Potsdam-Mittelmark : Mutmaßlichen Brandstifter gefasst

27-Jähriger soll aus Fremdenhass Feuer im künftigen Beelitzer Asylbewerberheim gelegt haben

Neues Heim für Flüchtlinge. Wenige Tage nach dem Brandanschlag in der Silvesternacht begannen am Gebäude im Schwarzen Weg in Beelitz-Heilstätten die Bauarbeiten. Zum 1. März sollen sie abgeschlossen sein.
Neues Heim für Flüchtlinge. Wenige Tage nach dem Brandanschlag in der Silvesternacht begannen am Gebäude im Schwarzen Weg in...Foto: Andreas Klaer

Beelitz - Hinter dem Brandanschlag auf ein geplantes Asylbewerberheim in Beelitz-Heilstätten steckt offenbar ein fremdenfeindliches Motiv. Die Ermittler haben einen 27-Jährigen aus dem Landkreis Havelland im Verdacht, das Feuer in der Silvesternacht gelegt zu haben. Der vorbestrafte Mann sei zwar bislang nicht durch fremdenfeindliche Taten aufgefallen, habe sich aber kurz nach der Tat dementsprechend geäußert, teilte die Polizeidirektion West am gestrigen Montag mit. Dies hätten Zeugen ausgesagt.

Der Mann soll an dem Abend mit Freunden in der Nähe des Tatorts Silvester gefeiert haben. Zeugen zufolge drang er etwa eine halbe Stunde nach Mitternacht gewaltsam in das zu dem Zeitpunkt ungenutzte Haus ein. Wenig später brannte es an mehreren Stellen – offensichtlich hatten Möbel Feuer gefangen. Anschließend soll der mutmaßliche Täter zurück zu seinen Freunden gegangen sein und unbeschwert weitergefeiert haben. Brandbeschleuniger seien bei der Untersuchung des Tatorts nicht gefunden worden, wohl aber eine Zündquelle, sagte ein Polizeisprecher auf PNN-Anfrage. Darunter könne man sich ein Feuerzeug oder Streichhölzer vorstellen, erklärte er. Genauer wollte er nicht werden. Größerer Sachschaden ist den Angaben zufolge nicht entstanden: Ein Zimmer sei komplett ausgebrannt, ansonsten hätte es vor allem Rußschäden gegeben.

Der 27-Jährige bestreitet die Tat der Polizei zufolge bislang. Er wurde nach einem ersten Verhör wieder auf freien Fuß gesetzt. Nun sollen weitere Zeugen befragt werden. Zu einem späteren Zeitpunkt soll der Verdächtige erneut verhört und mit den ihn belastenden Zeugenaussagen konfrontiert werden. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass er die Tat allein begangen hat.

Wie berichtet soll in dem zweigeschossigen Haus unter Trägerschaft des Landkreises ein Flüchtlingsheim betrieben werden. Nach Sanierungsarbeiten sollen dort ab 1. März 38 Plätze zur Verfügung stehen. Das Haus gehört der Eigentümergemeinschaft der Brüder Jürgen und Josef Jakobs, die in Schäpe einen Spargel- und Gemüsehof betreiben. Bis zum vergangenen Jahr nutzten sie das Haus in Beelitz-Heilstätten für die Unterbringung ihrer Erntehelfer.

Nach dem Neubau einer Unterkunft für die Saisonkräfte suchten die Spargelbauern eine neue Verwendung für das einstige Schwesternheim, das früher Krankenschwestern der Heilstätten beherbergte. „Von seinen Grundrissen eignet es sich nicht als klassisches Wohnhaus“, sagte Josef Jakobs am Montag auf PNN-Anfrage. Daher hätten sie das Objekt dem Landkreis angeboten, der auf der Suche nach Heimplätzen für Asylbewerber ist. Für zunächst vier Jahre hat der Landkreis das Gebäude gemietet.

Vorbehalte oder gar Anfeindungen habe Jakobs nicht erfahren, nachdem die künftige Nutzung des Hauses bekannt wurde. Zwar räumt er ein anfängliches Kommunikationsdefizit mit der Stadt ein, die sich nicht frühzeitig in die Pläne einbezogen fühlte. Inzwischen finde ein regelmäßiger Austausch statt. „Natürlich war es vor allem nach dem Brand ein Gesprächsthema und es tauchten reichlich Fragen auf“, sagte Jakobs. Und dass es bei Veränderungen Bedenken gebe, vor allem bei unzureichender Information, sei klar. „Aber wir haben von den Beelitzern keine negativen Kommentare bekommen“, sagte er. Die würden sich seiner Meinung nach auch verbieten, wenn in dem Heim beispielsweise syrische Bürgerkriegsflüchtlinge untergebracht werden.

Autor