Sabersky-Park in Teltow : Aus Mangel an Beweisen

Das ehemalige Gutshaus des jüdischen Grundbesitzers Max Sabersky in Teltow ist heute noch gut erhalten. Gestritten wird um die Frage, ob der angrenzende Garten einst nach Plänen des königlichen Hofgärtners Theodor Nietner umgestaltet wurde - und demnach schützenswert ist.

Denkmal oder nicht?
Denkmal oder nicht?Foto: Manfred Thomas

Teltow - Ist das als Sabersky-Park bekannte Waldstück an der Lichterfelder Allee in Teltow-Seehof zu Unrecht in der Denkmalliste des Landes Brandenburg gelandet? Behindert der Status grundlos die von den Flächeneigentümern geplante Wohnbebauung? Der Stahnsdorfer Diplom-Ingenieur Bernd Mengelkamp sagt: Ja. „Wenn man sich an die Bestimmungen des Denkmalschutzgesetzes hält, nach denen Denkmale Sachen sind, an deren Erhaltung wegen ihrer geschichtlichen, wissenschaftlichen, technischen, künstlerischen, städtebaulichen oder volkskundlichen Bedeutung ein öffentliches Interesse besteht, so ist der Nietner-Garten aus der Liste zu streichen“, erklärt der Experte. „Weil er faktisch nicht existiert.“

Nicht einmal Reste des Gärtens existieren

Mengelkamp hat im Auftrag der Erben des jüdischen Gutsbesitzers und ehemaligen Park-Eigentümers Max Sabersky ein Gutachten zur Prüfung der Denkmalwürdigkeit des Parks erstellt und kommt zu dem Schluss: Es gibt keine überzeugenden Beweise, dass auf dem Areal eine Gartenanlage nach den Plänen des königlichen Hofgärtners Theodor Carl Gustav Nietners verwirklicht wurde. Nicht einmal Reste eines solchen Gartens würden existieren.

„Im vorliegenden Falle wird der Denkmalschutz zum Zwecke der Verhinderung der Bebauung der Fläche mit Eigenheimen instrumentalisiert“, lautet Mengelkamps Vorwurf. Der umstrittene Park gehörte ursprünglich zum Gut Seehof und schloss sich direkt an den Gutshof an, den die Brüder Max und Albert Sabersky neben einer weiteren rund 80 Hektar großen Fläche in Seehof im Jahr 1872 erworben hatten.

Von 1933 bis 1939 waren die Ländereien mit Ausnahme des Gutshofs und einer Villa parzelliert und an Siedler verkauft worden. Das Gelände um den Gutshof wurde später an die Erbengemeinschaft rückübertragen. Einige Flächen ließen die Erben bereits mit Einfamilienhäusern bebauen, weitere drei Bauten, die in Teilen in den Park hineinragten, lehnte die Stadt Teltow bisher mit Verweis auf die Schutzwürdigkeit des Parks ab.

Nach Plänen des königlichen Hofgärtners gestaltet?

Schon der Kaufmann Herrmann Jacobson, von dem die Saberskys das Anwesen einst erworben hatte, ließ das Wohnhaus des Guts zu einem Herrenhaus ausbauen und dazugehörig auf rund 4000 Quadratmetern eine Gartenanlage errichten. Die offene Frage ist, ob diese später tatsächlich nach Plänen des königlichen Hofgärtners Theodor Carl Gustav Nietner umgestaltet worden und daher als kultur- und zeitgeschichtliches Zeugnis zu erhalten ist (PNN berichteten).

Dass für die bislang angenommene Umsetzung des im Lenné-Stil gestalteten Gartens an der Lichterfelder Allee bis heute stichhaltige Belege fehlen, räumt auch Mechthild Bohnert ein, die sich im Rahmen ihres Masterstudiums an der Universität Bamberg mit dem Gartendenkmal befasste. Da die Umsetzung der Planung nirgends belegt sei, sei man teilweise auf Hypothesen angewiesen, schreibt sie.

Der 1880 in der Zeitschrift „Der Garten“ veröffentlichte Lageplan Nietners gilt bislang als einziger historischer Beleg, auf den sich auch das Landesamt für Denkmalpflege 2011 bei der Eintragung des Parks in die Landesdenkmalliste stützte. „Neue belastbare Informationen liegen uns nicht vor“, erklärt Denkmalpfleger Georg Frank.

Ein nicht realisierter Entwurf?

Gutachter Mengelkamp hält den veröffentlichen Plan für einen nicht realisierten Entwurf, einen „Idealplan“. Er stieß auf weitere Punkte, die seine Zweifel bestärkten. So hätte Sabersky den Gartenplaner vier Jahre nach dem Erstauftrag um einen erweiterten Entwurf gebeten. Es sei kaum anzunehmen, dass „Sabersky den kostenintensiven Entwurf von Nietner 1872 realisieren ließ, um bereits vier Jahre später alles wieder auf den Kopf zu stellen“.

Mengelkamp montierte Nietners Gartenplan in andere Planunterlagen des Gutsparks wie auch in mehrere Luftbildaufnahmen aus den Jahren 1944 bis 1992, die aus dem Landesluftbildarchiv stammen. Dabei stellte er fest, dass die Planungen im Norden die bereits vorhandene Landstraße (heute Lichterfelder Allee) ignorierten, zudem schnitt die 1904 im Park errichtete Villa des Sabersky-Schwiegersohnes Paul Mamroth „empfindlich in die Gartenkomposition ein“. Auch Nietners Wegeführung sei auf keinem der Bilder auch nur ansatzweise erkennbar, so Mengelkamp.

Nietners Plan an anderer Stelle in Teltow umgesetzt?

In der 1880 publizierten Veröffentlichung nehme Nietner zudem auf die nie errichtete Villa von Albert Sabersky Bezug und schildere eine Verbindung von Villa und Gutshaus mit Promenade und Laubengang. Da es die Villa nie gegeben habe, gelte das auch für Promenade und Laubengang, so der Gutachter.

Der öffentlich bestellte Vermessungsingenieur hält es immerhin für möglich, dass Nietners Plan an anderer Stelle in Teltows Villenstadtteil umgesetzt worden sein könnte. Eine Projektion des Planes in ein Grundstück zwischen Hauffstraße und Max-Sabersky-Allee am Teltow-Kanal, auf dem Albert Sabersky schließlich seine  „herrschaftliche Villa mit repräsentativem Garten“ errichten ließ, ergab: „Der Idealplan von Theodor Nietner war auch in dieser Grundstückskonfiguration auffallend gut realisierbar.“

Grundstücksgröße sowie alte Pläne vom Garten ließen den Schluss zu, dass Nietners Plan zumindest in Teilen hier umgesetzt worden sein könnte, sagt auch Erben-Vertreter Florian Lewens. Doch selbst hier fällt der Beweis schwer. Zwar sind Villa, ein Teil des Parks wie auch ein unter Schutz stehendes Borkenhäuschen noch erhalten, weite Teile des ursprünglichen Grundstücks wurden zwischenzeitlich jedoch mit Mehrfamilienhäusern bebaut.

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