Potsdam-Mittelmark : Plessow hat sein Herrenhaus zurück

Bundesfinanzministerium sanierte früheren Landsitz derer von Rochow für 3,3 Millionen Euro

Henry Klix

Bundesfinanzministerium sanierte früheren Landsitz derer von Rochow für 3,3 Millionen Euro Werder · Plessow - Seit fünf Jahren ist das Herrenhaus in Plessow eine Baustelle – nun ist es vollbracht. Der um 1780 errichtete, frühere Wohnsitz des Rittergeschlechts derer von Rochow ist rekonstruiert. Die Gerüstplanen, die den Blick auf die wieder hergestellten Spätbarockfassaden zum Teil noch versperren, werden in den nächsten Tagen fallen. Am 17. Juni erfolgt im Festsaal des Baus die Schlüsselübergabe – und Plessow und Werder sind um eine Sehenswürdigkeit reicher. Von innen wird das mondäne Haus allerdings nur zu besonderen Anlässen zu besichtigen sein, so Manfred Suwalski, Leiter des Plessower Bildungszentrums des Bundesfinanzministeriums. Die Verwaltung und die Dozenten der Einrichtung, in der Mitarbeiter des Zolls aus- und weitergebildet werden, werden hier einziehen. Schon seit 1963 wurde das Herrenhaus und das dahinter liegende Areal von der DDR als Zollschule genutzt. Auf dem Grundstück am Plessower See gab es seit der Wende eine rege Bautätigkeit: Ein DDR-Plattenbau wurde als Wohnheim für die Auszubildenden saniert, es entstanden ein neues Lehrsaalgebäude, eine Sporthalle, eine Mensa und vier Unterkünftshäuser am Seeufer. Das Bundesfinanzministerium gab auch das Geld für die Sanierung des Herrenhauses – 3,3 Millionen Euro wurden dafür bereitgestellt. Mit den Bauarbeiten wurde im Sommer 1999 begonnen. Durch Schwammbildungen und Schädlingsbefall war der Dachstuhl schon schwer geschädigt. Im Januar 2000 wurden die Dachrekonstruktion mit der originalgetreuen Schiefereindeckung abgeschlossen. Anfang 2002 wurden dann die Innenräume und die Fassade in Angriff genommen. „Neben dem Rückbau der in den letzten 70 Jahren vorgenommenen baulichen Veränderungen galt es, das Historische zu erhalten“, sagt Suwalski. Das betraf vor allem die Türen des großen Saales, Fenster, Parkett und Fußbodendielen. Mühevoll wurden erhaltenswerte Elemente restauriert und wieder in das Gesamtensemble eingefügt. In einzelnen Räumen wurden zugemauerte Kaminachsen wieder geöffnet und mit den früheren Stuckverzierungen versehen. Anhand von Resten freigelegter Farbgebungen wurde den Räumen wieder der frühere Touch verliehen. Das besondere Augenmerk der Restauratoren galt dem repräsentativen Festsaal mit seinen Tuchgirlanden und Stuckornamenten, der künftig als Versammlungsraum dienen wird. Wermutstropfen: Die Möbel des Herrenhauses sind 1945 bei Plünderungen verloren gegangen. Henry Klix Zum „Tag des offenen Denkmals“ am 12. September von 11 bis 15 Uhr wird das Herrenhaus der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Rahmen eines Tages der offenen Tür wird dann auch über die Arbeit und Ausbildung des Zolls informiert.