er-Jahre an derselben Stelle, wie Froh erklärt. Die Säule allerdings steht erst seit den 1960er-Jahren dort – und sei ursprünglich für die Feuerwehr gewesen. Die hatte bis Ende des Zweiten Weltkrieges ihr Depot auf der Werderaner Insel, bis eine Luftmine der Alliierten die Technik zerstörte. Die Wehr benötigte dringend ein neues Quartier. Die Polizeidienststelle hatte auf ihrem Innenhof einen großen Garagenkomplex. Ideal für ein Löschfahrzeug und die Technik der Feuerwehr, die 1945 in die Räume zog. Gleich nebenan konnten außerdem die Feuerwehrleute wohnen. In den 1960er-Jahren kam die Notrufsäule dazu.

Man musste an der Säule auf die Einsatzkräfte warten

Damals sei sie hochmodern gewesen, so Froh. Zwar verfügte sie nicht über eine Fernsprechanlage, aber sie gab den Notruf an die zuständige Zentrale in Potsdam heraus. Dafür musste zunächst die Scheibe zertrümmert und dann der große schwarze Knopf heruntergedrückt werden. So wurde das Volkspolizeikreisamt in Potsdam informiert, das wiederum die Einsatzkräfte vor Ort über die vier Sirenen im Stadtgebiet Werder alarmierte. Die mussten zunächst zur Säule. Denn ohne Fernsprechanlage wusste niemand, wo es genau brannte oder ein Notfall vorlag. Der Knöpfchendrücker musste also geduldig an der Säule auf die Einsatzkräfte warten, um ihnen den Weg zu weisen.

Die Säule wurden jedoch nicht nur für Brandmeldungen benutzt, sondern allgemein für alle Arten von Notrufen, wie Peter Meyritz, Leiter der Polizeidienststelle West erklärte. In den 1960er-Jahren hätte sie noch eine ganz andere Bedeutung gehabt. „Wer hatte schon einen Telefonanschluss?“, sagt Meyritz. Selbst Telefonzellen seien selten gewesen. Die Station der Säule habe jeder Einwohner gekannt und alle wussten, dass sie dort Hilfe bekommen würden. Ob sie beim einzigen großen Brand dieser Zeit, der Zerstörung der Bockwindmühle in Werder, zum Einsatz kam, ist indes nicht bekannt.

Seit 1973 im Dornröschenschlaf

Auch nachdem 1973 die neue Feuerwehr in der Chemnitzer Straße bezogen wurde, blieb die Notrufsäule an der alten Stelle. Die Alarmierung der Feuerwehr lief nun allerdings von der neuen Wehr aus. „Die Säule fiel in einen Dornröschenschlaf“, berichtet Froh. Bis sich Revierleiter Gert Meyer für die Restaurierung einsetzte. Er selbst arbeitet seit 1980 in der Polizeidienststelle und kann sich noch daran erinnern, wie jeder Polizist noch einen Drei- oder Vierkantschlüssel bei sich trug, um die Säulen öffnen und benutzen zu können. Denn auch die Wachen kommunizierten so miteinander.

Für rund 3000 Euro hat der Töplitzer Meisterbetrieb Kunsch Bautenschutz und Werterhaltung die Säule runderneuert. Die Kosten hat die Stadt Werder übernommen. Sie steht nun etwas versetzt, hinter dem Zaun der Wache. Notrufe kann sie allerdings nicht mehr weiterleiten. Die alte Fernverbindung zur Zentrale in Potsdam ist gekappt. Dafür soll sie ein neuer Anlaufpunkt der Stadtführer werden.