• Protest gegen Windpark in der Reesdorfer Heide: Menschenkette so lang wie ein Windrad

Protest gegen Windpark in der Reesdorfer Heide : Menschenkette so lang wie ein Windrad

Etwa 100 Bürger protestierten am Sonntag gegen den in der Reesdorfer Heide geplanten Windpark

Lautstarker Protest. Ludwig und Wardin (v.l.) gestern im Wald.
Lautstarker Protest. Ludwig und Wardin (v.l.) gestern im Wald.Foto: promo

Beelitz - Mit einem Aktionswandertag haben etwa 100 Bürger am gestrigen Sonntag vor Ort ein Zeichen gegen den geplanten Windpark in der Reesdorfer Heide gesetzt. Industrieanlagen gehörten nicht in Wälder und Naturschutzgebiete, sagte Winfried Ludwig von der Bürgerinitiative Waldkleeblatt, die den Wandertag organisiert hatte. „Und solche Industrieanlagen sind die 200 Meter hohen, geplanten mindestens 22 Windkraftanlagen allein hier in diesem Gebiet.“

Der Aktionswandertag reihe sich ein in andere Aktivitäten gegen Windräder im Wald und für eine 10-H-Regelung, für die in einer Volksinitiative über 30 000 Unterschriften gesammelt wurden. Die Unterzeichner fordern, dass die Anlagen einen zehnfachen Höhenabstand zu Siedlungen halten sollen. Als „wichtiges Ereignis“ bezeichnete Ludwig auch, dass die Initiative „Waldkleeblatt“ – ein Zusammenschluss mehrerer Bürgerinitiativen gegen Windparkprojekte – unlängst den Status einer anerkannten Umweltvereinigung erworben hat. „Eine von sechs in Brandenburg, zum Beispiel neben dem Nabu“, wie er hervorhob.

Weitere 3000 Windkraftanlagen seien in Brandenburg, vorrangig in Wäldern, geplant. „Wir wehren uns dagegen, unsere Wälder für eine äußerst fragwürdige Energiepolitik zu opfern“, so Ludwig. Klare Worte fand auch Thomas Wardin, Mitglied des Kreistages und SPD-Ortsvorsitzender in Beelitz. Nach seiner Überzeugung wird der Windradstrom in der Region nicht gebraucht, sondern muss exportiert werden. Es fehlten insbesondere Speichermöglichkeiten: „Die Gesetze der Physik kann man nicht durch politische Beschlüsse aufheben“, so Wardin.

Der engagierte Waldbesitzer Karl Tempel, der Beelitzer Stadtförster Martin Schmidt und die Borkwalder Aktivistin Ruth Zeidler führten die Wandergruppen an und erklärten viel über die Entwicklung des Waldes, seinen Umbau und seine Bedeutung beim Abbau von CO2. Beim Bau einer 200 Meter langen Menschenkette wurde deutlich, dass Kiefern gegenüber den geplanten Windrädern zu Zwergen schrumpfen werden. Thomas Wardin verwies darauf, dass er von seinem Wohnort in Schönefeld über 15 Kilometer den nur 100 Meter hohen Messturm der Windkraftfirma Juwi sehen kann, die geplanten Windräder werden doppelt so hoch.

Der Aktionswandertag fand auch in Vorbereitung einer Anhörung in Beelitz zum Windparkprojekt in der Reesdorfer Heide nächsten Mittwoch (10 Uhr, Tiedemannsaal) statt. Laut Ludwig hat die Firma „Forst Reesdorf Projekt GbR“ die Genehmigung zur Errichtung von sieben Windkraftanlagen auf dem Gelände um den Siebenbrüderweg beantragt. Bereits 2014 hat die Firma Juwi im Gebiet südlich davon den Bau von 15 Windrädern beantragt. „Der Standort ist rund 1000 Meter vom Brücker Weg in Fichtenwalde beziehungsweise von den nächsten Wohnbebauungen in Borkwalde entfernt.“ hkx