Mordprozess : Nachbar war Augenzeuge der Schüsse mit der Schrotflinte

Im Prozess nach dem Mord mit einer Schrotflinte in Werder (Havel) sagten Nachbarn von Andreas E. aus. Er sei umgänglich - aber unter Alkohol auch aggressiv.

Am Landgericht Potsdam wird der Fall verhandelt.
Am Landgericht Potsdam wird der Fall verhandelt.Foto: Julian Stähle/dpa

Potsdam/Werder (Havel) - Nur durch Zufall hatte der Zeuge am 8. Februar dieses Jahres genau in dem Moment durch einen Spalt neben dem Vorhang aus seinem Schlafzimmerfenster geguckt, als Andreas E. im Hinterhof mit einer Waffe auf seinen Nachbarn zielte. E. habe vor dem Opfer gestanden und geschossen. „Das habe ich ganz deutlich gesehen“, sagt der Zeuge, ein Nachbar von E. und dem 58-jährigen Opfer. Er sei zum Küchenfenster gegangen und habe dort den zweiten Schuss beobachtet. Das Opfer sei zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu sehen gewesen und lag vermutlich bereits auf dem Boden. E. habe die Waffe an der Hüfte haltend nach unten gerichtet und den zweiten Schuss abgeben.

Zeuge beobachtete das Geschehen durch Zufall

Auf diesem Grundstück in der Brandenburger Straße soll sich die Tat ereignet haben
Auf diesem Grundstück in der Brandenburger Straße soll sich die Tat ereignet habenFoto: Ottmar Winter

Im Prozess gegen den 60-jährigen Andreas E., der im Februar mutmaßlich seinen Nachbarn in Werder (Havel) mit einer Schrotflinte erschossen hat, haben am Montag vor dem Landgericht Potsdam weitere Zeugen ausgesagt, darunter auch Nachbarn des Tatverdächtigen und seines Opfers. Ein netter, umgänglicher und kumpelhafter Typ sei Andreas E. gewesen, wenn er nüchtern war, sagte der Nachbar aus. Doch wenn er getrunken hatte, was öfter vorkam, sei ein Gespräch mit ihm nicht möglich gewesen. Dann sei seine Stimmung schnell gekippt und er sei aggressiv oder depressiv geworden. Mit ihm persönlich habe er jedoch keine Probleme gehabt.

Auf den Nachbarn wirkte E. angetrunken, aber nicht total betrunken

Mit dem Opfer hingegen wollte der Zeuge nichts zu tun haben. „Er war ein unangenehmer Mensch.“ Streitsüchtig soll das Opfer gewesen sein, habe sich als Hausmeister aufgespielt und sich gerne in die Dinge anderer Leute eingemischt. Auch beleidigend soll er gegenüber dem Zeugen gewesen sein. Das der Tatverdächtige und das Opfer sich ebenfalls nicht gut verstanden, habe er am Rande mitbekommen. Einen Streit direkt vor den Schüssen habe er aber nicht gehört.

Nach den Schüssen habe E. den Zeugen am Küchenfenster gesehen und sei, noch mit der Waffe in der Hand auf ihn zugekommen. E. habe gewollt, dass er die Tür öffne. Der Zeuge habe ihm zu verstehen gegeben, dass er das nicht tun würde. E. sei danach mit der Waffe in Richtung Straße gegangen. Er habe zwar angetrunken gewirkt, aber nicht total betrunken. „Er wusste, was er tat“, so der Zeuge. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.