Posse um Glasfasernetz in Michendorf : Fehltritt in die Zukunft

Schnelles Internet ist in Zeiten von Homeoffice für viele Menschen wichtig. Doch in der mittelmärkischen Gemeinde stockt der Ausbau - Anwohner sind genervt.

Corinne Meunier aus Langerwisch steht an der Baustelle ihres Netzbetreibers.
Corinne Meunier aus Langerwisch steht an der Baustelle ihres Netzbetreibers.Foto: Andreas Klaer

Michendorf - Am 9. Dezember 2020 schien die Zukunft in Michendorf einzuziehen: Bürgermeisterin Claudia Nowka (Bündnis für Michendorf), Stefan Holighaus vom Breitbandversorger DNS:NET und Hardy Heine, Ansprechpartner für den bundesweiten Glasfaserausbau, unterzeichneten den Vertrag über die Installation des schnellen Internets. Es sollte ein großer Schritt nach vorn sein. Denn bis dahin, hatte die Bürgermeisterin bilanziert, gab es „in vielen Ortsteilen nur ein langsames oder fehlendes Internet“, das Defizit bewertete sie als „ein Entwicklungshemmnis für Michendorf“.

Mehr als eineinviertel Jahre sind vergangen, hier und da wurden Straßen aufgerissen und Kabel verlegt. Allein: Für etliche Michendorfer hat sich der große Schritt in die Zukunft als Fehltritt erwiesen. Über 1000 Kilometer Glasfaserkabel sollten zu knapp 6000 Haushalten kommen. Mancherorts will die Zukunft jedoch nicht ankommen. Wer wie das Paar Corinne Meunier, Angestellte im Dessauer Umweltbundesamt, und Ben Kühle aus dem Ortsteil Langerwisch auf den Anschluss wartet und bis dahin über einen sogenannten VDSL-Vertrag versorgt wird, kann wütend werden.

Verbindungsunterbrechungen im Minutentakt

Was Meunier und Kühle seit vier Wochen mit ihrem VDSL-Anschluss erleben, ist schwer zu ertragen. „Unzählige Male fällt er täglich zum Teil im Minutentakt durch Verbindungsunterbrechungen aus“, erzählte Meunier den PNN, „mal sekundenweise, mal minutenlang“. Dieser Zustand sei für sie und ihren Mann „gerade in Zeiten von pandemiebedingtem Homeoffice mit Videokonferenz-Besprechungen nicht tragbar“. Fast täglich rufe sie bei der Hotline des Unternehmens an oder schreibe eine E-Mail. Was sie erlebe, sei „Inkompetenz oder eine Verschleierungs- und Hinhaltetaktik“. Auch Bürgermeisterin Nowka machte sich für sie stark.

„Auf unser Beharren“, sagt Meunier, habe die Firma am 11. Februar einen Techniker geschickt. Bei Umbauarbeiten, diagnostizierte er, sei eine Technik installiert worden, die störanfälliger sei als die vorige. Er habe zudem behauptet, dass der bereits im November 2021 gelegte Glasfaseranschluss betriebsbereit sei.

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Der Fall geriet zur Posse, als die DNS:NET ihren Techniker mit einem Telefonanruf korrigierte: der Glasfaseranschluss sei doch nicht betriebsbereit. Das Hin und Her überraschte sie nicht ganz. Bereits am 27. Januar hatte eine DNS:NET-Frau sie darüber informiert, dass der Anschluss funktioniere. Allerdings habe ein Mitarbeiter, der den Kasten dafür montiert habe, dies nicht, wie erforderlich, mit einem Foto dokumentiert.

Ist der Anschluss nun betriebsbereit - oder nicht?

Man könnte auf die Idee kommen, dass in Michendorf heimlich Szenen für die ZDF-Comedyserie „Die versteckte Kamera“ gedreht wurden, in der ahnungslose Prominente hereingelegt werden. Denn Corinne Meunier sollte nun das fehlende Foto aufnehmen und senden – was sie tat. Einen Tag später ein Anruf des Unternehmens: Sorry, ein Irrtum. Der Anschluss sei doch nicht betriebsbereit.

Die Michendorferin und ihr Mann beschwerten sich bei der Bundesnetzagentur. Daraufhin meldete sich DNS:NET – und der Fall wurde zur Groteske. In den kommenden Tagen werde der Glasfaseranschluss in Betrieb genommen. Eine Nachfrage am 19. Februar nach dem Schalttermin blieb wiederum ergebnislos, offen blieb einmal mehr, ob der Anschluss überhaupt betriebsbereit sei oder nicht. 

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„Trotz fast täglicher Erinnerung per Telefon und E-Mail haben wir noch immer keinen Termin“, sagt Meunier. Für wichtige dienstliche Videokonferenzen müssten ihr Mann und sie von Michendorf zu ihren Eltern nach Stahnsdorf fahren, gut 20 Kilometer hin, 20 Kilometer zurück. Telefonate ohne Unterbrechungen seien nur auf eigene Kosten übers Handy möglich.

Immerhin: Nachts kann man störungsfrei telefonieren

Am vergangenen Montag dann ein Hoffnungsschimmer. Auf eine Anfrage der PNN bei DNS:NET meldete sich Claudia Burkhardt, Pressechefin des Unternehmens, prompt. In Michendorf seien die Endleitungen der Telekom zu den Kunden „besonders lang“. Das führe dazu, „dass einige Kunden dort Abbrüche erleiden, was auch gemonitort“ werde. Insofern „wird natürlich gehandelt werden“.

Die gute Nachricht: Die Pressesprecherin schrieb letzten Montag, „laut Technik und Support soll noch heute Abhilfe geschaffen werden“. Die schlechte Nachricht: Auch am gestrigen Dienstag brach die Leitung 35 Mal zusammen. Eines immerhin hat Meunier herausgefunden: „Störungsfrei telefonieren kann man nachts zwischen zwei und fünf Uhr.“

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