Potsdam-Mittelmark : Schutzgebiete auch unter der Wannseeroute

Region Teltow sieht sich bei ihrer Klage gestärkt

Hagen Ludwig Tobias Reichelt

Region Teltow – Die eingeleitete Prüfung der Flugrouten für den BER Schönefeld durch die EU-Kommission könnte auch Auswirkungen auf geplante Abflüge über die Region Teltow und Steglitz-Zehlendorf haben. Wie berichtet wird aus Brüssel gerügt, dass die nach der Planfeststellung geänderten Routen über mehrere EU-Vogelschutzgebiete führen und es dort anders als bei den alten Strecken keine Umweltverträglichkeitsprüfung gab – genannt wurden unter anderem der Müggelsee und der Rangsdorfer See. Das treffe aber auch auf die Wannsee-Abflugroute zu, sagte Rechtsanwalt Remo Klinger am Freitag den PNN. Unter dieser Route würden Vogelschutzgebiete im Westlichen Düppeler Forst, im Grunewald und auf der Pfaueninsel liegen. Auch dort habe es keine Umweltverträglichkeitsprüfung gegeben.

Klinger führt derzeit eine Klage gegen die Wannseeroute für die Kommunen Kleinmachnow, Teltow und Stahnsdorf sowie die Deutsche Umwelthilfe. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg verhandelt darüber am 23. Januar (PNN berichteten). „Die fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung war von Anfang an eines unserer Argumente“, sagte Klinger. Durch die Rüge der EU sehe man sich darin weiter bestärkt.

Die Kläger halten die Wannsee-Route insgesamt unter Lärmschutz- und Sicherheitsaspekten für rechtswidrig. Sie verweisen darauf, dass die Route ohne jede Beteiligung der betroffenen Kommunen Kleinmachnow, Teltow und Stahnsdorf festgestellt wurde. In der Argumentation spielt auch der geplante Überflug des Forschungsreaktors in Wannsee eine wichtige Rolle. Die Wannsee-Route sei unnötig, so Klinger. Wie schon jetzt für die schwereren Flugzeuge geplant könnten auch die anderen Maschinen die Region im weiteren Bogen umfliegen.

Der 944 Hektar große Westliche Düppeler Forst, zu dem auch die Pfaueninsel gehört, ist ein EU-Vogelschutzgebiet, in dem unter anderem Eisvögel, Schwarz- und Rotmilane sowie Wespenbussarde ihr Brutrevier haben. Dort befinden sich naturbelassene Waldgebiete mit alten Baumbeständen, Verlandungszonen der schilfbestandenen Havelufer sowie kleinräumige Niedermoore, zu denen auch das Moorgebiet des nicht öffentlich zugänglichen Naturschutzgebietes „Großes Fenn“ gehört.

Kleinmachnows Bürgermeister Michael Grubert (SPD) sieht nach der Rüge aus Brüssel indes das gesamte Flughafenprojekt infrage gestellt. Er forderte die Landesregierungen am Freitag zu einer Abkehr vom Flughafen Schönefeld oder zumindest einer Rückkehr zu den alten Flugrouten auf. Diese würden Mensch und Tier weniger belasten. „Das Gut Mensch ist ähnlich zu bewerten wie das der Tiere“, so Grubert. Er gewinne immer stärker den Eindruck, dass der politische Druck zum Bau des BER wichtiger war als der Schutz der Menschen. Grubert schlägt deshalb vor, einen weiteren Flughafen in Sperenberg zu planen. Von dort könnten alle internationalen Flüge abgewickelt werden, sagte er. Hagen Ludwig / Tobias Reichelt