Potsdam-Mittelmark : Ohne Vertrag und Perspektive

Musikschule wartet nach Kündigung der Räume in der Oderstraße weiter auf eine langfristige Lösung

Verlassen und leer. Nur die Musikschule ist in der Baracke auf dem zu DDR-Zeiten von einem Baubetrieb genutzten Areal in der Oderstraße verblieben. Gern würde sie dort investieren.
Verlassen und leer. Nur die Musikschule ist in der Baracke auf dem zu DDR-Zeiten von einem Baubetrieb genutzten Areal in der...Foto: A. Klaer

Teltow - Helge Niederle hat einen Traum: In Teltow soll eine Musik-Akademie entstehen. Seit Jahren schlummern die Pläne dafür in der Schublade, sagt er. Umsetzen will der Musiker seine Ideen auf dem weitestgehend leergezogenen Areal in der Teltower Oderstraße, auf dem er bereits die Musikschule „The! Music School“ betreibt. Doch an eine Erweiterung ist dort gegenwärtig kaum zu denken. Denn eigentlich sollte auch Niederle das Gelände längst verlassen.

Schon Ende letzten Jahres waren ihm und einem Dutzend weiterer Mieter des Grundstücks gegenüber dem „Real“-Markt die Verträge für die vor Ort in Baracken und Holzschuppen genutzten Räume gekündigt worden. Bis dahin waren die Gebäude von der Ernst-Wisser TechnoTerrain Teltow GbR anstelle der in den USA und Südamerika lebenden Eigentümer zwangsverwaltet worden. Bereits 2006 war das etwa 13 000 Quadratmeter große Grundstück im Zuge der Restitution an die Alteigentümer rückübertragen worden, doch die Besitzer kümmerten sich nicht. Im Laufe der Zeit sei der Sanierungsbedarf in den zu DDR-Zeiten errichteten Gebäuden derart angestiegen, dass es der nach der Wende treuhänderisch eingesetzte Verwalter nicht länger verantworten mochte, die Mieter in den teils baufälligen Häusern zu belassen (die PNN berichteten).

Während sich die meisten Mieter fügten und neue Räume suchten, fand Niederle kein geeignetes Objekt und blieb. „Wir hatten keine Alternative“, erklärt der 46-jährige Musikschullehrer. Die angebotenen Räume waren zu klein, ungeeignet oder boten keine langfristige Perspektive, sagt er. Zuletzt habe ihm die Teltower TechnoTerrain Flächen in einem Bürohaus in der Rheinstraße zur Verfügung stellen wollen. „Zu dieser Zeit war aber schon über den Verkauf des Grundstücks verhandelt worden“, so Niederle. Tatsächlich übernahm zwischenzeitlich die Project Immobilien GmbH das offerierte Objekt. Sie will das alte Gebäude abreißen und dort ein neues siebengeschossiges Bürohaus errichten.

Seit mehr als 15 Jahren betreibt Niederle seine Musikschule nun schon. Auf dem Seeberg in Kleinmachnow hatte sie der frühere Berufsrocker einst eröffnet, vor etwa fünf Jahren zog er nach Teltow um. Heute fühlt sich Niederle im Stich gelassen, auch von der Stadt. „Das ist ein Politikum“, klagt er.

Weil es sich um einen privaten Betreiber handele, könne die Stadt die Schule nicht mit kommunalen Mitteln subventionieren, entgegnet indes Stadtsprecherin Andrea Neumann. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten hätte die Stadt die Musikschule aber seit Jahren unterstützt, sagte sie. Neumann erinnert an Kooperationen während des Stadtfestes oder der Ausbildungsmesse, die allen „kostbare Momente“ beschert hätten. Auch die Bemühungen um einen neuen Standort seien durch die Stadt unterstützt worden, betont sie. Über eigene kommunale Liegenschaften, die der Musikschule hätten angeboten werden können, verfüge die Stadt jedoch nicht.

Niederles Vertrag für die sieben in der Oderstraße genutzten Räume ist seit Monaten ausgelaufen. Einen neuen gibt es nicht. Die Teltower TechnoTerrain fühlt sich nicht mehr verantwortlich. „Wir sind raus“, erklärt Geschäftsführerin Petra Schulze den PNN. Zwischenzeitlich habe der Eigentümer ein anderes Unternehmen mit der Verwaltung des Grundstücks beauftragt.

Der Leiter der Musikschule steht mit dem neuen Verwalter in Kontakt, versucht die in Halle an der Saale ansässige S&B Grundstücksgesellschaft von seinem Konzept zu überzeugen. Für die rund 200 Kids und Jugendlichen, die die Musikschule alljährlich in Workshops und Kursen besuchen, sei das Gelände in der Oderstraße ideal. „Hier stört es auch nicht, wenn sie mal laut sind“, meint Niederle. Er würde sofort Geld in die Hand nehmen und in das Gelände investieren, wenn ein Verbleib langfristig gesichert sei. Auch andere Mieter würden gern zurückkehren, weiß er. Er biete Ferienkurse und einen Jugendtreff an, beschäftige Kinder und hole sie von der Straße, betont er, als „Hausbesetzer“ sehe er sich nicht.

Doch noch ist offen, was der Eigentümer mit seinem Gelände plant. Auch die S&B Grundstücksgesellschaft weiß es nicht, erklärt eine Mitarbeiterin gegenüber den PNN. Noch ist auch unklar, ob Niederle mit einer Räumungsklage rechnen muss. Solveig Schuster