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Nach Corona-Ausbruch im Werderaner Seniorenheim : Noch keine Öffnung in Sicht

Die Situation entspannt sich zwar langsam im Werderaner Seniorenheim "Haus am Zernsee". Doch noch hat das Gesundheitsamt keine Zustimmung für einen Normalbetrieb gegeben.

Das Seniorenheims ·Haus am Zernsee· in Werder (Havel).
Das Seniorenheims ·Haus am Zernsee· in Werder (Havel).Foto: Christoph Soeder/dpa

Werder (Havel) - Die Lage in dem Werderaner Seniorenheim „Haus am Zernsee“ scheint sich langsam zu entspannen. Die vergangenen Tage hat es keinen weiteren Todesfall gegeben. Laut der Heimleitung waren am Mittwoch noch sechs Bewohner positiv auf das Virus getestet, das ist einer weniger als noch vor wenigen Tagen. Die Zahl der infizierten Mitarbeiter liegt weiterhin bei sieben. 
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In dem Heim mit seinen 82 Bewohnern gab es bisher 34 Infizierte, zehn von ihnen sind verstorben, seit Wochen kämpft das Haus gegen den Corona-Ausbruch an. „Wir haben beschlossen, auf eigene Kosten alle Bewohner testen zu lassen“, sagte Heimleiterin Johanna Horn. Mit den Abstrichen sollte bereits Anfang der Woche begonnen werden, mit Ergebnissen wird im Laufe der Woche gerechnet. Der Träger des Hauses, Korian, will die Tests auf eigene Kosten bezahlen, das Vorgehen sei mit dem Gesundheitsamt so abgestimmt worden. Ziel sei es, den Status quo der Bewohner zu erfassen, um auszuschließen, dass unter den derzeit gesunden Bewohnern Covid-19-Fälle sind.

Erst nach vier Wochen wurde Infizierte von Nichtinfizierten strikt getrennt

Wie berichtet wurde das Seniorenheim in den Havelauen erst am Montag vergangener Woche - also vier Wochen nach Ausbruch - in einen Corona-positiv- und einen Corona-negativ-Bereich unterteilt. Zuvor waren die Bewohner auf den Etagen isoliert, Gesunde und Infizierte wohnten zum Teil Tür an Tür. 

Eine strikte Trennung zwischen Infizierten und Gesunden hatten Experten der brandenburgischen Heimaufsicht und des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung dem Heim bei einem Termin vor Ort geraten, die Heimleitung hatte das schnell umgesetzt.

Auf die Frage, warum das nicht schon vorher passiert sei, schieben sich Kreis und Träger gegenseitig die Verantwortung zu. Vom Träger heißt es, dass man das schon kurz nach Ausbruch so handhaben wollte, die Behörden jedoch signalisiert hätten, dass das nicht dringend nötig sei. Der Kreis dementiert: Es habe entsprechende Empfehlungen gegeben.


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„Pflegeheime brauchen klare Regeln, verbindliche Maßstäbe und einen Infektions-Grundschutz. Dazu gehört auch ein lückenloses Monitoring“, sagt der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. So könne nachvollzogen werden, wer wen wann betreut hat. Ebenso bräuchte es in einer Einrichtung drei Bereiche. „Es reicht nicht aus, nur zwischen Infizierten und Nichtinfizierten zu unterscheiden. Ein dritter Sektor ist notwendig für Pflegebedürftige, die noch nicht klar zugeordnet werden können.“ Nach wie vor unklar ist auch die Situation mit den Coronatests: Auf die Frage, warum nicht alle Bewohner mehrmals getestet wurden, sondern nur diejenigen, die Symptome zeigten, antwortete der Kreis, dass er für Tests nicht zuständig sei. Ob getestet werde oder nicht, liege im Ermessen der niedergelassenen Ärzte, die sich an die Kriterien des Robert Koch-Instituts (RKI) halten würden, so ein Kreissprecher. Diese seien seit dem 22. April durch das RKI erweitert worden – jetzt werde mehr getestet, es gebe mehr Laborkapazitäten.

Bundeswehrsoldaten werden nicht im Heim aushelfen

Am Montag legte der Heimträger Korian den Angehörigen ein Rahmenkonzept vor, in dem die schrittweise Öffnung des Hauses beschrieben ist. Jedoch soll das erst zum Tragen kommen, wenn das Haus nicht mehr unter Quarantäne steht - wann das der Fall sein wird, das entscheidet das Gesundheitsamt. Die Angehörigen hatten zuvor in einen Gespräch mit dem Heimträger gefordert, stärker eingebunden zu werden, um wieder mehr Kontakt zu ihren Verwandten zu haben.   Unterdessen deutet sich an, dass das Heim, wie vom Träger und manchen Angehörigen gewünscht, voraussichtlich keine Hilfe der Bundeswehr bekommen wird. Der Kreis stellte gegenüber den PNN klar: "Die Bundeswehr hat von Anfang an mitgeteilt, dass kein Pflegepersonal vorhanden ist", so Kreissprecherin Andrea Metzler. Zum Vorgehen erklärte sie: "Wenn der Landrat einen Antrag auf Amtshilfe stellen wollen würde, müsste er das Heim zur kritischen Infrastruktur erklären lassen, um einen Einsatz der Bundeswehr zu organisieren." Diesen Einsatz müsste der Landkreis dann aber auch selbst zahlen. "In erster Linie ist der Träger für das Personal zuständig und hat hier für Nachschub zu sorgen. Bei einem bundesweit agierenden Träger mit vielen 1000 Stellen müsste das eigentlich auch möglich sein!"   

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