Regiobus will Diesel ersetzen : Neuer Kraftstoff soll sauber verbrennen

In Bad Belzig startet der Versuch, Diesel durch einen synthetischen Kraftstoff zu ersetzen, der weniger Ruß und Stickoxide produzieren soll. Langfristig könnte auch Wasserstoff in die Tanks kommen.

Busfahrer Markus Finkelmann tankt den synthetischen Kraftstoff. Der Busmotor muss nicht verändert werden.
Busfahrer Markus Finkelmann tankt den synthetischen Kraftstoff. Der Busmotor muss nicht verändert werden.Foto: Enrico Bellin

Bad Belzig - Gleicher Motor, weniger Schadstoffe: So könnte man das Projekt von Regiobus zur Umstellung der Fahrzeuge auf einen synthetischen Kraftstoff beschreiben. Seit einigen Tagen wird der erste Bus mit dem verflüssigten Erdgas betrieben, bisher problemlos, wie Geschäftsführer Hans-Jürgen Hennig am Mittwoch bei der Vorstellung des Projektes auf dem Bad Belziger Betriebshof sagte. Nun sollen zunächst die 30 in der Kreisstadt stationierten Busse den Kraftstoff testen. Die PNN geben einen Überblick:

Was soll die Umstellung bringen?

Der GTL genannte Kraftstoff – die Abkürzung steht für „Gas To Liquid“ – entsteht durch die Mischung von Erdgas mit Sauerstoff und Wasserdampf. Er enthält deutlich weniger Stickstoff als herkömmlicher Diesel und verbrennt deshalb sauberer. Das österreichische Bundesumweltamt bestätigt auf seiner Internetseite, dass bei der Verbrennung deutlich weniger Stickoxide ausgestoßen werden und auch die Feinstaubbelastung geringer ist. Konkrete Werte nennt das Amt nicht. Eine Anfrage der PNN beim Bundesumweltamt in Dessau zum Nutzen des Kraftstoffes konnte bis Mittwoch nicht beantwortet werden. 

Der Kraftstoff ist farblos und riecht nur leicht nach Lösungsmitteln.
Der Kraftstoff ist farblos und riecht nur leicht nach Lösungsmitteln.Foto: Enrico Bellin


Seit dem 1. Januar hat der Verkehrsbetrieb Stuttgarter Straßenbahnen, der auch die Busflotte der baden-württembergischen Landeshauptstadt betreibt, die Flotte komplett auf den synthetischen Kraftstoff umgestellt. Zuvor hatten die Schwaben GTL mehrere Jahre lang getestet. Das Unternehmen spricht von einer bis zu 20 Prozent geringeren Stickoxidemission und bis zu 50 Prozent geringerer Rußbelastung. Technisch habe die Umstellung ohne Probleme funktioniert, wie eine Unternehmenssprecherin den PNN bestätigte. Regiobus-Geschäftsführer Hennig geht von etwa zehn Prozent weniger Stickoxidemissionen aus, da die 153 Busse des Unternehmens auch jetzt schon alle die Euro-6-Abgasnorm erfüllen.
Der Treibstoff wurde bereits in den 80er-Jahren entwickelt, darf laut Bundesgesetzen aber nicht als normaler Dieselersatz verwendet werden, da er nicht aus Erdöl gewonnen wird. Letzteres fordert aber eine DIN-Norm für Kraftstoff. Europäische Vorgaben, die noch nicht in deutsches Recht überführt wurden, erlauben jedoch den Einsatz. Die Stuttgarter Straßenbahnen haben für den Einsatz des Treibstoffs eine Vereinbarung mit dem Land Baden-Württemberg geschlossen. Der Versuch in Bad Belzig wird als Probe vom Land Brandenburg geduldet. „Ich hoffe, dass es auch in Brandenburg eine solche Vereinbarung geben wird“, so Hans-Jürgen Hennig. Mit dem Verbraucherministerium stehe man dazu in Kontakt. Die Weisse Flotte Potsdam setzt das GTL bereits bei ihren Schiffen ein, da für Schiffskraftstoff andere Normen gelten und der Einsatz dort rechtlich problemlos ist.

Wie erfolgt die Umstellung? 

