Nach Corona-Ausbrüchen : Potsdam-Mittelmark plant Kontrollen in Seniorenheimen

Hygieneregeln sollen nicht eingehalten worden sein, die Einrichtungsleitungen seien überfordert und würden zu lax mit den Vorschriften umgehen. Der Kreis erhebt schwere Vorwürfe. 

Der Landkreis kritisiert den teilweise laxen Umgang mit den Schutzmaßnahmen in den Einrichtungen.
Der Landkreis kritisiert den teilweise laxen Umgang mit den Schutzmaßnahmen in den Einrichtungen.Foto: Patrick Pleul/dpa (Symbolbild)

Potsdam-Mittelmark - Wegen der Häufung von Coronfällen  in mittelmärkischen Senioren- und Pflegeheimen - zum Teil mit tödlichen Folgen - will der Landkreis ab der kommenden Woche verstärkt Kontrollen in den Einrichtungen durchführen. Das teilte die Landkreisverwaltung am Donnerstag mit.

Vermehrt gegen Hygieneauflagen verstoßen

Wie berichtet waren im Seniorenwohnheim „Haus am Zernsee“ in Werder (Havel) 29 Bewohner und sieben Mitarbeiter infiziert worden. Auch im Werderaner Seniorenheim „Blütentraum“ wurden einige Bewohner und Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet. Auch in weiteren Senioren- und Pflegeeinrichtungen sowie betreuten Wohngruppen in  Stahnsdorf und Teltow wurden Bewohner und Mitarbeiter vereinzelt positiv getestet. Bereits am Mittwoch hatte der Landkreis angekündigt, dass er ein Unterstützungsteam des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) für die beiden Einrichtungen in Werder angefordert hat. Das Kriseninterventionsteam soll vor Ort unterstützend helfen. Das Team soll voraussichtlich in den kommenden Tagen seine Arbeit aufnehmen.

Die nun angekündigten verstärkten Kontrollen in mittelmärkischen Heimen begründet der Landkreis mit vermehrten Verstößen gegen die Hygieneauflagen. Festgestellt wurden sie durch die Gesundheitsaufseher und Ärzte vor Ort. Vorgaben und angeordnete Maßnahmen des Gesundheitsamtes seien zudem teilweise nicht umgesetzt oder nicht befolgt worden, heißt es in der Pressemitteilung des Landkreises.

Landkreis kritisiert laxen Umgang mit Schutzmaßnahmen

Zwar kämpften viele Einrichtungen in der Coronakrise mit Personal- und Ausrüstungsmangel. "Trotzdem muss hinterfragt werden, warum teilweise sehr lax mit Schutzmaßnahmen umgegangen wird und wissentlich dagegen verstoßen wird", so der Landkreis. Die Heimleitungen seien nicht ausreichend für Krisensituationen geschult. Zudem würden sie sich oft vollkommen überfordert fühlen und von den Trägern allein gelassen werden. In der  aktuellen Coronakrise zeige sich deutlich, was seit Jahren insbesondere im Bereich der Pflege versäumt wurde und grundsätzlich falsch läuft.

Ausbruch zu spät erkannt, weil zu wenig getestet wird

Der Landkreis kritisiert, dass in den Einrichtungen zu wenige Tests durchgeführt werden. Dadurch werde ein Ausbruch oft zu spät erkannt. Pandemie- Pläne werden dann in solchen Situationen oft Null und nichtig. Infiziertes Pflegepersonal, das keine Symptome zeigt, darf in Bereichen arbeiten, wo ebenfalls infizierte Heimbewohner untergebracht sind, so die Landkreisverwaltung. Allerdings nur wenn das Personal unter „erweiterter Quarantäne“ steht und damit ihre Wohnungen nur verlassen dürfen, um zur Arbeit zu gehen. Dagegen werde mutwillig verstoßen. Der Landkreis erklärte, dass hohe Bußgelder verhängt werden müssen, damit die geltenden Quarantäneanordnungen auch eingehalten werden.

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Zwar würden sich viele Heime und ihre Mitarbeiter bemühen, richtig richtig mit der Corona-Pandemie umzugehen. Schuldzuweisungen seien daher vollkommen fehl am Platz. Dennoch rechtfertige es nicht, das in den Einrichtungen teilweise wissentlich und gegen die angeordneten Auflagen sowie notwendige Hygienemaßnahmen verstoßen wird.

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