Schulplanung in der Region Teltow : Kritik an Plänen für Gesamtschule

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark will eine neue Gesamtschule für die Teltower Region mit der evangelischen Hoffbauer-Stiftung errichten. Das ärgert Eltern und Fraktionen im Kreistag.

Integriert. Die Hoffbauer-Stiftung hat auf ihrem Campus in Kleinmachnow noch Platz für mehrere Züge einer Gesamtschule.
Integriert. Die Hoffbauer-Stiftung hat auf ihrem Campus in Kleinmachnow noch Platz für mehrere Züge einer Gesamtschule.Foto: A. Klaer

Es lief bisher nach Plan: Die Region Teltow wächst, die Kinder der Zugezogenen brauchen Schulplätze. Eltern aus Kleinmachnow, Stahnsdorf und Teltow wurden vom Kreis befragt, welche weiterführende Schule sie sich für den Nachwuchs wünschen. Das Ergebnis: eine zweite Gesamtschule. Doch jetzt droht Ärger: Der Kreis will die Gesamtschule in Kleinmachnow mit dem privaten Schulträger Hoffbauer errichten. In der Elternschaft formiert sich Widerstand: Man wolle kein Schulgeld zahlen und keine konfessionelle Schule. Eltern aus der Ruhlsdorfer Grundschule „Am Röthepfuhl“ planen eine Petition, es gibt Unterstützer.

Elternsprecherin: "Den Haushalt auf Kosten der Kinder sanieren"

„Das hat den Anschein, als ob der Haushalt auf Kosten der Kinder saniert werden soll“, sagt die Elternvertreterin an der Kleinmachnower Grundschule Am Seeberg, Uda Bastians-Osthaus. Die Eltern an ihrer Schule hätten erstaunt bis ablehnend reagiert, als sie über die neuen Pläne informiert wurden. Bastians-Osthaus bezweifelt, dass viele Eltern bereit wären, für ihre Kinder Schulgeld zu zahlen. „Das kann bis zu 400 Euro pro Monat kosten.“ Auch wenn das Schulgeld bei Hoffbauer sozial gestaffelt ist, wer gut verdient und jährlich über 140 000 Euro Einkommen hat, muss den Höchstsatz von 491 Euro für das erste Kind zahlen.

Auch der Elternvertreter der Kleinmachnower Eigenherd-Grundschule berichtet von Gegenwind. Zudem befürchtet Toralf Reichenbach, dass es zwischen Gesamtschülern und Gymnasiasten auf dem Schulhof zu Rivalitäten kommen könnte. „Hoffbauer könnte so ein Angebot selbst anbieten, das soll aber nicht über den Staat gehen.“ Verärgert ist auch die Elternsprecherin an der Ruhlsdorfer Grundschule Am Röthepfuhl: „Wir sind einer der kinderreichsten Regionen in Brandenburg und es soll weiterhin nur eine öffentliche Gesamtschule geben? Das geht gar nicht.“ Sie wüsste nicht, wohin sie ihr Kind schicken soll. Die Potsdamer Schulen seien ja auch voll.

Setzt der Kreis auf freie Träger, wird der Druck auf Potsdamer Schulen weiter erhöht

Aus der Landeshauptstadt kam jüngst Kritik an den Plänen des Kreises, auf private Schulträger zu setzen. Das erhöhe weiter den Druck auf Potsdam, so Bildungsdezernentin Iris Jana Magdowski (CDU). In der Belziger Kreisverwaltung hingegen bereite man bereits die Vertragsgestaltung mit Hoffbauer vor, so André Hohmann, der im Kreis für die Schulverwaltung zuständig ist. „Wir selber könnten eine solche Schule nicht begründen – das würde uns nicht genehmigt werden.“

Aktuellen Prognosen zufolge würden langfristig nicht genügend Schüler für eine öffentliche Schule zusammenkommen. „Wir haben einen Blick bis ins Schuljahr 2029/2030 gewagt und werden dauerhaft ein bis zwei zusätzliche Züge in der Sekundarstufe II brauchen“, so Hohmann. Zudem müsse man das Wunsch- und Wahlrecht der Eltern mitbedenken, sodass sich am Ende die Grundschüler auf die vier Gymnasien in der Region, die zwei dann bestehenden Gesamtschulen und spezielle Schulen in Potsdam wie das Filmgymnasium aufteilen würden. Kurzfristig spricht Hohmann von drei benötigten Zügen, dann gehe es wieder abwärts mit den Schülerzahlen. Die Hoffbauer-Stiftung könne ohne Probleme ein bis zwei Züge auf ihrem Campus integrieren, privaten Schulträgern würde das genehmigt werden.

Ein eigener Neubau würde den Kreis 25 Millionen Euro kosten. Kümmert sich Hoffbauer, käme es günstiger und der Kreis müsste nur die ersten zwei Jahre die Personal- und Sachkosten finanzieren. Danach, so sieht es das Landesgesetz vor, zahlt das Land. Wie viel die zweijährige Finanzierung kosten würde, wollte Hohmann nicht sagen. Nur so viel: „Sehr viel weniger als ein Neubau.“

Es gibt Zweifel, dass die Schülerzahlen sich wie vom Kreis prognostiziert, entwickeln

Im Kreistag wird indes die Kritik an den Plänen lauter: Die Linke will auf der Sitzung am heutigen Donnerstag erreichen, dass Hohmann weitere Varianten für einen Schulstandort vorlegt. Zudem soll laut Linken-Fraktionsschef Thomas Singer auch der Kreistag über das Vorhaben diskutieren. „Das ist bisher nicht geschehen.“ Das Thema sei nur einmal im Rahmen einer Strategiesitzung mit den Fraktionschefs kurz angesprochen worden. „Wegen der Wichtigkeit und des Umfangs der Entscheidung sollte der Kreistag das Thema selbst beraten“, so Singer.

Auch der Stahnsdorfer Kreistagsvertreter Gerhard Enser (CDU) will, dass mögliche Alternativen geprüft werden. Eine reine Ankopplung an einen privaten Schulträger halte er nicht für sinnvoll. Er bezweifelt auch, dass die von Hohmann vorgenommenen Prognosen der Schülerzahlen realistisch sind. „Das hatten wir schon bei der Diskussion um das Vicco-von-Bülow-Gymnasium.“ Damals habe die Kreisverwaltung sich verschätzt und den Bedarf der wachsenden Region nicht gesehen. Das Gymnasium sei laut Enser auf Druck der Politik gebaut worden. Der Fraktionsschef der SPD im Landkreis, Dietmar Otto, geht ebenfalls davon aus, dass man nicht um einen Schulneubau herumkomme. „Eine Schule mit Schulgeld kann nur eine Ergänzung sein, kein Ersatz.“

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