Potsdam-Mittelmark : Mit der Feldbahn in die Alpen

Glindower Feldbahnfreunde beantragen beim Land Betriebserlaubnis für lange gehegtes Projekt

Henry Klix

Werder (Havel) - Die Unterlagen sind komplett: Die Feldbahngruppe des „Fördervereins Historische Ziegelei Glindow“ will nächste Woche beim brandenburgischen Landesamt für Verkehr einen offiziellen Antrag zum Betrieb einer Feldbahn in die Glindower Alpen stellen. Das sagte der Leiter der Gruppe, Björn Alte, gestern in einem Pressegespräch in Glindow. Vom Gelände der historischen Ziegelmanufaktur soll ein Schienenstrang etwa 800 Meter in die Glindower Alpen gelegt werden – auf einer Strecke, auf der früher Ton von den Tongruben in die Ziegelei geschafft wurde.

Die Schienenrechte gelten noch und die Feldbahnfreunde sind dahingehend schon einmal aktiv geworden. Der Naturschutz hat den Plänen allerdings bislang einen Strich durch die Rechnung gemacht: Wegen eines Baustopps der Unteren Naturschutzbehörde in Bad Belzig musste die Schienenverlegung nach 20 Metern unterbrochen werden. Die Feldbahngruppe hat dagegen vor dem Potsdamer Verwaltungsgericht geklagt und erwartet in den kommenden Monaten ein Urteil.

Währenddessen wolle man mit dem Antrag beim Landesamt vorbauen und schon mal eine Betriebserlaubnis erwirken, sagte Alte. „Wir sind guter Dinge, dass das funktioniert.“ In den vergangenen Jahren sei der Streckenbau ausschließlich von der Naturschutzbehörde torpediert worden. „Sonst gab es überall Zuspruch.“ Die Glindower Alpen sind ein europäisches Naturschutzgebiet, laut einem schon vor einigen Jahren erstellten Umweltverträglichkeitsgutachten verträgt sich der Betrieb der Feldbahn aber mit dem Naturschutz.

Mit ihrem Projekt will die Feldbahngruppe auf die Technikgeschichte aufmerksam machen, die Pläne dafür bestehen schon seit Jahren. Im Werderaner und vor allem im Glindower Raum gab es im 19. und 20. Jahrhundert rund 30 Ziegeleien. Nicht nur deren Schornsteine, auch die Feldbahnen hätten seinerzeit das Ortsbild geprägt, so Alte. „Wir haben hinter der Ziegelmanufaktur die einzige noch existierende Strecke. Und es ist ja kein touristischer Dauerbetrieb geplant“, wie Alte betont. Er denke an sechs bis sieben Tage im Jahr, an denen die Feldbahn in Betrieb genommen werden könnte. Die Feldbahngruppe will damit auch die Technikbegeisterung bei Kindern und Jugendlichen wecken.

Die Gleise und die Technik hält das Team seit Jahren vor. Schmalspurlokomotiven aus den 50er-Jahren stehen im Lokschuppen, das Prunkstück ist eine NS 2 f aus Babelsberg, Baujahr 1954. Loren und Schienen haben die Vereinsmitglieder von anderen Ziegeleien vor der Verschrottung gerettet, Passagierwägelchen gebaut. Einmal im Jahr zum Kirsch- und Ziegelfest werden die Bahnen und Wagen aus der Werkstatt geholt und drehen auf dem Ziegeleigelände eine kleine Runde, so auch am Sonntag, dem 7. Juli. Dazu wurde ein 150 Meter langes Schienenoval verlegt. In den vergangenen Tagen haben die drei Mitglieder der Feldbahngruppe die Technik auf Vordermann gebracht. „Für uns ist das der Höhepunkt des Jahres“, so Alte.

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