Potsdam-Mittelmark : Ortstermin an der Schneefräse

Denkmal droht der Verfall – Landeskonservator appelliert an die Gemeinde

Tobias Reichelt
Das Wetter und „Graffiti-Künstler“ haben dem Denkmal zugesetzt.
Das Wetter und „Graffiti-Künstler“ haben dem Denkmal zugesetzt.Foto: M. Thomas

Kleinmachnow - Die denkmalgeschützte Schneefräse am ehemaligen Grenzübergang in Dreilinden droht zu verfallen. Bislang scheiterten Versuche, das historische ehemalige Panzerehrenmal zu retten, an der Mehrheit der Kleinmachnower Gemeindevertreter. Nun wird von einigen Politikern und vom Förderverein Checkpoint Bravo nach einer neuen Lösung gesucht. Doch die scheint es bisher nicht zu geben: „Die Gemeinde muss sich ihrer Verantwortung bewusst werden“, mahnte gestern der brandenburgische Landeskonservator Detlef Karg bei einem Termin vor Ort.

Einst hatte die sowjetische Armee einen T 34-Panzer auf den Betonsockel an die deutsch-deutsche Grenze gewuchtet. Der Geschichte nach soll der russische Panzer der erste gewesen sein, der am 24. April 1945 die Reichshauptstadt Berlin erreichte. Das Denkmal wurde für viele Menschen zum Symbol der deutschen Teilung. Nach 1990 entfernten die Russen den berühmten Panzer. Der Künstler Eckhard Haisch installierte stattdessen eine alte sowjetische Schneefräse auf dem Sockel. Als Parallele zum Prager Widerstand, der einen rosa bemalten Panzer zum Symbol hatte, lackierte er sie rosa.

Auch 20 Jahre nach dem Mauerfall steht die Fräse noch – von der Farbgebung ist jedoch nur noch wenig zu erkennen. Das Wetter und „Graffiti-Künstler“ haben die Substanz des Denkmals angegriffen. „Wenn wir bis zum nächsten Einheitsjubiläum warten, ist es zerfallen“, sagte der SPD-Politiker Jens Klocksin. Über Jahre habe es die Gemeinde verrotten lassen. „Der Umgang mit dem Denkmal ist dessen nicht würdig“, so Klocksin. Unverständnis zeigte auch Konservator Karg: „In diesem Denkmal steckt Kraft. Man muss den Ort lesen lernen“, sagte er. Die Schneefräse sei neben dem bereits sanierten früheren Führungsturm und einer Stele, die einst das Hoheitszeichen der DDR trug, ein Teil eines geschichtlichen Ensembles – zwar kein schönes, aber ein unbequemes. Aufgabe der Kommune sei es, die Bedeutung des Ortes zu transportieren.

„Wir haben angeboten zu helfen“, sagte Karg. In einem ersten Schritt müsse die Gemeinde das Denkmal übernehmen. Nur so könnten die nötigen Fördergelder fließen, um das Denkmal zu sanieren. Noch wird die Schneefräse aber von der Nachfolgerin der früheren Treuhand, der Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH, für den Bund verwaltet. Die bot Kleinmachnow bereits an, das Ehrenmal zu übergeben. Doch die Gemeindevertreter lehnten ab. Knapp 100 000 Euro würde die Sanierung kosten. Dennoch sei es Zeit für einen neuen Versuch. Das Denkmal verfallen zu lassen, hält Karg für unverantwortlich: „Hier würden Zeugnisse der deutschen Geschichte verloren gehen“, sagte er.

Tobias Reichelt

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