• Rotierende Flügel locken die Gäste Bald Museum neben der Beelitzer Bockwindmühle

Potsdam-Mittelmark : Rotierende Flügel locken die Gäste Bald Museum neben der Beelitzer Bockwindmühle

Thomas Lähns

Bellitz – Ulrich Hyna weiß seine Beelitzer Bockwindmühle immer guter unter Beobachtung: Von seinem Kinderzimmer-Fenster aus hat der sechsjährige Janic ein wachsames Auge auf das historische Bauwerk in der Trebbiner Straße. Er passe auf, dass keine Kobolde im Gebälk umgehen, sagt er Müller. Auch sonst ist der Knirps sehr interessiert an der Müllerei und schaut seinem Großvater, dem Müller Hyna, über die Schulter, so oft er nur kann. Ehrensache, dass er und sein Vater Alexander gestern zu Müllergesellen ehrenhalber ernannt wurden. Denn engagierten Nachwuchs wie in Hynas Familie braucht der Förderverein der Beelitzer Bockwindmühle dringend.

Eine Gelegenheit, weitere Unterstützer zu finden, war gestern der 14. Deutsche Mühlentag, zu dem auch nach Beelitz geladen wurde. Neben Musik vom Spielmannszug und Gegrilltem gab es die Möglichkeit, dem Müller bei der Arbeit zuzuschauen, sich von ihm Technik und Geschichte erläutern zu lassen und eine vor Ort produzierte Mischung aus Roggenschrot und -mehl als Grundlage für eigenes Brot gleich mitzunehmen. Nach anfänglichem Regen zog es Hunderte raus an die Trebbiner Straße, und als die Flügel wieder etwas getrocknet waren, konnten die frisch freigesprochenen Müller-Gesellen das Bauwerk in den Wind drehen.

70 Mitglieder zählt der Förderverein mittlerweile, berichtet Vorsitzender Wolfgang Trebuth. Vor sieben Jahren war in der Spargelstadt der Entschluss gefallen, das damals marode Bauwerk zu restaurieren. Spenden wurden gesammelt, Fördermittel eingeworben und jede Menge mit hochgekrempelten Armen selbst erledigt. Heute drehen sich die Flügel wieder und locken jährlich circa 5 000 Besucher an. Den touristischen Schwung will der Förderverein nutzen und demnächst einen kleinen Fachwerkbau mit 70 Quadratmetern Innenfläche errichten. Drinnen soll genug Platz für Toiletten und ein Mühlenmuseum sein. „Wir haben bereits viele Exponate wie Schriften und Werkzeuge, die wir nur im Trockenen ausstellen können“, erläutert Wolfgang Trebuth. Kosten werde das Projekt schätzungsweise 220 000 Euro, ein Förderantrag beim Land sei schon gestellt, ein Viertel der Summe müsse durch Spenden und Eigenleistungen aufgebracht werden.

Nach ihrer Wiederaufstellung vor drei Jahren ist die Bockwindmühle ein beliebtes Ausflugsziel nicht nur für die Beelitzer geworden. „Der Spargel lockt die Leute in die Region und sobald sich die Flügel drehen, kommen sie zur Mühle“, so Trebuth. Mittlerweile ist die Mühle auch eine gute Adresse für Hochzeitspaare, die sich hier von Ulrich Hyna „vermehlen“ lassen können. Es ist ein vielseitiger Job, auf den sich seine frisch gebackenen Gesellen Alexander und Janic einstellen müssen. Thomas Lähns

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