Serie zur Landtagswahl 2019 : Ein klarer Spitzenreiter im Wahlkreis 18

Seit 15 Jahren holt Günter Baaske für die SPD das Direktmandat im Fläming. Die Gegner könnten aber diesmal aufholen.

Enrico Bellin
Foto: Sebastian Gabsch

Der Wahlkreis 18 erstreckt sich von Michendorf bis zur Landesgrenze nach Sachsen-Anhalt und dem Nachbarlandkreis Teltow-Fläming. Er umfasst neben Michendorf unter anderem die Speckgürtelkommunen Seddiner See und Beelitz und die Kreisstadt Bad Belzig.

Die Chancen

Die Prognosen sind eindeutig: Seit 2004 holt Günter Baaske in seinem Heimatwahlkreis das Direktmandat für die SPD. Sah das Analyseportal election.de Mitte vergangener Woche noch eine 96-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass Baaske das Direktmandat erhält, so waren es am Montag glatte 100 Prozent. Bei der Landtagswahl 2014 hatte Baaske 44,9 Prozent der Erststimmen erhalten. Damit lag er weit vor dem Zweitplatzierten: Der inzwischen verstorbene CDU-Kandidat Ludwig Burkardt hatte 21 Prozent der Stimmen auf sich vereint. Die jetzige CDU- Kandidatin Anja Schmollack könnte den Abstand zu Baaske zumindest verringern: Sie ist als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr auch außerhalb der Politik vernetzt. Zudem hatte sie in der CDU einen klaren Kurs gegen die AfD gefahren und eine Kandidatur des früheren AfD-Mitgliedes Steffen Königer bei der Kommunalwahl im Mai für die CDU verhindert. Der AfD-Kandidat Sven Schröder hatte 2014 ein Ergebnis von 9,9 Prozent erzielt. Für die Partei tritt nun Kai Laubach an, der wegen seiner nähe zu den rechtsextremen Identitären in der Kritik steht. Die Linke tritt mit Claudia Sprengel an, die in Brandenburg an der Havel wohnt. Ob die recht unbekannte Sprengel die 14,1 Prozent von Astrit Rabinowitsch, Linke-Urgestein der Region, wieder erreicht, ist fraglich. Auch die Grünen treten nicht mehr mit Elke Seidel an, die 2014 noch 6,2 Prozent der Stimmen erhielt. Kandidat Andreas Koska könnte jedoch vom Bundestrend der Partei profitieren. Einen deutlichen Stimmenzuwachs könnte Winfried Ludwig für die Freien Wählern erreichen, die zuletzt 2,5 Prozent der Erststimmen erhielten: Er ist besonders um Beelitz für seinen Kampf gegen Windräder im Wald bekannt. Spannend wird das Abschneiden von Tim Kehrwieder: Seine FDP hatte 2014 keinen Direktkandidaten im Wahlkreis aufgestellt und nur 1,6 Prozent der Zweitstimmen erhalten.

Die Themen

Der Wahlkreis ist ein Kreis der Extreme: Während um Michendorf, Seddiner See und Beelitz das Bauland knapp wird, hält sich der Zuzug in den Hohen Fläming in engen Grenzen. Trotzdem gibt es gemeinsame Probleme: Die Züge, allen voran der Regionalexpress 7, fahren zu selten und sind zu klein. Besserung ist erst ab 2022 in Sicht. Zudem fehlt noch eine direkte Anbindung in die anhaltinische Lutherstadt Wittenberg, wo viele Bewohner des Hohen Flämings arbeiten. Auch Autofahrer sind seit Jahren gestresst: Zwischen Brück und Michendorf gibt es auf den Autobahnen 9 und 10 durch die Baustelle auf der A10 täglich Stau. Besserung ist erst im nächsten Sommer in Sicht, wenn die Arbeiten beendet werden sollen. Auch die Netzabdeckung beim Breitbandinternet und dem Mobilfunk muss im ländlichen Bereich verbessert werden, damit die Region für junge Familien interessanter wird. Weiteres großes Thema ist der Bereich Gesundheitsvorsorge: Als 2015 die Geburtenstation des Kreiskrankenhauses in Bad Belzig geschlossen wurde, sorgte das für große Proteste. Noch immer ist man in der Region wütend darüber, für Geburten nun nach Potsdam, Brandenburg an der Havel oder bis nach Sachsen-Anhalt fahren zu müssen. Aufgabe der künftigen Landtagsabgeordneten wird es sein, die medizinische Versorgung zu sichern.