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Potsdam-Mittelmark : Im Schweinsgalopp durch Kleinmachnow

Immer wieder machen Wildschweine Potsdam-Mittelmark unsicher. Jetzt kursiert ein rasantes Internet-Video aus Kleinmachnow.

Der Journalist Dietmar Neuerer sah die rasenden Wildschweine.
Der Journalist Dietmar Neuerer sah die rasenden Wildschweine.Screenshot: https://twitter.com/dneuerer

Kleinmachnow - Kleinmachnow - Ein Video das für Reichweite sorgt: Ein Kleinmachnower hat am Montagmorgen eine im Schweinsgalopp rennende Rotte von Wildschweinen auf der Hohen Kiefer gefilmt. Der Mann hat die rund 20 Tiere aus seinem Auto aus gefilmt, das Kurzvideo zeigt, wie sie in Richtung Förster-Funke-Allee rennen. Fußgänger, Radfahrer oder Autos kommen ihnen nicht in die Quere – zumindest während gefilmt wird.

Das Video hat der Handelsblatt-Autor Dietmar Neuerer auf dem Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlicht. In kürzester Zeit verbreitete sich das spektakuläre Filmchen: mehr als 95.000 Mal wurde es gesehen, rund 550 Twitter-Nutzer teilten es, Fernsehsender und überregionale Zeitungen fragten an, Ausschnitte daraus verwenden zu dürfen. Als viraler Videohit kursierte es am Montag durch die Medien.

Dabei zeigt es vor allem eins: Kleinmachnow hat ein Problem mit Wildschweinen. Dass die Tiere am helllichten Tag durch den Ort laufen würden, sei ungewöhnlich, sagte Gemeindesprecherin Martina Bellack den PNN. Auch sie hat das Video gesehen und ist sich sicher, dass die Tiere erschrocken wurden. „Sonst wären sie nicht bei Tage und in diesem Tempo durch die Hohe Kiefer gerannt“.

Aus den Waldgebieten nahe der Kleinmachnower Schleuse würden die Tiere kommen, so Bellack weiter. Die Gemeindesprecherin kennt sich mittlerweile aus. Seit Jahren kämpfen Kleinmachnow ebenso wie Stahnsdorf mit den Schäden, die die Tiere hinterlassen: vor allem durchwühlte Gärten und Grünanlagen.

Direkte Unfälle zwischen Mensch und Wildschwein gibt es bisher selten. So sei ein Mann vor Jahren an einer Bushaltestelle von einer Rotte überrannt worden, berichtet Bellack. In Stahnsdorf flüchteten wie berichtet vor zwei Jahren ein 12- und 13-jähriger Junge auf einen Straßenbaum, um sich vor einem Wildschwein in Sicherheit zu bringen.

Auch wenn bisher nichts Schlimmeres passiert ist, viele Bewohner fühlen sich nicht mehr sicher. Das jedenfalls betonte jüngst Stahnsdorfs SPD-Ortschef Heinrich Plückelmann. „Die Tiere haben die Macht im Ort übernommen“, so Plückelmann. Eltern würden ihre Kinder in die Schule fahren, auch wenn es nur wenige Meter dorthin seien.

Wildschwein-Population zu hoch

Der für das Gebiet zuständige Jagdpächter bestätigt den Eindruck: Es sind mehr Tiere als sonst in den Ortslagen. Rund 100 Wildschweine haben die Jäger im zurückliegenden Jahr in der Region geschossen, trotzdem stieg die Zahl der Wildschweine wieder an. Im Moment sei die Population zu hoch, so Peter Hemmerden.

Doch das Problem sei hausgemacht: Die gut gewässerten und schlecht gesicherten Gärten würden die Tiere anziehen. Im Ort sei es viel leichter Nahrung zu finden als in den trockenen Waldböden. Hinzu kommen die gelben Säcke am Straßenrand. Ihren Inhalt riechen die Tiere über Kilometer – ein weiteres Lockmittel.

Bei der Bekämpfung der Tiere gehen die Meinungen auseinander: Die einen fordern Fallen, die anderen weniger Nahrungsangebote. Das Kleinmachnower Gemeindeparlament hat zwei SPD-Anträge jüngst abgelehnt: In der Gemeinde soll es im Gegensatz zu Stahnsdorf keine Abschussprämie geben. Auch Eigentümer sollen nicht verpflichtet werden, ihre Gärten ausreichend zu sichern.