Umrüstungen am Busmotor sind für den Kraftstoff nicht nötig. In den Innenraumheizungen muss jedoch ein Sensor ausgetauscht werden: Der farblose und nur leicht nach Lösungsmitteln riechende Kraftstoff verbrennt heller als Diesel, weshalb die Standard-Sensoren eine Störung in der Heizung melden. Bad Belzig wurde als Betriebshof ausgewählt, da es vor Ort eine große Tankanlage gibt. So kann der Inhalt eines kompletten Tanklastwagens vor Ort gespeichert werden. Der Kraftstoff des Herstellers Shell wird von der Firma Mundt aus Magdeburg geliefert, produziert wird er laut Mundt-Geschäftsführer Andreas Pieske in Katar. Pieske zufolge kann GTL auch mit Diesel gemischt werden. Kurzfristige Lieferengpässe hätten demnach keine Auswirkung auf den Busbetrieb. Sollte sich der rechtliche Rahmen für den Kraftstoffeinsatz ändern und sich der Betrieb in den ersten Monaten als problemlos erweisen, soll die gesamte Flotte mit dem synthetischen Kraftstoff betrieben werden. Derzeit verbraucht Regiobus laut Hans-Jürgen Hennig etwa drei Millionen Liter Diesel pro Jahr.

Was kostet die Umstellung?

Der nötige Sensortausch in der Heizung verursacht nur geringe Kosten, der Treibstoff selbst ist derzeit knapp zehn Prozent teurer als Diesel. Die Mehrkosten übernimmt der Landkreis, Fahrpreise bleiben stabil. Sollte das Gas den Diesel komplett ersetzen, würden die Mehrkosten wegen der steigenden Abnahmemenge auf fünf bis sechs Prozent im Vergleich zu Diesel sinken. „Wir fahren auch für Potsdam sauberer“, sagte der stellvertretende Landrat Christian Stein (CDU) am Dienstag. Schließlich war unter anderem die dortige Zeppelinstraße für zu hohe Stickoxid-Werte bekannt, bis sie verengt wurde. Die Regiobusse aus Bad Belzig fahren auch auf der Zeppelinstraße. Der Bürgermeister der Kreisstadt, Roland Leisegang (parteilos), begrüßte den Test des Kraftstoffes ebenfalls: In diesem Jahr werde die Einhaltung der Kurort-Kriterien für die Auszeichnung mit dem Titel „Bad“ erneut geprüft, sauberer Nahverkehr sei dafür gute Werbung.

Andreas Pieske, Roland Leisegang, Hans-Jürgen Hennig und Christian Stein (CDU) auf dem Betriebshof in Bad Belzig.
Andreas Pieske, Roland Leisegang, Hans-Jürgen Hennig und Christian Stein (CDU) auf dem Betriebshof in Bad Belzig.Foto: Enrico Bellin

Warum keine Elektrobusse?

Mit dem GTL wird auch weiterhin ein fossiler Kraftstoff in den Bussen verbrannt. Wie bisher schon beim Diesel werden die CO2-Emissionen durch den Kauf von Zertifikaten ausgeglichen, betont der Regiobus-Geschäftsführer. Damit würden Klimaprogramme in Südostasien finanziert. Der Einsatz von Elektrobussen sei noch immer durch die geringe Reichweite im Flächenlandkreis kaum umzusetzen: So sei etwa ein Bus auf der Linie Potsdam-Bad Belzig pro Tag 650 Kilometer unterwegs. 

Was ist für den Klimaschutz geplant?

In diesem Jahr will der Landkreis ein Gutachten in Auftrag geben, das die Chancen für einen Wandel zur nachhaltigen Mobilität aufzeigen soll, so Christian Stein. „Wir decken derzeit 120 Prozent unserer Stromversorgung mit Windstrom“, so der stellvertretende Landrat. Das Gutachten soll ermitteln, wie Windenergie, die derzeit teilweise nicht ins Stromnetz eingespeist wird, für nachhaltige Mobilität eingesetzt werden kann. So gehe es etwa darum, ob mit dem Strom Wasserstoff oder Methan erzeugt werden kann, die dann in Bussen per Brennstoffzelle oder Verbrennung die Energie für den Motor liefern. Man müsse die Energiewende technologieoffen einleiten. „Es wird nicht die eine Lösung geben“, sagt auch Hennig.