Stadt findet keine Investoren : Hängepartie am Teltower Hafen

Der Teltower Hafen ist seit Mai 2019 in Betrieb, doch noch immer fehlt ihm ein zentrales Gebäude. Im Zuge der Coronakrise ist auch das zweite Verfahren zur Investorensuche geplatzt. Die Stadt startet einen dritten Anlauf. 

Der Hafen in Teltow.
Der Hafen in Teltow.Foto: Andreas Klaer

Teltow - Die Hoffnung stirbt zuletzt: So könnte man die Hängepartie um das Hafengebäude in Teltows neuer Marina bezeichnen. Jetzt ist mittlerweile auch das zweite Verfahren zur Suche nach einem Investor geplatzt, Schuld daran ist die Coronakrise, wie es aus der Teltower Stadtverwaltung heißt. Zunächst kam es aufgrund des Lockdowns zu Verzögerungen bei den Verhandlungen, jetzt sind fast alle Interessenten abgesprungen. 

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Damit steht die Stadt wieder so gut wie am Anfang: Erneut müssen Interessenten für den Bau der Immobilie gesucht werden. Sie müssen Ideen entwickeln, der Stadt erklären, wie sie sich das familienfreundliche Hafengebäude, das neben sanitären Anlagen und dem Hafenmeisterbüro auch eine Gastronomie beherbergen soll, vorstellen. 

Der Hafen von oben.
Der Hafen von oben.Foto: Lutz Hannemann

Der Hafen ist unterdessen seit mehr als einem Jahr in Betrieb, aber das Gelände wirkt immer noch unbelebt und karg. Viele Teltower würden sich am Kanal ein gastronomisches Angebot wünschen, das würde aus Sicht etlicher Bürger die hohen Kosten für den Hafen zumindest in Teilen wieder wett machen. Doch noch immer sitzt der Hafenmeister in einem Provisorium, mehrere Baucontainer ersetzen derzeit das fehlende zentrale Gebäude auf dem Areal. Der Teltower Hafen ist - auch wenn dort bereits einige Schiffe liegen - mehr als ein Jahr nach seiner Eröffnung ein wenig einladender Ort. 

Bisherige Interessenten waren vor allem Gastronomen, die mit der Krise zu kämpfen haben

"Leider hat das Coronavirus Einfluss auf die Investitionsentscheidung der bisherigen Interessenten gehabt", sagte Stadtsprecher Jürgen Stich auf PNN-Anfrage. Die bisherigen Verhandlungspartner würden für einen Bau derzeit nicht mehr zur Verfügung stehen. Es soll sich bei den Interessenten vor allem um Gastronomen gehandelt haben, manche wohl aus Berlin. Da Gastronomen besonders von den wirtschaftlichen Folgen der Krise betroffen seien, seien die Interessenten aus der bisherigen Runde nun ausgeschieden. 

Daher hat sich die Stadtverwaltung jetzt zu einem dritten Anlauf entschieden: Wurde im ersten Verfahren kein Interessent gefunden, weil die Stadt zu viele und für Investoren offenbar wenig attraktive Einschränkungen in der Ausschreibung machte, hatte man im zweiten Versuch ein sogenanntes offenes Verfahren angestrebt. In dem nun startenden dritten Verfahren sollen Interessenten, die trotz Coronakrise an der Entwicklung des Areals interessiert sind, eine Chance gegeben werden. 

Interessenten kommen jetzt aus der Immobilienbranche

Aus der geplatzten Runde sei noch ein Interessent übrig, die neuen Interessenten kommen laut Stadtsprecher Stich vor allem aus dem Immobilienbereich und würden die Gastronomie später verpachten. Stich betonte, dass die derzeitigen Interessenten mit einer solchen Entwicklung Erfahrungen hätten. Wie viele Bewerber es für den Bau des Hafengebäudes mit Restaurant überhaupt gibt, bleibt aus verfahrenstechnischen Gründen noch immer geheim. Dass Hafenbetreiber Thomas Klemm auch ein Angebot für das Hafengebäude abgeben wollen würde, dementierte der Stadtsprecher.

Ursprünglich sollten die Stadtverordneten nach der Sommerpause im September über die Vergabe entscheiden. Ihnen wurde - nach bereits einiger Verzögerung - angekündigt, dass ihnen Ideen, Entwürfe und Interessenten vorgestellt werden. Doch daraus wird zunächst nichts, mindestens bis Jahresende müssen sie sich noch gedulden. So lange würde das nunmehr dritte Interessenbekundungsverfahren für den Bau eines Hafengebäudes in Teltow andauern.

Und die Stadt lässt auf PNN-Anfrage bereits eine weitere mögliche Alternative durchblicken: "Sollte es keinen Interessenten für den Bau geben, dann wird die Entscheidung zum Bau des Hafengebäudes durch die Stadtverordnetenversammlung zu treffen sein", so Stadtsprecher Jürgen Stich. Denn einen Hafen ohne Hafengebäude werde es nicht geben. Ursprünglich hatte die Stadt geplant, den Hafen sowie das dazugehörige Restaurant selbst zu bauen. Um Geld zu sparen, wurde das aber wieder verworfen. Die Marina hat Teltow sowieso schon viel Geld gekostet: Die Kosten haben sich von anfänglich geplanten rund fünf Millionen Euro auf inzwischen mehr als 15 Millionen Euro erhöht.

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