Orgelbau in Werder (Havel) : Gutes Geschäft für vierte Schuke-Generation

Schuke Orgelbau zog vor 15 Jahren von Potsdam nach Werder. Es läuft gut für den Familienbetrieb, mittlerweile in vierter Generation. Derzeit wird ein einzigartiges Instrument gebaut.

Die beiden Geschäftsführer Michael (links) und Johannes Schuke wollen ihren Familienbetrieb, den sie seit Oktober in vierter Generation übernommen haben, weiterhin erfolgreich führen.
Die beiden Geschäftsführer Michael (links) und Johannes Schuke wollen ihren Familienbetrieb, den sie seit Oktober in vierter...Foto: Ottmar Winter

Werder (Havel) - Sobald sich die große Trommel mit dem aufgelegten Metallplatten in Bewegung setzt, spritzen die feinen Spähne an den Seiten und nach unten heraus. Werkstattleiter Hans Scheffler ist fleißig dabei, die Platten mit der Drehmaschine auf die richtige Dicke zu hobeln und aus ihnen dann die Zuschnitte für die späteren Orgelpfeifen herzustellen.

Räumlichkeiten in Potsdam zu klein

Seit 15 Jahren hat Schuke Orgelbau seinen Sitz in den Werderaner Havelauen, baut, rekonstruiert und restauriert Orgeln weltweit. Etwa im österreichischen Graz, in Warschau, Mexiko oder auch Taiwan. Der frühere Geschäftsführer Matthias Schuke hatte das Grundstück im Jahr 2000 erworben, als die Räumlichkeiten in Potsdam zu klein geworden waren. 2004 konnte die Firma in Werder mit ihrer Arbeit beginnen. Die Geschäftsführung des Familienbetriebs, der einst 1820 in Potsdam gegründet wurde, haben im vergangenen Oktober die beiden Brüder Michael und Johannes von ihrem Vater Matthias Schuke in mittlerweile vierter Generation übernommen. 

Matthias Schuke (Mitte) mit seinen beiden Söhnen Michael (links) und Johannes, die den Orgelbau übernommen haben.
Matthias Schuke (Mitte) mit seinen beiden Söhnen Michael (links) und Johannes, die den Orgelbau übernommen haben.Foto: Andreas Klaer

„Wir wollen in der Zukunft hier Gas geben und Orgeln für Brandenburg, Deutschland und die ganze Welt bauen“, sagte Johannes Schuke beim Presserundgang zum Jubiläum, bei dem die beiden Brüder durch ihre Werkstätten führten. Ihr Vater unterstütze und berate sie immer noch tatkräftig, wie der 33-jährige Johannes erzählt.

Derzeit großer Auftrag für Schuke Orgelbau

18 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen derzeit und ist gut ausgelastet. Die bislang größten Orgeln in der Geschichte des Familienbetriebes bauten sie für den Magdeburger Dom und den Dom zu Kaliningrad in Russland, erzählt Johannes Schuke. Wie berichtet hat das Unternehmen auch im vergangenen Jahr einen großen Auftrag erhalten: die Mitarbeiter sollen die Orgel in der 1401 geweihten St. Katharinenkirche in Brandenburg/Havel restaurieren und erweitern. Seit Anfang des Jahres fertigen sie die notwendigen Orgelteile in ihren Werkstätten.

Die Arbeiter sollen die Orgel der St.Katharinenkirche in Brandenburg/Havel restaurieren.
Die Arbeiter sollen die Orgel der St.Katharinenkirche in Brandenburg/Havel restaurieren.Foto: Ralf Hirschberger/dpa

„1936 haben wir die Orgel schon einmal umgebaut und gereinigt“, erzählt Michael Schuke. Der Spieltisch, den sie damals angebaut hatten, wird ebenfalls gerade von ihnen restauriert. Für den neuen Umbau mit Restaurierung soll ein Extrawerk mit 25 Registern gebaut werden, so Michael Schuke. „Das wird dann eine Art Orgelregisterbibliothek, aus der sich der Organist die fehlenden Register ziehen kann.“ Als Register bezeichnet man eine Reihe Orgelpfeifen, die alle Töne einer Art beinhaltet.

Brandenburger Orgel werde einmalig sein

Zudem soll eine weitere Chororgel im Querschiff der Kirche stehen, für die ein zusätzliches Solo-Werk gebaut wird. Alle Orgelwerke sollen dann, die heutige Technik macht es möglich, von einem Spieltisch aus angespielt werden können, der über fünf sogenannte Manuale, Klaviaturen, verfügt. Zusätzlich werde es noch einen fahrbaren Spieltisch geben. Die Orgel werde von den Spielmöglichkeiten her einzigartig sein und sicherlich viele Organisten anlocken, ist sich Johannes Schuke sicher. Eine sehr komplexe Aufgabe für die Orgelbauer. „Es muss alles miteinander spielen, muss alles miteinander klingen. Dafür brauchen wir unser ganzes Team“, sagt Michael Schuke.

Präzisionsarbeit. Hans Scheffler bearbeitet die Metallplatten für die späteren Pfeifen.
Präzisionsarbeit. Hans Scheffler bearbeitet die Metallplatten für die späteren Pfeifen.Foto: Ottmar Winter

Die Mitarbeiter können von der Konstruktion über den Bau und Restauration bis hin zur Montage und dem Stimmen der Pfeifen alle Aspekte des Orgelbaus bedienen. Schon das Zurechthobeln der Metallplatten beeinflusse den Klang der späteren Pfeifen, sagt Werkstattleiter Scheffler, der selbst Orgel spielt, was er bei einem Ständchen beim Rundgang beweist. Die Orgel-Zinn-Drehmaschine, die zusammen mit der Uni Potsdam weiterentwickelt wurde, setze die Meißel genau an den Stellen an, wo sie gebraucht werden. So entstünden dickere und dünnere Abschnitte an den Pfeifenwänden. „Die Pfeifen sind dadurch im Schnitt um die Hälfte leichter als früher“, so Scheffler. Sind die Zuschnitte fertig, werden nebenan die Pfeifen zusammengebaut.

Die Tonhöhe verändert sich je nach Temperatur

In der Holzwerkstatt werden unter anderem die Windladen und Bälge, die die Pfeifen mit der für die Töne notwendigen Luft versorgt, sowie Holzpfeifen oder die Gehäuse der Orgeln gebaut. In einem weiteren Raum werden die Pfeifen gelagert und ihr Klang getestet. Dafür werden sie in eine kleine Orgel gestellt, die über einen Referenzregister verfügt. „Wir haben den Vorteil, dass wir in einer warmen Werkstatt arbeiten. Die Tonhöhe verändert sich je nach Temperatur. Da kann aus einem C schonmal ein Cis werden“, erklärt Michael Schuke.

Dieses Vortesten sei notwendig, um falls nötig noch vor der Montage die Klangfarbe der Pfeifen verändern zu können. Einer ihrer Mitarbeiter beschäftigt sich ausschließlich mit der Intonation. Johannes Schuke schätzt, dass die Orgel für die St. Katharinenkirche bis Ende des Jahres fertiggestellt sein wird. Das feierliche Einweihungskonzert werde dann im Frühjahr 2020 stattfinden.