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SEK-Einsatz in Michendorf : Polizist schießt Verwirrten an

Auf der Raststätte Michendorf drohte ein Mann mit einem Anschlag. Er zückte ein Messer und verletzte einen Polizeihund – ein Elite-Beamter setzte seine Waffe ein.

Foto: Paul Zinken/dpa

Michendorf - Erst drohte er mit einem Sprengstoffanschlag auf der Raststätte Michendorf am südlichen Berliner Autobahnring. Als Beamte des Brandenburger Spezialeinsatzkommandos den Mann am frühen Dienstagmorgen zu Boden bringen wollten, stach er auf einen Polizeihund ein. Daraufhin feuerten die SEK-Beamten auf den Mann. Das war des Ende eines stundenlangen Einsatzes, bei dem die Autobahn in der Nacht in beide Richtungen komplett gesperrt werden musste. 

Der Mann wurde durch die Schüsse verletzt. Nach einer ersten ärztlichen Versorgung vor Ort wurde er in ein Krankenhaus gebracht. Auch der Diensthund wurde durch die Messerattacke im Kopfbereich schwer verletzt. Er musste in Potsdam notoperiert werden und hat überlebt, so eine Polizeisprecherin. Es handelt sich um einen Diensthund der Berliner Polizei, der „Bass“ heißt. Ob er nach der Messerattacke jemals wieder seinen Dienst aufnehmen wird, ist unklar. „Bass“ befinde sich aber auf dem Weg der Besserung.

Es war am Montag um 22.38 Uhr, als der Notruf bei der Polizei einging. Ein Bürger erklärte, dass auf dem Rastplatz Michendorf Süd – in Fahrtrichtung Frankfurt (Oder) – ein Mann mit einer Waffe, dicker Jacke und Rucksack stehe. Die Polizei löste einen großen Einsatz aus, rund 100 Beamte waren beteiligt. 

Foto: Paul Zinken/dpa

Das SEK rückte mit einem Panzer an

Das Brandenburger SEK rückte mit dem für Anti-Terror-Einsätze entwickelten Panzerfahrzeug „Survivor“ an, auch die Verhandlungsgruppe des Landeskriminalamtes wurde hinzugezogen. Die Beamten nahmen Kontakt mit dem Mann auf. Er hielt mehrfach ein Gewehr im Anschlag, richtete es auf die Polizisten und das nahegelegene Revier der Autobahnpolizei. Lautstark erklärte der Mann, dass seine Waffe scharf sei und er einen Sprengstoffgürtel umgebunden habe. Er beabsichtige viele Menschen zu töten, würde sich in die Luft sprengen oder von den Polizeibeamten erschießen lassen, sollten sie sich nähern. Nach mehreren Stunden konnten die Beamten den Mann um 4.10 Uhr überwältigen.

Bei dem Gewehr handelte es sich um eine Attrappe. Sprengstoff wurde nicht gefunden. Zunächst ging die Polizei davon aus, dass es sich um einen 22-jährigen Deutschen handelt, doch die Identität konnte bis Dienstagnachmittag nicht zweifelsfrei bestätigt werden. Die Beamten des Verhandlungsteams gehen davon aus, dass sich der Mann in einer psychischen Ausnahmesituation befand, ein politisches Motiv soll nicht vorliegen. 

Die Autobahn wurde voll gesperrt

Weil sich auf dem Rastplatz auch eine Tankstelle befindet und ein Anschlag verheerende Folgen gehabt hätte, musste die Polizei weitreichende Schutzmaßnahmen treffen. Kurz vor Mitternacht wurde die Autobahn zwischen den Anschlussstellen Ferch und Michendorf voll gesperrt. 

Mitten in die Sperrung war auch ein Bus geraten, in dem krebskranke Patienten saßen. Sie wurden zur Rettungswache in Beelitz-Heilstätten gebracht, die Freiwillige Feuerwehr versorgte sie. Auch der Rastplatz musste evakuiert werden, insgesamt 64 Personen wurden mit dem Rettungsbus nach Beelitz-Heilstätten gefahren. Der Rastplatz blieb für die Spurensicherung und die Tatortarbeit bis zum frühen Nachmittag gesperrt. 

"Bass" ist ein aufwändig trainierter Zugriffshund

Der verletzte Diensthund „Bass“ ist einer von fünf Zugriffshunden der Berliner Spezialeinheiten. Diese Sondereinsatzhunde werden beim Vorgehen gegen Schwerstkriminelle genutzt – und wenn für Polizisten oder andere Personen große Gefahr besteht. Sie verbeißen sich in den Täter, dadurch können die Beamten ihn ungehindert festnehmen. 

Die Zugriffshunde der Berliner Polizei sind Malinois, eine eigene Zucht von belgischen Schäferhunden. Sie heißen Manu, Leon, Khujo und Frodo. „Bass“ ist sieben Jahre alt und damit nach Frodo, der neun Jahre alt ist, einer der dienstältesten Zugriffshunde. Ein weiterer Malinois namens Champ, der eineinhalb Jahre alt ist, befindet sich gerade in Ausbildung. Die ist für Zugriffshunde eine der aufwendigsten bei der Polizei. Während die Grundausbildung für Schutzhunde oder Spürhunde für Drogen, Sprengstoff, Leichen und Brandmittel um die 50 Tage dauert, sind es bei den Zugriffshunden 100 Arbeitstage. Bei Personenspürhunden sind es sogar mehr als zwei Jahre. 

Eigentlich könnte „Bass“ noch einige Jahre Dienst tun. „Bei einem gesunden Diensthund liegt der altersbedingte Verlust der Einsatzfähigkeit und damit die Aussonderung aus dem Dienst, je nach Rasse und Körperbau, durchschnittlich in einem Alter zwischen neun und elf Lebensjahren“, erklärte die Innenverwaltung jüngst. Wie es weiter geht für „Bass“, ob er wieder einsatzfähig wird, muss sein Diensthundeführer entscheiden.