Platz für Flüchtlinge : Landkreis plant Ausbau in Michendorf

In der Mittelmark fehlen seit Jahren Unterkünfte für Flüchtlinge. In Michendorf will der Kreis das Problem jetzt angehen, ob das klappt ist aber nicht sicher. Die Gemeinde hat das letzte Wort.

Zur Eröffnung des Polygon-Hauses gab es Blumen von den Michendorfern.
Zur Eröffnung des Polygon-Hauses gab es Blumen von den Michendorfern.Foto: Eva Schmid

Michendorf - Die Landkreisverwaltung will weitere Unterkünfte für Flüchtlinge in Michendorf schaffen. Laut einer Anfrage an das Michendorfer Rathaus plant der Kreis gleich mehrere Projekte: So soll neben dem bisherigen Flüchtlingsheim, dem Haus Polygon, in der Potsdamer Straße 96 ein weiteres Wohngebäude mit Wohnungen für Geflüchtete entstehen. 

Der Kreis Potsdam-Mittelmark will dafür ein Grundstück von der Gemeinde kaufen. Das geht aus einer Anfrage des Kreises hervor, die am Montagabend in der Gemeindevertreterversammlung besprochen werden soll. Das unbebaute Grundstück jedoch wollte Michendorf eigentlich seiner kommunalen Wohnungsgesellschaft, der Gewog, zum Bau von Wohnungen übertragen – eine Entscheidung dazu soll ebenfalls am Montag fallen.  

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Weiterhin will der Kreis das Haus Polygon um 20 Plätze erweitern. In dem ehemaligen Hotel würden dann bis zu 270 Menschen leben. Die Kreisverwaltung bittet die Gemeinde zudem um eine Perspektive für das seit Juni 2019 eröffnete Heim. Planungsrechtlich darf der Kreis das Haus nur bis Mai 2022 als solches nutzen. Was danach passiert, darüber muss die Gemeindevertretung entscheiden. Bürgermeisterin Claudia Nowka (BfM) hatte sich im Wahlkampf für eine alternative Nachnutzung starkgemacht. Der Kreis unterdessen hat angeboten, sich an den Kosten für ein Bebauungsplanverfahren zu beteiligen. 

Unterkünfte fehlen seit Jahren

Nur mit einem solchen Verfahren kann das Haus weiterhin von Flüchtlingen bewohnt werden. Das ehemalige Sens-Convent Hotel, hat der Kreis vor rund vier Jahren für 4,3 Millionen Euro gekauft und über mehrere Jahre umgebaut. Mit Blick auf eine mögliche Absage durch die Gemeinde ein durchaus riskantes Geschäft. Im Falle einer Absage würde der Landkreis "die Planungshoheit der Gemeinde selbstverständlich akzeptieren", so Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert gegenüber den PNN.  

Dem Kreis fehlt es seit Jahren an Unterkünften und vor allem Wohnungen für Flüchtlinge. Allein in diesem Jahr muss Potsdam-Mittelmark noch 591 Asylsuchende aufnehmen. Die hohe Zahl liegt daran, dass 2019 niemanden aufgenommen wurde, weil der Landkreis davon ausgegangen ist, dass nur Menschen mit Bleibeperspektive auf die Landkreise und kreisfreien Städte verteilt werden sollten. Dem ist bisher aber nicht so. 

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