Schadstoffe durch Verkehr : Geltow bekommt High-Tech-Asphalt

Versuchsstrecke durch den Ort: Eine neue Fahrbahn mit speziellem Asphalt auf der B 1 in Geltow soll Schadstoffe und Lärm schlucken. Das ist bundesweit einmalig.

Die Bundesstraße 1 in Geltow ist eine der meistbefahrenen Straßen des Landes.
Die Bundesstraße 1 in Geltow ist eine der meistbefahrenen Straßen des Landes.Foto: Andreas Klaer

Geltow - Wird die Zukunft des Straßenbaus in Geltow geschrieben? Auf der viel befahrenen Bundesstraße 1 mit täglich 18 000 Fahrzeugen soll in den nächsten Wochen ein innovativer High-Tech-Asphalt eingebaut werden. Der Belag soll nicht nur Lärm, sondern auch Schadstoffe schlucken. Das zumindest verspricht der Hersteller, der Baukonzern Strabag. Er hat den modernen Asphalt entwickelt.

Das Besondere daran: Er soll das aus den Autoabgasen entstehende, gesundheitsschädliche Stickoxid binden. Bis zu 26 Prozent pro Jahr könnte die Konzentration des Stickstoffdioxids in der Luft in Geltow abgesenkt werden, so das Versprechen des Herstellers. Die neue ein Kilometer lange Teststrecke in Geltow ist bundesweit bisher einmalig.

Ortsdurchfahrt mit am stärksten befahrene Straße

„Wir betreten absolutes Neuland“, sagt Frank Schmidt vom Landesbetrieb Straßenwesen, der das Projekt federführend begleitet. In Zeiten von Fahrverboten, wachsenden Verkehrszahlen und steigender Schadstoffbelastung müsse man als Landesbetrieb innovativ sein, so Schmidt. Er setzte sich dafür ein, dass die B 1 in Geltow zur Teststrecke wird. Seit Jahren sind die Bewohner in Geltow durch den Verkehr belastet, die Ortsdurchfahrt ist die mit am stärksten befahrene Bundesstraße in Westbrandenburg.

Das Wetter hilft mit

Der moderne Asphalt funktioniert auf natürliche Art und Weise, und zwar nur mithilfe der Sonne und des Regens: In den Beton der Fahrbahndecke ist Titandioxid gemischt, ein natürliches Material, das vor allem als Pigment unter anderem auch in Wandfarbe, Papier, Zahnpasta, Sonnencreme oder Lebensmitteln vorkommt. Auf der Straße eingesetzt wandelt das Titandioxid (TiO2) mithilfe des Sonnenlichts die Luftschadstoffe (NO2 und NOx) in unschädliche Nitrate (NO3) um.

Sonnenlicht wandelt die Luftschadstoffe in Nitrate um.
Sonnenlicht wandelt die Luftschadstoffe in Nitrate um.Grafik: Strabag

Es entsteht eine durch Licht ausgelöste chemische Reaktion, Photokatalyse genannt. Die Nitrate wiederum werden in der Fahrbahndecke gebunden. Sobald es regnet, lösen sie sich auf und gelangen in sehr verdünnter Konzentration in die Kanalisation, wo sie später in der Kläranlage in unschädlichen molekularen Stickstoff umgewandelt werden. Oder aber sie werden „in der belebten Bodenzone pflanzlich aufbereitet“, wie die Strabag erklärt.

Regnet es, gelangen die Nitrate in die Kanalisation.
Regnet es, gelangen die Nitrate in die Kanalisation.Grafik: Strabag

Doch die zusätzliche Nitratbelastung sehen Umweltschützer kritisch: „Wir haben bereits ein massives Nitratproblem auf unseren Flächen“, so Silvia Bender, Expertin für Biodiversität beim BUND. Daher mache es für sie wenig Sinn, die schon bestehende Nitratproblematik weiter zu erhöhen. Und selbst wenn das Auffangen aller Nitrate in und auf der Fahrbahndecke durch die Kanalisation gelinge, glaubt Bender, dass das Säubern des Wassers zusätzliche Kosten verursachen wird. „Es ist daher sinnvoller, wenn man von vornherein Stickoxide vermeidet, statt sie später teuer zu binden und herauszureinigen.“

Es handelt sich um eine Versuchsstrecke

Wie viel das Projekt in Geltow kostet, konnte Schmidt noch nicht sagen. Da es sich aber um eine Versuchsstrecke handelt, seien die Kosten nur minimal höher als sonst. Fachlich begleitet wird der Landesbetrieb von den Technischen Universitäten in Darmstadt und Wuppertal, die bereits bei der Entwicklung des neuen Fahrbahnbelags mitgeforscht haben. Sobald der Belag aufgebracht ist, werden für mindestens ein Jahr Messungen erfolgen.

Doch bevor es in Geltow leiser und womöglich auch schadstoffärmer wird, müssen viele Autofahrer zwischen Potsdam und Werder (Havel) in den kommenden Wochen Geduld mitbringen. Die B 1 wird im Bereich zwischen dem Kuckucksweg und der Caputher Chaussee vom 24. Juni bis zum 10. Juli voll gesperrt sein.  Die Straße, so betont Schmidt vom Landesbetrieb Straßenwesen, hätte sowieso aufgrund von Schäden saniert werden müssen. Auch die Busse werden in dieser Zeit umgeleitet. Die Umleitung führ Autofahrer aus Richtung Potsdam führt über die Forststraße, den Werderschen Damm, über die Straße am Wasser auf die B1. Wer nach Potsdam will, muss über Ferch, Caputh und Michendorf fahren. Der Lkw-Verkehr wird großräumig über die Autobahnanschlussstellen Glindow und Michendorf geführt.