Pläne für Baumblütenfest 2021 : Ein Fest mit Wohlfühlatmosphäre

Die Wünsche der Werderaner sind in einem Basiskonzept zusammengefasst worden. Die Stadt soll zum Ausrichten des Festes eine Veranstaltungsgesellschaft gründen. 

Es soll Wohlfühlatmosphäre herrschen auf dem neuen Baumblütenfest. Der Fokus liegt auf den Gärten und Plantagen. 
Es soll Wohlfühlatmosphäre herrschen auf dem neuen Baumblütenfest. Der Fokus liegt auf den Gärten und Plantagen. Foto: Andreas Klaer

Werder (Havel) - Dezentral, regional und nachhaltig: Das Basiskonzept für das neue Baumblütenfest ab 2021 steht fest. Ostdeutschlands größtes Volksfest wird damit ein ganz neues Erscheinungsbild bekommen. Statt Rummel und Massenbesäufnis soll es in Werder (Havel) ruhiger zugehen, die Baumblüte wird an vielen Stellen im Stadtgebiet gefeiert. Und: Das Fest soll zu seinen Ursprüngen zurückkehren, so der Wunsch vieler Werderaner.  

Sie waren es, die den jetzt vorgelegten Konzeptentwurf inhaltlich geprägt haben. Seit November vergangenen Jahres hat die Stadt ein umfassendes Beteiligungsverfahren gestartet. Entstanden ist eine 480 Seiten umfassende Dokumentation dieser Bürgerbefragung, die von der Berliner Agentur Groskopf auf ihre Umsetzbarkeit geprüft und zusammengefasst wurde. Jetzt haben Werderaner und Interessierte noch bis Ende Juni die Möglichkeit, unter www.werder-havel.de/onlinebeteiligung Anmerkungen zu dem neuen Konzept zu geben. Im Anschluss soll das Gesamtkonzept erstellt werden, über das die Stadtverordneten nach der Sommerpause entscheiden sollen. Die PNN geben einen Überblick. 

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Das sind die neuen Festbereiche und Bühnen

Nach wie vor wird es den traditionellen Baumblütenball am Vorabend der Eröffnung auf der Bismarckhöhe und den Baumblütenumzug als Auftakt zum Fest geben. Der Fokus des Festes soll aber stärker als bisher auf den offenen Gärten und Plantagen liegen, denn das sei der "traditionelle Kern der Veranstaltung". So wird der Bereich im Hohen Weg jetzt zur Gartenmeile, einem der Hauptfestbereiche. Dort soll es kleinere Fahrgeschäfte für Kinder sowie einige Stände geben, an denen ergänzend zu den Angeboten in den Gärten selbst, Essen und Trinken zum Verkauf angeboten wird. Ebenfalls wird es auf der Gartenmeile, die vor allem für Familien konzipiert ist, auch kleine Bühnen geben, auf denen Schülerbands und Artistengruppen auftreten sowie andere Kleinkunst zur Schau gestellt wird. 

Auf der Bismarckhöhe selbst soll es während des Festes eine Blütenbühne mit Live-Musik geben, dort darf zu Salsa, Blues und Jazz bis hin zu Rock getanzt werden. Das Angebot soll vor allem Erwachsene Besucher ansprechen. Auf der Freifläche südlich der zur Bismarckhöhe führenden Treppe soll es neuerdings einen Biergarten geben, eine Alternative für all diejenigen, die keine Lust auf Obstwein haben. Die Jugend feiert wie bisher zum Blütenzauber mit DJs, für sie soll es jedoch einen eigenen, eingezäunten Veranstaltungsbereich geben. Vorgeschlagen wird die Hofanlage in der Eisenbahnstraße 102, der Einlass soll kontrolliert werden. 

Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) spricht mit Christina und Ingolf Sucker auf der ersten Einwohnerversammlung über die Zukunft des Festes. Etwa 260 Werderaner waren zu dem Termin gekommen. 
Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) spricht mit Christina und Ingolf Sucker auf der ersten Einwohnerversammlung über die Zukunft des...Foto: Enrico Bellin


Auf der Insel sind vier Areale geplant: Neu ist ein eigener Kinderbereich mit speziellen, altersgerechten Aktionen rund um die Bockwindmühle. Dort befindet sich auch ein Spielplatz. Auf dem Markplatz wird es ein Weindorf geben. Dort sollen Weine und Obstsäfte aus der Region verkauft werden, dazu ist ein „hochwertiges Angebot an Speisen“ geplant. Eine Bühne gibt es dort nicht mehr, dennoch wird regionale Live-Musik geboten, die aber „Hintergrundbeschallung“ ist und „weniger tanzbar“ sein soll. An der Regattastrecke wird es deutlich ruhiger: denn sie wird jetzt als kompletter Erholungsbereich konzipiert. Es gibt kleinere Bühnen, auf denen vor allem lokalen Sportvereinen ihre Künste zeigen sollen. Das vierte Areal auf der Grünfläche Am Mühlenberg ist für das ortsansässige Handwerk und Gewerbe reserviert, dort soll ein Kunst- und Handwerksmarkt stattfinden. 
Auf dem Dümichenplatz vor der Insel soll eine Lounge-Area mit Strandbar aufgebaut werden. „Der Fokus liegt hierbei auf der Schaffung einer gemütlichen Wohlfühlatmosphäre, in der die Besucher eine kurze Auszeit vom Trubel auf der Straße Unter den Linden genießen können“, heißt es im Konzept. 

Rummel auf dem Hartplatz bleibt, wenn auch deutlich kleiner

So ganz verzichtet werden soll auf den Rummel nicht: Die Werderaner wünschen sich zum Beispiel ein Riesenrad. Das soll auf dem Hartplatz stehen. Ein weiteres großes Fahrgeschäft sowie weitere Schausteller-Attraktionen „im einstelligen Bereich“ sind für das Areal geplant. Neben Getränkeständen soll es hier auch Snacks und Fingerfood geben, der Hartplatz bleibt damit Hauptanziehungspunkt für junge Erwachsene. 
Eine Brandenburgmeile ist auf dem Plantagenplatz, rund um das Lindowsche Haus geplant. Dort geht es vor allem um Informationen zum Thema Obstanbau und der Verarbeitung von Obst. Unterschiedlichen märkische Landkreise sowie regionale Branchen, Verein und Höfe können über ihr Angebot informieren. Auf einer kleinen Bühne sollen vor allem Gespräche mit Erzeugern stattfinden und deren Angebot präsentiert werden. Das erinnert an die Grüne Woche. 

So sah es auf dem Baumblütenfest im vergangenen Jahr aus. 
So sah es auf dem Baumblütenfest im vergangenen Jahr aus. Foto: Sebastian Gabsch PNN

Um die Besucher über die Areale auf dem Festgelände sowie die dezentralen Angebote zu informieren, soll es am Bahnhof, an der Brandenburger Straße Ecke Kugelweg sowie an der Berliner Straße auf Höhe der Aral Tankstelle Infopoints mit Plänen geben, dort halten auch die Shuttlebusse. Das Fest soll zudem umweltfreundlicher werden: Geplant sind Mehrwegbecher, Bambus- statt Strohhalme, generell soll weniger Plastik zum Einsatz kommen. 
Unter den Linden, auf der Brandenburger und Potsdamer Straße ist eine Gastromeile mit Essen- und Getränkestände geplant, vor allem ansässige Restaurants sollen dort ihr Angebot vor den Türen feilbieten können. Die Taschenverkäufer und Tribaltattoo-Anbieter wird es vermutlich nicht mehr geben. In dem neuen Konzept ist die Rede von einem hochwertigen und qualitativen Angebot, das den Besuchern geboten werden soll. Das Fest soll regionaler werden, daher werden vor allem Werderaner Händler, Handwerker, Künstler und Dienstleister bevorzugt. Danach haben Händler aus der Mittelmark die Möglichkeit, sich auf dem Baumblütenfest zu präsentieren, "in dritter Instanz das Land Brandenburg sowie in vierter Instanz die Agglomeration Berlin". Händler, die von Volksfest zu Volksfest ziehen, wird es auf dem neuen Fest damit wohl deutlich weniger geben. 

