Mordprozess Werder/Havel : "Ich dachte als erstes, er hat sich selbst erschossen"

Im Prozess nach dem Mord in Werder (Havel) sagte die Lebensgefährtin des Angeklagten Andreas E. aus.

Andreas E. soll seinen Nachbarn erschossen haben.
Andreas E. soll seinen Nachbarn erschossen haben.Foto: C. Griebel/dpa

Potsdam/Werder (Havel) - Bei Andreas E. wurden nach den tödlichen Schüssen auf seinen Nachbarn in Werder (Havel) am 8. Februar dieses Jahres bei einem ersten Alkoholtest vor Ort 1,74 Promille gemessen. Ein weiterer Bluttest drei Stunden später ergab 1,47 Promille. Das wurde am Montag beim sechsten Prozesstag vor dem Landgericht Potsdam im Mordprozess gegen Andreas E. bekannt.

Die Lebensgefährtin des Angeklagten schilderte Alkoholprobleme

Erneut wurden am Montag Zeugen befragt. Auch die emotional sehr aufgewühlte Lebensgefährtin des Tatverdächtigen sagte aus. Sie beschrieb Andreas E., der wegen Mordes angeklagt ist, als einen liebevollen Mann. Sie sei damals, als sie sich im April 2018 an einer Bushaltestelle in Werder kennenlernten, wegen eines Streits mit ihrem Mann am Boden gewesen. Ihre Ehe beschrieb sie als sehr zerrüttet. „Ich wollte sterben. Er hat mich aufgehoben“, so die Zeugin. Bei ihm sei es ihr sehr gut gegangen. „Der war sowas von lieb zu mir. Er hat mich verwöhnt.“

Ebenso wie der Tatverdächtige hatte die Zeugin Alkoholprobleme und war deswegen im vergangenen Jahr in Behandlung. Auch Andreas E. hatte einen Entzug gemacht. Danach hätten sie aufgehört mit dem Trinken, sagte die Zeugin. Sie hätten ihren Geburtstag gefeiert und zu Weihnachten hätten sie Spiele gespielt und alkoholfreien Sekt getrunken. „Das war sehr schön.“ Im Januar hätten beide dann wieder Alkohol getrunken. Wie viel, konnte die Zeugin nicht sagen. Sie hätte aber mehr getrunken als ihr Lebensgefährte.

Lebensgefährtin: "Ich dachte, er hat sich selbst erschossen"

Einen Tag vor den tödlichen Schüssen wurde die Zeugin stark betrunken und nach einem psychischen Zusammenbruch von Sanitätern und der Polizei in ein Krankenhaus in Brandenburg gebracht. Am Tag der tödlichen Schüsse in Werder (Havel) habe sie vormittags gegen 11 Uhr aus dem Krankenhaus noch mit Andreas E. telefoniert. „Ich wusste, dass da irgendetwas passiert“, so die Zeugin. E. hatte Alkohol getrunken, das hätte sie am Telefon gemerkt. Sie habe ihm während des Gesprächs mitgeteilt, sich in Brandenburg eine Wohnung zu suchen, erst einmal ohne ihn. Das habe E. sehr traurig gemacht. „Ich habe gemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt“, sagte die Lebensgefährtin. Sie habe sich dann selbst entlassen und sei sofort nach Werder gefahren. Als sie zu dem Haus kam, war schon alles vorbei und die Polizei vor Ort. „Ich dachte als erstes, er hat sich selbst erschossen“, so die Zeugin über ihren Lebensgefährten. Dass er eine Waffe hatte, habe sie nicht gewusst.

Andreas E. beschrieb sie als einen Mann, der Vieles in sich hineinfraß. Wenn das Opfer sie und ihn beleidigt habe oder sich über die Hunde aufregte, habe Andreas E. ihr immer erklärt, dass sie das nicht beachten soll. Wenn er Alkohol getrunken hatte, sei er einem Streit eher aus dem Weg gegangen. Jähzornig habe sie ihn nie erlebt.

Früherer Arbeitgeber beschrieb E. als unzuverlässig

Ähnlich äußerte sich auch der Verwalter des Hauses, in dessen Hinterhof sich die Tragödie abspielte. Am Tattag sei er im Urlaub gewesen. Er habe erst nachts von den Nachbarn über das Telefon erfahren, was passiert war. Er beschrieb Andreas E. als autoritätshörig. Er habe Weisungen ohne Widerrede befolgt, etwa von seinem Chef. E. hatte für den Zeugen gearbeitet und sich um weitere Liegenschaften gekümmert. Irgendwann habe er E. aber entlassen müssen. Er sei unzuverlässig geworden, habe verschlafen und sei dann eine ganze Woche nicht bei der Arbeit gewesen. „E. lebte in bestimmten Phasen“, so der Zeuge. Wenn er keinen Alkohol getrunken habe, sei es mit ihm gut gegangen. „Wenn er nüchtern war, konnte man auch mit ihm reden.“ Er hatte den Eindruck, dass es mit dem Trinken schlimmer wurde, als E. die Lebensgefährtin kennenlernte. „Ich denke, sie tat ihm nicht gut.“

Der nächste Verhandlungstermin ist für Montag, den 21. Oktober, angesetzt.