Potsdam-Mittelmark : Rübchenshow im Rathaussaal

Geschmackstage: Starkoch Ronny Pietzner und Bürgermeister Schmidt luden zum Dreigangmenü

Kirsten Graulich

Teltow - Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) und Kochweltmeister Ronny Pietzner hatten dereinst denselben Lehrmeister. Den einen zog es nach 1990 in die Politik, der andere griff nach den Sternen. Beim gestrigen Schaukochen für die bundesweite Aktion „Geschmackstage 2009“ standen sie wieder gemeinsam am Herd, diesmal um die Region auf den Geschmack zu bringen. Die Initiative für gesunde Ernährung, die noch bis Samstag läuft, soll regionale Produkte wieder auf die Teller bringen. Was lag da näher, als die Gaumen der zahlreichen Gäste im Rathaussaal mit Teltower Rübchen zu verwöhnen?

Kurz vor der heißen Kochphase blätterte der Bürgermeister noch auf den Rezeptseiten. „Ich denke, Sie haben das heute Nacht auswendig gelernt?“, frotzelte Pietzner. Dann wies er den Bürgermeister an, Rübchen zu schnippeln. Die ersten Teltower rückten dicht an den Küchentisch heran, um zu sehen, wie schnell der gelernter Koch die Klinge schwingt – und staunten nicht schlecht.

Die Teltower Delikatesse war für alle drei Gänge auserkoren: Suppe, Salat, Rübchen-Kartoffel-Ragout mit Schweinefilet im Würzblütenmantel. Das Filet wurde in Folie bei 95 Grad im Wasserbad gegart. Zwischendurch neckte Pietzner seinen Kollegen, ob er die 15 Kilogramm Rübchen endlich fertig habe. „Bin weit entfernt davon“, tönte Schmidt zurück.

Im Saal hatte auch Bäckermeister Gerhard Neuendorff einen Tisch aufgebaut, darauf ein etwa 15 Meter langes Joggingbrot und Appetithappen mit 16 verschiedenen Brotsorten. Nebenan hatte Rübchenbauer Axel Szilleweit einen bunten Obst- und Gemüsestand aufgestellt. Auch der Kräutergarten des Diakonissenhauses präsentierte eigene Produkte. Die Akademie 2. Lebenshälfte stellte eine Rezeptsammlung vor, darin das älteste Rübchenrezept von 1891.

Doch den Rat der Vorfahren, die Rübchen mit karamellisiertem Zucker und Brühe zu köcheln, hat Sternekoch Pietzner über Bord geworfen. „Das machen wir heutzutage anders.“ Pietzner gab Honig aus einer Dosierflasche dazu und mischte Karottenstückchen unter die Rübchenwürfel, „damit Farbe reinkommt“. Dann wirbelte sein Assistent Schmidt das Gemüse akrobatisch einige Zentimeter über den Pfannenboden. Schelmisch behauptete Pietzner, es sei was in seinen Schuhen gelandet. „Das hat man nun davon, wenn man auf Weisung handelt“, konterte Schmidt.

Doch Ronny Pietzner blieb keine Antwort schuldig: „Küchenchefs verteilen nur und wenn es schief geht, sind die anderen schuld. Wie in der Politik.“ Dazu Schmidt: „Wir werden mal einen Tag tauschen.“ Das Publikum amüsierte der Schlagabtausch, stand geduldig Schlange, um zu kosten. „Wie bei Biolek“, lobte hernach eine Teltowerin. Die Köche wurden sogar um Autogramme gebeten. Kirsten Graulich