Neuer Winzer in Töplitz : Aus der Provence nach Töplitz

Er hat schon in Frankreich, Italien und Chile gearbeitet: Jetzt ist David Krohn der Neue auf dem Töplitzer Weingut der Wolenskis - und möchte den Werderaner Wein groß rausbringen.

In der Familie. David Krohn ist über das Gut seiner Großeltern in der Provence schon früh zum Weinbau gekommen.
In der Familie. David Krohn ist über das Gut seiner Großeltern in der Provence schon früh zum Weinbau gekommen.

Töplitz - In Luxemburg, Frankreich, Italien und Chile hat David Krohn schon im Weinanbau gearbeitet. Dass er am Ende nur eine Autostunde von seiner Heimatstadt Berlin eine Stelle als Winzer finden würde, hätte sich der 34-Jährige allerdings nicht träumen lassen. „Ich wollte gern zurück in diese Gegend, aber habe mir eigentlich wenig Hoffnung gemacht, dass das klappen könnte“, sagt Krohn. Per Internetrecherche jedoch stieß er auf das Weingut Töplitz, rief kurzerhand bei Klaus Wolenski an und hatte kurz darauf eine Stelle als Winzer. „Er wollte nicht mal eine schriftliche Bewerbung, ich sollte lieber persönlich vorbeikommen.“

Für Lara Wolenski, die die Geschäftsführung des Weinguts vor drei Jahren von ihrem Vater übernommen hat, kam die Hilfe gerade zur rechten Zeit. Die Ernte sei in diesem Jahr so gut wie schon lange nicht mehr, sagt sie. Der Humus, den sie und ihr Vater im vorigen Jahr auf die Felder gebracht haben, und die regenarmen Frühsommermonate lassen die Trauben gut gedeihen. Hinzu komme das angenehm warme, aber windreiche Klima auf dem Weinhügel, das den Wolenskis hier bereits seit elf Jahren zu soliden Erträgen verhilft.

David Krohn wuchs zwar in Berlin auf, mit dem Weinanbau kam er jedoch in der Provence erstmals in Kontakt. Dort hatten sich seine Großeltern ein kleines Weingut aufgebaut, nachdem sie aus Italien vor dem Faschismus geflohen waren. Jeden Sommer reiste die Familie zu den Großeltern und genoss dort unbeschwerte Tage inmitten der romantischen Landschaft. „Als Erwachsener habe ich dann schnell gemerkt, dass Weinanbau in Deutschland nicht allzu viel mit den Erinnerungen meiner Kindheit zu tun hat“, erzählt Krohn. „Hier ist es tatsächlich vor allem industrielle Landwirtschaft und Weingüter unter zehn Hektar Größe sind äußerst selten.“

Traumjob Biowinzer

Zunächst wollte Krohn nach dem Abitur Gärtner werden. Als er bei einer Weinmesse in Berlin-Schöneberg einen Winzer kennenlernte, der ihm ein Praktikum an der Mosel vermittelte, änderte sich dieser Plan allerdings. Während des Praktikums hörte er von dem Studiengang Oenologie, den es in Deutschland nur an zwei Universitäten gibt: im hessischen Geisenheim und in Neustadt an der Weinstraße in Rheinland-Pfalz. David Krohn verschlug es nach Neustadt an der Weinstraße. Der dort angebotene duale Studiengang ließ ihm viel Raum, internationale Erfahrung im Weinanbau zu sammeln. In Chile lebte er für mehrere Monate bei einem Bauern, der die Trauben auf seinem kleinen Gut ohne Strom und fließendes Wasser anbaute. Der Wein habe dennoch eine ausgezeichnete Qualität gehabt, erzählt Krohn. Weitere Erfahrungen sammelte er auf Weingütern in Italien und in der Pfalz, auf denen er jeweils ein paar Wochen bis zu anderthalb Jahre blieb. Nach dem Studium brachte ihn seine erste feste Stelle als Winzer für eineinhalb Jahre nach Luxemburg.

Am liebsten, das stand für den 34-Jährigen nach all seinen internationalen Arbeitserfahrungen fest, wollte er auf einem kleinen brandenburgischen Weingut mit biozertifiziertem Anbau arbeiten – auf einem wie dem Weingut in Töplitz. In einem kleinen, familiären Betrieb sei die Arbeit vielfältiger, der Kontakt persönlicher und man könne mehr bewegen. „Ich möchte die Qualität unseres Weins weiter verbessern, sodass er in Berliner Bars ausgeschenkt wird und schließlich auch Kunden aus anderen Regionen Deutschlands bei uns bestellen“, sagt der junge Winzer. Bisher sind 90 Prozent der Kunden, die zu den Wolenksis kommen, Privatleute.

Mitten in der Natur

Dabei seien die Voraussetzungen für erstklassigen Wein aus Töplitz ähnlich gut wie an der Mosel, ist Krohn überzeugt. Zwar sei der Boden sehr sandig, mit anderen Faktoren lasse sich das aber wettmachen. So arbeiten Klaus und Lara Wolenski seit Jahren mit sogenannten Kamerunschafen, die die Reben ausdünnen und dadurch für bessere Nährstoffzufuhr sorgen. Außerdem sorgen die Tiere für eine natürliche Düngung, so dass die Familie seit jeher auf Kupfer und viele andere Pestizide verzichten kann. Dem Geschmack komme das zugute, erklärt Krohn: „Als mir Klaus zum ersten Mal die Tabelle mit den hohen Zuckerwerten seiner Trauben gezeigt hat, war ich verblüfft.“ Der Zuckerwert sorge nicht für Süße, sondern für Alkoholgehalt und ein intensives Aroma des Weins – beides Maßstäbe für hohe Qualität, so der Winzer.

Bald geht die diesjährige Ernte los und die neue Saison beginnt. Für Krohn und die Wolenskis gibt es deshalb in den kommenden Wochen viel zu tun: Stocktriebe müssen entfernt werden, Laubwände hochgebunden und der Wein der vergangenen Ernte filtriert und abgefüllt werden. Krohn hat es zur Arbeit zum Glück nicht weit. Er hat eine Wohnung direkt neben dem Weinberg gefunden. Die Lage sei perfekt, findet der 34-Jährige. „Ich kann schnell nach Berlin fahren, um Freunde und Familie zu besuchen, bin aber hier mitten in der Natur – zum Wasser laufe ich nur fünf Minuten.“ Fast erinnert ihn das an seine Kindheitssommer auf dem Familienweingut in der Provence.