• Tauziehen um die Waldschänke: Stahnsdorf ist mit mehreren Interessenten im Gespräch

Neuer Gastronom gesucht : Zukunft der Waldschänke in Stahnsdorf ungewiss

Ein Bewerber für die Traditionsgaststätte ist abgesprungen, nun verhandelt die Kommune mit den verbliebenen zweien - mit offenem Ausgang.

Wie gehts hier weiter? Die Neueröffnung zu Ostern wackelt.
Wie gehts hier weiter? Die Neueröffnung zu Ostern wackelt.Foto: Andreas Klaer

Stahnsdorf – Auch ein Jahr, nachdem das Stahnsdorfer Traditionslokal "Waldschänke" seine Türen schloss, ist seine Zukunft noch nicht gesichert. Der beabsichtigte Pachtvertrag für das unweit der Kleinmachnower Schleuse gelegene Restaurant sei noch nicht wie gewünscht abgeschlossen worden. Beide Seiten seien sich über die Konditionen nicht einig, erklärte Mubarik Ahmad, Geschäftsführer des Berliner Lebensmittellogistikers Chauhdry Food Traders (CFT), der in der gemeindeeigenen Immobilie wie berichtet eine indo-italienische Fusionsküche plant. Wie Stahnsdorfs Gemeindesprecher Stephan Reitzig auf PNN-Nachfrage weiter mitteilte, verhandele die Kommune inzwischen auch mit einem weiteren Bewerber.

Über die Dauer der Pacht wird derzeit verhandelt

Nach einem im Oktober gefassten Beschluss der Gemeindevertreter soll die zuvor von Gastwirt Gunther Lassotta über 57 Jahre betriebene Traditionsgaststätte unter dem Namen "Waldschänke" fortgeführt werden. Der Pachtzins wurde auf monatlich 2500 Euro festgelegt. Uneins sind Kommune und CFT aber noch über die Dauer der Pacht. Die Gemeinde will den Pachtvertrag zunächst über fünf Jahre schließen, mit der Option ihn für weitere fünf Jahre zu verlängern. Das ist Ahmad zu wenig. "Wir brauchen mindestens 15 bis 20 Jahre, damit es sich lohnt zu investieren", sagt er. 80.000 bis 120.000 Euro will der Unternehmer in den Umbau des stark sanierungsbedürftigen Gasthauses stecken. Unter anderem sollen Küche, Bar und Toiletten erneuert als auch die Wohnräume im Obergeschoss saniert werden. Ein Berliner Ingenieurbüro, das im Frühjahr für die Gemeinde eine Kostenschätzung erstellte, hatte den Sanierungsaufwand für das über 100-jährige Gebäude sogar auf rund 214.000 Euro bemessen. 

Romi Parkash-Ahmad will mit ihrem Mann in Stahnsdorf indisch-italienisch kochen. 
Romi Parkash-Ahmad will mit ihrem Mann in Stahnsdorf indisch-italienisch kochen. Foto: privat

Neueröffnung zu Ostern ungewiss

Ahmad, der nach eigenen Angaben seit 25 Jahren einen Lebensmittelgroßhandel in Berlin betreibt und nahezu 90 Prozent aller thailändischen Restaurants in Berlin und Brandenburg beliefere, wollte ursprünglich im Januar mit der Sanierung beginnen und das Lokal zu Ostern öffnen. Ob das noch klappt, sei derzeit nicht zu sagen. "Wir haben der Gemeinde jetzt erst einmal unsere Änderungswünsche zum Vertragsentwurf übergeben", erklärte er.

"Taj Mahal" Gastronom aus Stahnsdorf ist abgesprungen

Ahmad ist einer von drei Bewerbern, die die Gemeinde nach einem Ausschreibungsverfahren in die engere Wahl genommen hatte. Vor ihm war bereits mit dem Betreiber des ebenfalls in Stahnsdorf, in der Potsdamer Allee ansässigen indischen Restaurants "Taj Mahal" gesprochen worden, der die Gemeindevertreter mit seinem Businessplan zunächst am meisten überzeugt hatte. Die Gespräche wurden aber wieder abgebrochen, nachdem der potenzielle Pächter den Wunsch geäußert hatte, mit seiner Familie in die im Obergeschoss gelegenen Räume des Hauses einzuziehen. Dies war zuvor vom Finanzausschuss abgelehnt worden.

Dritter Bewerber plant Cocktailbar in der Waldschänke

Wie Gemeindesprecher Stephan Reitzig erklärte, werde unabhängig vom Ausgang der Verhandlung mit dem Lebensmittellogistiker CFT inzwischen auch mit dem dritten der Bewerber gesprochen, der in dem Restaurant eine Wein- und Cocktailbar mit schwerpunktmäßig deutscher Küche plant. Nähere Angaben zum Inhalt der Gespräche machte Stahnsdorfs Gemeindesprecher zunächst nicht. Sobald ein Ergebnis vorliege, werde die Gemeinde darüber aber informieren, erklärte er.


Die geplante Verpachtung des Lokals ist in der Gemeinde nicht unumstritten. So tritt unter anderem die Fraktion Bürger für Bürger für eine gemeindeeigene Nutzung der kommunalen Immobilie ein. Sie wünscht sich dort ein Familienzentrum oder Bürgerhaus, konnte sich bislang aber mit der Idee nicht durchsetzen.