Nach Nonnenfraß : Vier Millionen Euro Schaden durch Kieferschädling

Nach der Nonne befürchten Waldexperten weitere Schädlinge, die die Kiefern in den Wäldern rund um Beelitz angreifen.

Bedroht. Der Wald ist von Trockenheit und Schädlingen geschwächt.
Bedroht. Der Wald ist von Trockenheit und Schädlingen geschwächt.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Beelitz – Durch den im Frühsommer dieses Jahres gerichtlich gestoppten Einsatz des Insektizids „Karate Forst“ über den Wäldern rund um Beelitz beklagen Waldbesitzer im Vorfeld des heutigen „Nationalen Waldgipfels“ teure Schäden. Das Gift mit dem der Kieferschädling Nonne bekämpft werden sollte, wurde im Kreis auf rund 7000 Hektar per Hubschrauber versprüht, rund 2500 Hektar Waldfläche wurden nicht behandelt. Der Naturschutzbund (Nabu) hatte Mitte Mai wie berichtet vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg einen Stopp des Sprüheinsatzes aus der Luft erwirkt.

Schadhaftes Holz muss jetzt geschlagen werden

„Der finanzielle Schaden liegt ohne Wiederaufforstung bei über vier Millionen Euro“, teilte eine Kommunikationsagentur im Auftrag des Forstbetriebs Schaeff/Brockdorf am Dienstag mit. Dem Betrieb gehören etliche Waldflächen bei Beelitz. Im Forstbetrieb würde der Schaden rund 15 000 Festmeter Schadholz betragen, „die unter normalen Umständen nicht hätten eingeschlagen werden müssen“. Dass der Schaden nicht noch viel höher ausgefallen sei, habe die Region ausschließlich den extremen Wetterbedingungen zu verdanken.

Die Nonneraupe auf dem Weg zu den Kiefernnadeln.
Die Nonneraupe auf dem Weg zu den Kiefernnadeln.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Tatsächlich ist der prognostizierte Kahlfraß der Nonne von bis zu 90 Prozent ausgeblieben. Grund dafür war der heiße Sommer, laut Waldexpertin Katrin Möller vom Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde hätte ein Großteil der Raupen das letzte Larvenstadium nicht erreicht. Die Raupen hätten somit weniger Hunger gehabt und dadurch weniger Schaden angerichtet. Wie groß der Schaden in den unbesprühten Wäldern ist, sei schwierig zu beziffern, so Möller. Die Waldbesitzer gehen von insgesamt rund 20 Prozent vernichtetem Wald aus.

Trockenheit hat Nonne gestoppt

Satellitenbilder der behandelten und unbehandelten Flächen würden aber deutlich zeigen, dass sich die Kiefern, die mit „Karate Forst“ besprüht wurden, in diesem Sommer gut erholt hätten, betont Möller. Dahingegen wären die unbehandelten Kiefern sowohl von der Nonne als auch von der Trockenheit sehr geschwächt, die Bäume seien für weitere Kiefernschädlinge wie den Borken- und Prachtkäfer gefundenes Fressen. „Diesen beiden Schädlingen ist die Hitze gut bekommen“, so Möller. Sie rechnet mit einem „hohen Befallsdruck“. Das ganze Ausmaß des Schadens durch den gestoppten Insektizideinsatz würde man erst in zwei bis drei Jahren sehen.

Am heutigen Mittwoch findet der Nationale Waldgipfel von Bund und Ländern in Berlin statt, bei dem es unter anderem um Waldumbau und Nothilfen gehen soll.