Kostenloses Trinkwasser und Mindestabgabepreis für Obstwein

Das Baumblütenfest hat immer wieder Negativschlagezeilen mit komatös betrunkenen Jugendlichen gemacht. Die Wirkung des Obstweins - besonders an heißen Tagen - wird unterschätzt. Schon lange wird empfohlen, dass Besucher des Festes regelmäßig Wasser trinken müssten, um den "Gongschlag" zu verhindern. Daher soll jetzt in allen Veranstaltungsbereichen Trinkwasser kostenlos zur Verfügung stehen. Auch die Verkaufsstellen müssen mindestens ein alkoholfreies Getränk, was nicht Wasser ist, anbieten. Der Preis für das nicht-alkoholische Getränkt wird gedeckelt, während der Preis für den Obstwein eine Mindestabgabe bekommt. Auch Rabatte sollen nicht mehr möglich sein. 

Mit einem Verbot von Rabatten und einem Mindestabgabepreis soll der Verkauf von Obstwein für Jugendliche nicht mehr so attraktiv gemacht werden. 
Mit einem Verbot von Rabatten und einem Mindestabgabepreis soll der Verkauf von Obstwein für Jugendliche nicht mehr so attraktiv...Foto: Sebastian Gabsch PNN

Damit soll verhindert werden, dass Händler zu einem Spottpreis oder mit Sonderaktionen den Obstwein verkaufen und damit Jugendliche besonders locken. 


Zum Thema Sicherheit wird in dem Konzept zunächst noch wenig Konkretes gesagt. Ein eigenes Sicherheitskonzept soll noch erstellt werden. Interessant ist, dass festgeschrieben wird, dass die medizinische Versorgung der Besucher aber insbesondere auch der Anwohner „nicht schlechter sein darf, als an anderen üblichen Tagen“, zudem soll sie den gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Konkret geht es darum, dass Rettungskräfte während des Festes aufgrund der Masse an Besuchern nicht so schnell auf die Insel kommen. 

2014 soll eine Anwohnerin einen Herzinfarkt erlitten haben, bis der Notarzt vor Ort war, dauerte es eine Stunde. Für die Frau ging es dennoch gut aus. Auch sollen die Beschränkungen für die Anwohner durch die Sperrungen während des Festes „auf das notwendige Minimum reduziert werden“. Besonders wichtig sei auch, dass „wildes Urinieren“ Müll, Dreck und zu hohe Lautstärken - sei es durch Musik oder Fahrgeschäfte - vermieden werden. 

Stadt soll eigene Veranstaltungsgesellschaft gründen

Die Berliner Agentur Groskopf, die Sicherheits- und Veranstaltungskonzepte erstellt, empfiehlt der Stadt, die Rolle als Veranstalter zu übernehmen. Um das stemmen zu können, soll Werder dafür eine Veranstaltungsgesellschaft gründen. Im Aufsichtsrat könnten Vertreter der Stadtverwaltung sowie politische Mandatsträger sitzen, das operative Geschäft sollten zwei Angestellte aus dem Bereich Veranstaltungsmanagement und -technik erledigen. 

Zudem empfiehlt die Berliner Agentur, Beratergremien sowie Arbeitskreise für die kommunale Gesellschaft. In den Arbeitskreisen sollen auf breiter Basis Aspekte wie das Programm, die Infrastruktur und die Sicherheit diskutiert werden. Ein solches Konstrukt, so rechnen die Planer vor, würde die Stadt pro Jahr 145 000 Euro kosten, für die Gründung der Gesellschaft kommt noch ein Stammkapital von 25 000 Euro hinzu. 
Was für Kosten durch das neue Fest auf die Stadt zukommen, ist in dem Konzept nicht aufgeschlüsselt. Dort heißt es lediglich, dass die Ausgaben durch „eine positive Stadtrendite“ kompensiert werden können. Auf Nachfrage erklärte Stadtsprecher Henry Klix: „Positive Stadtrendite heißt: Der Gesamtnutzen für die Stadt, das Stadtimage und die städtische Wirtschaft soll größer sein als die Kosten.“

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