Potsdam-Mittelmark : Neue Querdenker fürs Einsteinhaus

Ab Frühjahr 2007 sollen Einstein-Stipendiaten in Caputh leben und forschen

Henry Klix

Schwielowsee · Caputh - Albert Einsteins Sommerhaus in Caputh soll wieder ein Ort für Querdenker werden, zumindest das kleine Gartenhaus nebenan: Ab Frühjahr kommenden Jahres soll es vom ersten Stipendiaten des „Albert-Einstein-Stipendiums“ bewohnt werden. Der Name dieses „intellektuellen Kopfs seiner Generation“ wird zwar noch nicht bekannt gegeben. Die Geschäftsführerin des Potsdamer Einsteinforums, Inga Wellmann, war aber froh, gestern verkünden zu können, dass die Kooperation mit der Zeit-Stiftung in Hamburg steht.

Künftig soll jedes Jahr ein Stipendiat an der historischen Caputher Stätte forschen dürfen – fünf Monate lang bekommt er freie Unterkunft und ein Salär von 2000 Euro pro Monat. Die Reisekosten werden erstattet und auch die Familie darf ins frisch sanierte und komplett ausgestattete Gartenhaus, das unmittelbar neben dem Einsteinhaus steht, mit einziehen. Wie viel Zeit hier verbracht wird, ist freigestellt – das Einsteinforum wünscht sich natürlich, dass es möglichst viel ist. „Aber wer morgens den Mann auf der Luftmatratze in der Havel Zeitung lesen sieht, hat schnell verstanden, was Einstein hier so schätzte.“

Innovativen, naturwissenschaftlichen Köpfen soll hier ermöglicht werden – wie Einstein einst – abseits der üblichen Pfade zu forschen. „Besonders junge Universalisten sollen mit dem Stipendium gefördert werden“, betonte Wellmann.

Im Einsteinforum hofft man, dass der Forschergeist nicht allzu sehr von Besuchern des Einsteinhauses gestört wird. Im Einsteinjahr 2005 hatten 14 000 Menschen das frisch rekonstruierte Haus besichtigt, in dem fast täglich Führungen angeboten wurden. Jetzt sind die Öffnungszeiten wieder auf das Wochenende (Anmeldungen unter Telefon 0331-271 780) beschränkt, Einstein hatte jeden Trubel um seine Person abgelehnt und wollte an sich auch nicht, dass seine Wohnstätten zu Museen werden.

Stattdessen wird das Einsteinhaus seit seiner Rekonstruktion vor allem und für exklusive, wissenschaftliche Klausuren genutzt. Hier tagt auch der wissenschaftliche Beirat des Einsteinforums, so dass zum Beispiel Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger regelmäßig den Blick von der Sonnenterrasse auf Caputh genießen darf. Auch das Treffen von 30 Nobelpreisträgern im vorigen Jahr durfte im Sinne des genialen Physikers gewesen sein.

Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU) meint, dass die Aktivitäten im Einsteinhaus auf Caputh und die ganze Gemeinde Schwielowsee ausstrahlen. „Die Außenwahrnehmung ist immer stärker mit dem Wirken Einsteins verbunden, das bringt uns nicht zuletzt mehr Touristen und Besucher in die Region.“ Sie ist deshalb froh, dass auch die Ausstellung des Einstein-Initiativkreises zu Einsteins Caputher Jahren im Bürgerhaus über das Einsteinjahr hinaus Bestand hat.

Die Rekonstruktion des Einsteinhauses hatte der Initiativkreis mit angeschoben. Gestern übergab Architekt Eberhard Lange eine Dokumentation der Baumaßnahmen an das Einsteinforum, die Denkmalpflege Belzig und die Gemeinde Schwielowsee. Sie soll mit ihren detaillierten Beschreibungen des Bauablaufs, bis hin zu den freigelegten Farbschichten an Türen und Fenstern, künftige Rekonstruktionen des Einsteinhauses erleichtern helfen. Henry Klix

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