Pferdeäpfel-Station : Zwischenstopp beim Mistboy

In Bergholz-Rehbrücke gibt es jetzt für Reiter und Ross die erste Pferdeäpfel-Station der Region.

Sarah Stoffers
Super Gartendünger. Katja Kropp will den Mist von Pferd Jimmy als Dünger für den Garten verwenden. Zwei Eimer sind bisher zusammengekommen.
Super Gartendünger. Katja Kropp will den Mist von Pferd Jimmy als Dünger für den Garten verwenden. Zwei Eimer sind bisher...Foto: Andreas Klaer

Nuthetal - Mit der Kehrharke in der Hand schaufelt Katja Kropp die Pferdeäpfel von Jimmy in den Mistboy, eine Art große Schaufel, und kippt sie in den vorgesehenen Behälter vor ihrem Gartenzaun. „Das ist super Dünger für den Garten“, sagt sie.

Seit Kurzem bietet Kropp auf dem Grünstreifen vor ihrem Haus in Bergholz-Rehbrücke einen ganz besonderen Service an: die Entsorgung von Pferdeäpfeln. Es ist die erste Station dieser Art überhaupt in der Region. Künftig können sich Reiter, die an der Schlüterstraße 34 vorbeikommen, einfach kurz Schaufel und Kehrgerät ausleihen und damit den Mist ihrer Tiere von der Straße schippen und entsorgen. Auch ein entsprechendes Hinweisschild und eine Aufstiegshilfe für die Reiter, einen Baumstumpf, gibt es. Der Pferdemist ist wie berichtet schon seit längerem ein Streitthema in der Gemeinde Nuthetal und sorgte bereits für so manch kuriose Idee. Erst im vergangenen Jahr wurden auf freiwilliger Basis Nummernschilder für die Pferde eingeführt, damit die Reiter leichter ermittelt werden können, die ihren Mist nicht entsorgen. Im Mai übergaben außerdem Andreas Fröhlich (CDU) und Katrin Krumrey (parteilos) vier Schaufeln und Handbesen an „Hannas Reiterhof“, die Reiter auf ihrem Pferd mitführen sollen. Ein halbes Jahr soll die Idee getestet werden. Erst dann sollen andere Höfe mitziehen.

In Nuthetal ist es nicht ungewöhnlich, zu reiten und ein Pferd zu besitzen. Die Gegend ist bekannt für ihre vielen Höfe und beliebt bei Reitern. Auch Kropp reitet gerne. Allerdings nicht mehr regelmäßig, wie sie erzählt. Ihr eigenes Pferd, Jimmy, hatte sie eigentlich an einen Freund an der Ostsee abgegeben. Wegen ihrer Kinder hat sie nicht mehr so viel Zeit. Gerade macht Jimmy aber Urlaub bei seiner früheren Besitzerin und steht auf der Wiese hinter dem Haus.

Vor rund zwei Jahren ist Kropp mit ihrer Familie in das Haus in der Schlüterstraße gezogen. Erst da habe sie bemerkt, wie viele Reiter tatsächlich die Hinterlassenschaften ihrer Pferde mitten auf der Straße liegen lassen. „Es gibt hier zahlreiche Pferde, die täglich vorbeilaufen. Und viele Nachbarn beschweren sich über die Pferdeäpfel“, sagt die 34-Jährige. Als Reiter habe man allerdings nicht so viele Möglichkeiten, den Mist wegzuräumen oder zur Seite zu schieben, erklärt Kropp. Die Straßen seien sehr eng, gerade in den Ferien und am Wochenende, wenn viele an den Seiten parken. Da sei es auch nicht ganz ungefährlich, mitten auf der Straße vom Pferd abzusteigen, um den Mist zu entsorgen. „Da dachte ich an den Grünstreifen direkt vor unserem Haus, der gar nicht genutzt wird.“

Von ihrer Idee waren alle sofort begeistert. Wie etwa der Chef vom Schäferhof, Gidon Wolf und auch die Gemeinde Nuthetal, die alle erforderlichen Genehmigungen zügig erteilte. Genauso hat der berlin-brandenburgische Landesverband der Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland die Station unterstützt und alle Kosten übernommen: für das Schild, den sogenannten Mistboy, Kehrharke und den Eimer zur Entsorgung. Den Mistboy – die Schaufel, um die Pferdeäpfel aufzukehren – hat Kropp extra in XXL-Größe besorgt. „In die kleineren bekommt man meistens nicht den ganzen Haufen rein.“

Zwei Eimer sind bislang zusammengekommen, rund fünf Haufen. „Die lege ich zur Seite und trage die im Herbst im Garten auf.“ Mit riesigen Mengen rechnet Kropp nicht. Falls es doch mehr werden sollte, haben Nachbarn und Bekannte schon angekündigt, dass sie den Mist auch für ihre Pflanzen nutzen wollen. „Bisher kriege ich immer Daumen hoch von allen, die vorbeireiten.“ Und auch von einigen der Anwohner, die sonst zu den Meckerern gehörten, bekomme sie positives Feedback. Ein paar überlegen sogar, selbst eine Station aufstellen. „Man muss sich zusammentun. Nur so kann das Zusammenleben dauerhaft gelingen“, so Kropp.

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