Region Teltow : Das Rennen um die Gesamtschule

Der Landkreis braucht eine weiterführende Schule in der Region Teltow, derzeit werden mehrere Standorte geprüft. Stahnsdorfs Gemeindevertreter wollen einen Neubau in der Annastraße.

Mehr davon! Kurz nach der Eröffnung des Vicco-von-Bülow-Gymnasiums im August 2013 war bereits klar, dass der Neubau zu klein ist.
Mehr davon! Kurz nach der Eröffnung des Vicco-von-Bülow-Gymnasiums im August 2013 war bereits klar, dass der Neubau zu klein ist.Foto: Manfred Thomas

Stahnsdorf - Selten sind sie sich einig, aber bei dem Thema gab es kein Zaudern: Stahnsdorf will eine Gesamtschule. Ein rund 19 000 Quadratmeter großes, unbebautes Grundstück in der Annastraße neben dem Gemeindezentrum soll dem Landkreis Potsdam-Mittelmark für den Schulneubau angeboten werden. Das haben die Gemeindevertreter auf ihrer Sitzung am Donnerstagabend beschlossen. Mit dem Votum sollte ein klares Signal an den Landkreis gesandt werden.

Der Bedarf an einer weiterführenden Schule in der Region Teltow ist wie berichtet groß. Die Schulentwicklungsplanung musste in den vergangenen Jahren mehrmals korrigiert werden, die weiterführenden Schulen der Region platzen aus allen Nähten. Bereits seit einigen Jahren muss der Kreis zusätzliche Fachkabinette und Schulräume für die Kleinmachnower Gymnasiasten anmieten.

Derzeit geht man im Landratsamt davon aus, dass in den kommenden zwölf Jahren mindestens drei Klassenzüge an weiterführenden Schulen zusätzlich gebraucht werden. Auch die Kapazitätsprobleme an Potsdamer Schulen sind bekannt. Erst in diesem Frühjahr gab es ein Gespräch zwischen der Stadt Potsdam und dem Landkreis. Es ging um die vielen Schüler aus Mittelmark, die auf Potsdamer Schulen gehen. Der Druck auf den Kreis erhöhte sich wieder einmal. Laut Bürgermeister Bernd Albers (BfB) soll am Stahnsdorfer Gymnasium in der Heinrich-Zille-Straße daher ein weiterer Zug entstehen. Dafür werde angebaut. „Die Baugenehmigung hat der Kreis bereits.“ Wann gebaut wird, konnte er nicht sagen.

Viele Stahnsdorfer Eltern wünschen sich indes eine Gesamtschule, das ergab eine Umfrage der Verwaltung unter Eltern der beiden Grundschulen. In der Region gibt es bisher nur eine Gesamtschule, in Kleinmachnow. Auch der Kreis hat Eltern, Schülern und Lehrern in der Region befragt. Die Ergebnisse sollen im Januar vorgestellt werden. Dann will die Verwaltung dem Kreistag auch eine Liste mit Standorten vorlegen. Darin könnte es mehrere Varianten geben – auch Mietoptionen würden geprüft. Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert sieht dennoch einen Neubau als wahrscheinlich an: „Die Bedingungen sind derzeit recht günstig.“ Dennoch müsse der Kreis erst klären, wie viel er überhaupt ausgeben will.

Was bisher feststeht: Stahnsdorf ist nicht alleine im Rennen. Wie berichtet hat auch Teltow dem Kreis ein Grundstück in der Potsdamer Straße gegenüber dem Oberstufenzentrum angeboten. Im Stahnsdorfer Rathaus malt man sich dennoch gute Chancen aus: „Kleinmachnow hat dafür keine Flächen, in Teltow verzögert sich einiges und der Landkreis braucht eine zügige Lösung“, so Albers am Mittwochabend. In Teltow sei der Bebauungsplan für den möglichen Schulstandort noch nicht fertig, so der Bürgermeister. Daher die Verzögerung.

Aus dem Rathaus in Teltow hingegen kommt Einspruch: „Das Baurecht macht da keine Probleme“, sagte Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) den PNN auf Anfrage. Jedoch liege der Fokus der Stadt eher auf einer weiteren Grundschule, die dringend benötigt werde. Zwar gebe es einen Grundsatzbeschluss, dem Landkreis das Areal an der Potsdamer Straße für eine weiterführende Schule anzubieten – jedoch bestehe in der Stadtverordnetenversammlung noch Abstimmungsbedarf. „Im Januar wollen wir eine kommunale Diskussion zur Schullandschaft beginnen“, so Schmidt. Teltows Bürgermeister betonte, dass die Stadt mit Stahnsdorf „nicht in negativer Konkurrenz steht.“ Zudem könnten auch private Schulträger in die Auswahl für einen Neubau kommen: „Ich würde den Standort der Hoffbauer- Stiftung nicht unterschätzen“, so Schmidt.

Um beim Landkreis weiter zu punkten, will man in Stahnsdorf neben der Annastraße zusätzliche Standorte ins Rennen schicken. Und dabei setzt man auf die Anbindung an die Schiene. „Wir sollten prüfen, ob man einen Schulcampus in der Nähe des zukünftigen S-Bahnhofes errichten könnte“, sagte der Fraktionschef der CDU, Daniel Mühlner. Das sind hauptsächlich Areale in der Nähe des Güterfelder Damms. Auf dem Schulcampus sollen laut Mühlner auch eine zusätzliche Kita und eine Grundschule untergebracht werden. Stahnsdorf wachse kontinuierlich und brauche weitere Einrichtungen. Der Antrag der CDU wurde am Donnerstagabend von den Gemeindevertretern angenommen – ohne großes Zaudern .

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