Sorge um die Upstallwiesen : Bürgerinitiative gegen Bauvorhaben in Stahnsdorf

Gegen ein Bauvorhaben in Stahnsdorf hat sich eine Bürgerinitiative gegründet. Kritisiert wird vor allem die geplante Tiefgarage. Zudem bangen die Anwohner um einen Wald und jede Menge Tiere. 

Frank Cochlovius (vorne links) und Jörg Blichmann (vorne rechts) von der Bürgerinitiative kritisieren die Pläne der Gemeinde.
Frank Cochlovius (vorne links) und Jörg Blichmann (vorne rechts) von der Bürgerinitiative kritisieren die Pläne der Gemeinde.Foto: Manfred Thomas

Stahnsdorf - Auf einem Grundstück am Landschaftsschutzgebiet Upstallwiesen in Stahnsdorf will ein Investor Mehrfamilienhäuser bauen und Plätze für betreutes Wohnen schaffen. Nun hat sich gegen die Pläne eine Bürgerinitiative zusammengefunden. Die Mitglieder fürchten die Trockenlegung der Upstallwiesen und irreparable Schäden der Natur.

Wie berichtet will das Unternehmen Karpowitz Immobilien & Projektentwicklung von Silvio Karpowitz auf dem Grundstück Häuser mit Eigentumswohnungen bauen. Das Areal, das im Flächennutzungsplan als gemischte Baufläche ausgewiesen ist, gehört der Firma. Im März 2020 hatten die Stahnsdorfer Gemeindevertreter der Aufstellung eines Bebauungsplans zugestimmt. Vorgesehen sind drei Mehrfamilienhäuser an der Potsdamer Allee sowie zwei weitere in der Parkallee. Insgesamt sollen rund 55 bis 60 Wohnungen entstehen – davon rund ein Drittel für betreutes Wohnen für pflegebedürftige Menschen. Zudem sind eine Tiefgarage und ein Café geplant.

[Was ist los in Potsdam und Brandenburg? Die Potsdamer Neuesten Nachrichten informieren Sie direkt aus der Landeshauptstadt. Mit dem neuen Newsletter Potsdam HEUTE sind Sie besonders nah dran. Hier geht's zur kostenlosen Bestellung.]

Jörg Blichmann, der vor Ort mit seiner Familie wohnt, hatte sich nach der Gemeindevertreterversammlung im März mit weiteren Anwohnern zusammengefunden. Gemeinsam gründeten sie die Bürgerinitiative Upstallwiesen. Die 13 Mitglieder fürchten vor allem massive Auswirkungen auf die Natur und die Tierwelt. Vor allem die geplante Tiefgarage sehen die Anwohner kritisch. „Das Grundwasser liegt in der Parkallee bereits jetzt in rund fünf, sechs Metern Tiefe. In ganz Brandenburg gibt es Probleme wegen der extremen Trockenheit. Die Upstallwiesen sind ein Moorgebiet“, sagt Blichmann. Wenn für die Arbeiten an der Tiefgarage das Grundwasser noch weiter abgesenkt werde, bestehe die Gefahr, dass das Moor kippt und so zerstört werde, erklärt Beate Blichmann von der Initiative. Die 72 alten Bäume, die auf Grundstücken der Anwohner der Parkallee stehen, würden dann absterben, so die Befürchtung.

Sorge um den Wald.
Sorge um den Wald.Foto: Manfred Thomas

Investor Silvio Karpowitz sagte auf PNN-Anfrage, selbstverständlich würden mögliche Auswirkungen des Bauvorhabens von Experten und Gutachtern sowie den verantwortlichen Naturschutz- und Umweltbehörden genau geprüft. „Wir haben selbst kein Interesse daran, dass die Natur Schaden nimmt. Wir wollen eine Parkanlage errichten und den Wald an der Stelle so weit wie möglich belassen“, sagte Karpowitz. Vor allem die Eichen sollen stehen bleiben.

Vorwürfe an die Gemeinde

Dass die Tiefgarage es überhaupt in den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan geschafft hat, kann die Bürgerinitiative dennoch nicht verstehen. Bei neueren Häusern in der Straße sei mit Verweis auf das Grundwasser der Bau von Kellern nicht genehmigt worden. „Aber wenn ein großer Investor kommt, ist das plötzlich alles kein Problem mehr“, wirft Blichmann der Gemeinde vor.

Auch um den Wald auf dem zu bebauenden Grundstück machen sich die Mitglieder Sorgen. „Stahnsdorf wirbt mit seiner grünen Mitte, mit den Upstallwiesen. Dass ausgerechnet dort massiv gebaut werden soll, ist einfach unverständlich“, sagt Frank Cochlovius von der Bürgerinitiative. Auf dem Grundstück stehen alte Eichen, Ahornbäume und Akazien. Es habe sich zu einem Biotop entwickelt, sagt Initiativen-Mitglied Garri Armine Tchartchian. Dort und im Umfeld lebten etwa die seltene Goldbandunke, Fasane, Marder, Fledermäuse und weitere Vögel und Amphibien sowie eine seltene Waldameisenart, die auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehe. „Hier leben so viele Tiere. Weil der Wald sich selbst überlassen wurde, haben sie hier ihren Lebensraum gefunden“, so Tchartchian.

Der Wald wurde lange Zeit sich selbst überlassen.
Der Wald wurde lange Zeit sich selbst überlassen.Foto: Manfred Thomas

Am 15. September will die Bürgerinitiative erneut im Stahnsdorfer Bauausschuss vorsprechen. Sie könnte auch Zustimmung ernten, denn bei der Gemeindevertretersitzung im März hatte die Fraktion Bürger für Bürger inklusive Bürgermeister Bernd Albers versucht, das Flurstück an der Parkallee bis zu den Upstallwiesen aus dem Aufstellungsbeschluss herauszulösen, um den Wald dort erhalten zu können. Eine Mehrheit lehnte das jedoch ab.

Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.