Olymiagold für Kleinmachnow : Olympiagold zurück in Familienbesitz

Das Fundstück aus einer Kleinmachnower Kita wurde der rechtmäßigen Eigentümerin übergeben

Björn Stelley
Rückkehr. Karin Isermann die Goldmedaille ihres Vaters in Empfang.
Rückkehr. Karin Isermann die Goldmedaille ihres Vaters in Empfang.Foto: Gemeinde

Kleinmachnow - Es war keine Zeremonie, lediglich eine einfache und formlose Übergabe. Die im Sommer in der Kita „Waldhäuschen“ hinter einer Wand gefundene Olympische Goldmedaille von 1932 ist der rechtmäßigen Eigentümerin übergeben worden. Karin Isermann, Tochter von Horst Hoeck, Goldmedaillengewinner im Ruder-Vierer, hat das Gold von Bürgermeister Michael Grubert (SPD) entgegengenommen. „Es war ganz unkompliziert“, sagt Isermann gegenüber den PNN. „Es wurden noch ein paar Fotos gemacht und das war es auch schon.“

Die Geschichte um die wiederentdeckte Medaille entpuppte sich schnell als abenteuerlich. Jahrzehntelang lag die Medaille in einem Tresor, eingemauert hinter einer Wand. Erst bei Sanierungsarbeiten entdeckten Arbeiter die Metallkiste. Die erste Recherche durch Kita-Chefin Susanne Feser kam zum Ergebnis, dass bei den Olympischen Spielen in Los Angeles drei Goldmedaillen an Deutschland gingen: im Ringen, im Gewichtheben und im Rudern. Da es sich beim Rudergold um einen Vierer mit Steuermann handelte, wurden insgesamt fünf Goldmedaillen verliehen. Schnell lag der Verdacht nahe, dass es sich um das Olympiagold von Ruderer Horst Hoeck handeln könnte. Doch der Gemeinde lagen keine Unterlagen vor, dass Hoeck jemals in dem Haus der heutigen Kita gewohnt hatte.

Fast ein Jahr Haft in Potsdam

Erst Karin Isermann, die Tochter Hoecks aus erster Ehe, konnte die Einzelheiten aufklären. 1942 heiratete ihr Vater die Tochter des Besitzers der Teltower Biomalzfabrik. Dort arbeitete Hoeck als Betriebsleiter. Gemeinsam mit der Familie lebte er in Kleinmachnow. Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte die sowjetische Militäradministration den erfolgreichen und nicht unbekannten Hoeck in eine Schlüsselposition für die Lebensmittel- und Getränkeversorgung des Ostsektors in Berlin stecken. „Dieses Angebot lehnte Hoeck mit den Worten ab, er sei doch kein Kommunist“, sagt Matthias Gerschwitz, der mit „Molle und Medaille“ ein Buch über die Alt-Berliner Kneipe Wilhelm Hoeck geschrieben hat, die dem Vater des Ruderers gehörte.

Daraufhin kam Horst Hoeck für fast ein Jahr in Haft nach Potsdam. Nach einem ersten Fluchtversuch, bei dem er schwer verletzt wurde, erreichte seine Frau die Verlegung in ein anderes Krankenhaus und schmuggelte ihn mit einem geborgten Krankenwagen nach Westberlin. Zuvor hatte sie zwar das Haus in Kleinmachnow ausgeräumt, jedoch nicht gründlich genug. Die Medaille blieb in der Wand und geriet in Vergessenheit. Bis heute ist aber unklar, wer die Medaille dort versteckt hat.

Medaille kommt zunächst in den Tresor

Karin Isermann war zwischenzeitlich beim Berliner Ruderclub, in dem sich ihr Vater einst auf die Spiele in Los Angeles vorbereitet hatte. „Wir haben dort sogar zwei Herren getroffen, die meinen Vater noch persönlich kannten“, sagt Isermann. „Auch an mich konnten sie sich als kleines Mädchen erinnern.“ Die Goldmedaille wird vorerst erneut in einem Tresor untergebracht werden, bis ein geeigneter Platz gefunden ist. „Sie wird bei uns zu Hause einen geeigneten Platz finden“, so Isermann. Im kommenden Jahr will die Tochter des Olympiasiegers mit der originalen Medaille die Kinder in der Kita „Waldhäuschen“ besuchen. Für die Gemeinde wird es einen Gipsabdruck geben. Björn Stelley

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