Nach Cyberangriff auf Potsdam : Stahnsdorfer Rathaus kappt die Verbindung

Um nicht wie Potsdam von Hackern angegriffen zu werden, hat die Gemeindeverwaltung in Stahnsdorf am Donnerstagmorgen die Verbindungen zum Verwaltungsnetzwerk des Landes gekappt. Das führt jetzt zu deutlichen Einschränkungen. 

Das Rathaus in Stahnsdorf. 
Das Rathaus in Stahnsdorf. Foto: Sebastian Gabsch PNN

Stahnsdorf - Nach dem Cyber-Angriff auf die Verwaltung in Potsdam hat das Rathaus Stahnsdorf die Verbindung zum Landesverwaltungsnetz gekappt. Das teilte die Gemeinde unter dem Hashtag #SafetyFirst am Donnerstagmorgen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit. Die Verbindung wurde präventiv gekappt. Die Kommunikation mit anderen Behörden sei aus diesem Grund nur stark eingeschränkt oder gar nicht möglich.

Die Maßnahme ist eine Reaktion auf den am Mittwochabend öffentlich bekanntgewordenen Cyberangriff auf das Potsdamer Rathaus. Der Angriff auf das Rathaussystem war bereits am Dienstagabend festgestellt worden. Am Mittwoch habe man daraufhin beschlossen, die Server herunterzufahren, wie es bei einer Pressekonferenz gestern Abend hieß. 

Anleitung zum Hacken frei im Internet zugänglich

Offenbar konnten die Hacker über eine Schwachstelle des von Behörden verwendeten Netzwerk-Dienstleisters Citrix eindringen. Bereits Mitte Januar hatten Medien über die Sicherheitslücke berichtet. Der Softwarehersteller hatte bereits im Dezember öffentlich vor dem Problem gewarnt. Datenreporter des SWR hatten laut Angaben der Tagesschau die Schwachstelle auf mehr als 2000 deutschen Servern gefunden. Das betreffe laut einem Bericht Krankenhäuser, Bundes- und Landesbehörden, Kommunen, Kraftwerksbetreiber, Stadtwerke, Banken, Forschungseinrichtungen sowie mittlere Unternehmen und große Konzerne. Derzeit sei die Anleitung zum Hacken der Software frei zugänglich für jeden im Internet zu finden.    

Stahnsdorf warnt vor Einschränkungen im Bürgerservice

In Stahnsdorf läuft nach Rathausinformationen unter anderem die Kommunikation des Standesamtes über den Citrix-Client des Landesverwaltungsnetzes (LVN). "Durch die ausnutzbaren Sicherheitslücken haben wir präventiv – auch ohne auffällige Ereignisse in unserem Haus – das LVN vorübergehend deaktiviert", so Gemeindesprecher Stephan Reitzig. Trotz der Einschränkungen sei die Arbeitsfähigkeit der Verwaltung jedoch grundsätzlich gewährleistet. "Weitere Informationen zu den im Haus benutzten Anwendungen können wir aus Sicherheitsgründen nicht geben", sagte Reitzig auf PNN-Anfrage. 

Stahnsdorf informiert seine Bürger auf der Homepage der Kommune, dass es durch die gekappte Verbindung vor allem im Bürgerservice, wie dem Meldeamt und dem Standesamt zu einem stark reduzierten Dienstleistungsangebot kommen wird. Rathausbesucher müssten sich daher auf längere Wartezeiten einstellen.

Beelitz nutzt keine Citrix-Server

Die Beelitzer Stadtverwaltung nutzt keine Citrix-Server. "Daher betrifft uns diese Sicherheitslücke nicht. Wir müssen keine Heimarbeitsplätze für die Mitarbeiter bereithalten", so Stadtsprecher Thomas Lähns. Über das Internet laufen in Beelitz die Homepage der Stadt, die extern gehostet wird, sowie das Bürgerinformationsportal, das ebenfalls über einen externen Server läuft, und nicht mit dem Verwaltungsnetz verbunden ist, so Lähns. 

Wie es in den anderen Kommunen der Mittelmark mit der Netzwerksicherheit aussieht, war am Donnerstagmorgen noch nicht herauszufinden. Die PNN haben dazu die Kommunen angefragt. 

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