Neues Gymnasium für Werder (Havel) : Eine heiße Kartoffel

Ist ein neuer Bildungscampus in Werder sinnvoll? Wie bewertet der Landrat die Pläne der Stadt und der Hoffbauer-Stiftung für Glindow? Zwei Wochen lang bleibt eine entsprechende Presseanfrage unbeantwortet. Warum eigentlich? Eine Antwortsuche.

Henry Klix
Braucht Werder sowas auch? Eröffnung des Bildungscampus 2008, den die Hoffbauer-Stiftung in Kleinmachnow betreibt.
Braucht Werder sowas auch? Eröffnung des Bildungscampus 2008, den die Hoffbauer-Stiftung in Kleinmachnow betreibt.Foto: Andreas Klaer

Werder (Havel) - Wird der Bedarf an Kitas, Grundschulen und Sekundarschulen in Werder derzeit gedeckt? Kann der Bedarf in den kommenden Jahren gedeckt werden? Wie bewertet der Landrat die Pläne der Stadt Werder zum Bau eines Bildungscampus’ in Glindow? Die Presseanfrage wurde schon vor zwei Wochen ans Landratsamt gestellt, doch die Antworten sind erstaunlich vage geblieben. Momentan bestehe kein Anlass, darüber nachzudenken, heißt es aus Bad Belzig.

Was die durch die PNN unlängst bekannt gewordenen Pläne der Stadt Werder angeht, mit der Potsdamer Hoffbauerstiftung in Glindow eine Kita, eine Grundschule und eine Schule mit Gymnasialstufe, alles für insgesamt 1000 Kinder und Jugendliche, zu errichten, duckt sich das Landratsamt – man kann es deutlich sagen – weg. Man überarbeite gerade die Schulentwicklungsplanung, heißt es lediglich. Und es würde dem Landratsamt aus der Stadt Werder noch gar nichts Offizielles zu den Hoffbauer-Plänen vorliegen. Das Landratsamt ist zumindest dafür zuständig, dass es genügend Sekundarschulen im Landkreis gibt, muss für die Gymnasialstufe die Trägerschaft organisieren. Warum also gibt es keine ordentlichen Antworten auf konkrete Fragen?

Die Argumente des Altbürgermeisters Werner Große

Aus Werderaner Sicht ist die Lage eindeutig: Die Stadt benötigt dringend zusätzliche Kitaplätze, eine weitere Grundschule und ein zweites Gymnasium. Das war angesichts der Entwicklungen in den Havelauen seit wenigstens zwei Jahren absehbar: Aus der Stadtverordnetenversammlung wird darauf verwiesen, dass im Koalitionsvertrag, auf den sich die CDU-Kreistagsfraktion mit der SPD und den Freien Bürgern und Bauern verständigt haben, ausdrücklich der Bau eines Gymnasiums außerhalb der Teltower Region festgelegt wurde. Wo anders könnte das sein als im zweitgrößten Einzugsbereich des Kreises, dem Raum Werder?

Die Stadtspitze hätte vermutlich gute Argumente für einen neuen Bildungscampus, hält sich aufgrund der noch laufenden Verhandlungen mit Hoffbauer aber derzeit mit öffentlichen Diskussionsbeiträgen zurück. Werders Altbürgermeister Werner Große (CDU), als Kreistagsvorsitzender inzwischen die wichtigste Schnittstelle zwischen Stadt und Landkreis, kann deutlicher werden. Er nennt auf PNN-Anfrage einige bemerkenswerte Zahlen.

"Schulplanung beruht auf überholte Prognosen"

Der derzeitige Schulentwicklungsplan des Landkreises beruhe auf völlig überholten Bevölkerungsprognosen. „Werder ist da mit etwa 3000 Einwohnern drüber“, sagt Große. Gut 25 000 Menschen leben inzwischen in der Stadt, die Zahl der Grund- und Sekundarschulen sei auf eine Zahl von 19 000 Einwohner ausgelegt. Große verweist darauf, dass die Stadt gerade den Bau von zwei neuen Kitas plant, in denen insgesamt 200 Kinder betreut werden sollen. „Die wachsen natürlich schnell ins Schulalter.“

Und Werders Schulen platzen jetzt schon aus allen Nähten. 1,5 Millionen Euro will Werder in diesem Jahr in seine Schulen investieren, den Löwenanteil in die dringend erforderliche Kapazitätserweiterung der Carl-von-Ossietzky-Grundschule. Und von der Schulkonferenz des städtischen Ernst-Haeckel-Gymnasiums sind Stadt und Landrat schon vor zwei Jahren gebeten worden, die überlaufene Schule von einer Drei- auf eine Vierzügigkeit auszubauen.

Bei der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstagabend fragte CDU-Fraktionsvize Peter Kreilinger beim Rathaus an, ob man nicht mal die Geburtenzahlen der vergangenen Jahre den Schulkapazitäten gegenüberstellen sollte. Seine naheliegende Vermutung: Sie werden nicht mehr zusammenpassen. „Eltern, die in vier Jahren Gymnasialplätze für ihre Kinder brauchen, müssten Landrat Blasig eigentlich die Tür einrennen“, meint Kreilinger.

Warum also ist das Thema so sensibel, dass es im Landratsamt von einem Schreibtisch auf den nächsten weitergereicht wird und man in zwei Wochen keine Antwort auf die einfache Frage bekommt, ob der in Glindow geplante Hoffbauer-Campus sinnvoll wäre? Während dasselbe Landratsamt die Zahlen für den Teltower Raum offenbar genau kennt und dort den Bau eines vierten Gymnasiums in Kreisträgerschaft plant?

Bad Belzig hat keinen Plan - angeblich

Aus der Schulverwaltung in Bad Belzig wird nach wiederholtem Nachhaken am Telefon darauf verwiesen, dass die Trägerschaft des Werderaner Gymnasiums bei der Stadt liege, man deshalb keinen so genauen Überblick habe wie im Teltower Raum. Dass aber immerhin noch vor der Sommerpause ein neuer Schulentwicklungsplan vorliegen werde, aus dem sich dann auch Aussagen für Werder ableiten ließen. Akuten Handlungsbedarf sehe man nicht, zumal auch das Werderaner Oberstufenzentrum eine gymnasiale Ausbildung anbiete. Schüler aus Werder könnten zudem in die Kreis-Gymnasien nach Beelitz oder Michendorf ausweichen. Aus Werder heißt es, dass sie dann schon eher nach Potsdam gehen. Dort wiederum ist man angesichts der Kapazitätsnöte alles andere als begeistert von Schülern aus dem Nachbarlandkreis.

Für die abwartende Haltung des Landratsamtes gibt es womöglich noch einen anderen Grund: Wenn Werder nicht mit Hoffbauer über einen Bildungscampus verhandeln würde, dann müsste der Landkreis augenblicklich aktiv werden und einen neuen Gymnasialstandort im Werderaner Raum anbieten. So wie es im Koalitionsvertrag steht. Stattdessen wartet man ab in der Hoffnung, eine zweistellige Millioneninvestition vermeiden zu können. Und reicht eine Presseanfrage herum wie die heiße Kartoffel. Hinter vorgehaltener Hand wird das sogar bestätigt. Und dann gibt es doch noch eine nicht namentlich zitierfähige Antwort: „Es ist für jedermann ersichtlich, dass Werder boomt. Wenn da ein privater Bildungsträger für Vielfalt sorgen will, sind die Erfolgsaussichten bestens.“

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