Potsdam-Mittelmark : Mit dem Wassertaxi nach Töplitz

Früher fuhr eine Fähre, jetzt soll die alte Verbindung wieder aufleben – und Einheimische und Touristen schneller ans Ziel bringen

Fährschiff. Bald wieder im Einsatz?
Fährschiff. Bald wieder im Einsatz?Foto: eb

Werder (Havel) - Schneller ankommen – so lautet die Losung in Werder. Bisher müssen Einheimische und Touristen oft lange Umwege in Kauf nehmen, um von der Stadt in die Ortsteile zu kommen. Wassertaxis sollen jetzt Abhilfe schaffen.

„Bis in die 70er-Jahre gab es eine Fähre von Phöben nach Töplitz“, sagt der Töplitzer Ortsvorsteher Frank Ringel. Der kurze Weg übers Wasser soll auch heute wieder möglich sein. Bisher sei Töplitz eine Sackgasse für zahlreiche Fahrradtouristen. Mit der Fähre könnten die Radler vom Havelradweg in Phöben nach Töplitz fahren, von dort aus auf einer Holzbrücke die Wublitz, den rechten Nebenfluss der Havel, passieren und dann nach Potsdam oder als Rundtour nach Werder weiter radeln.

Dafür würden in Töplitz aber neue Stege an beiden Havelseiten sowie ein Boot benötigt – alles wurde bereits bei der regionalen Entwicklungsstrategie der Aktionsgruppe Fläming Havel von den Ortsbeiräten als Projekt angemeldet. Die Investitionskosten werden auf 80 000 Euro geschätzt, etwa die Hälfte davon könnte gefördert werden. Als Boot soll ein kleines Sportboot dienen, das drei bis vier Räder gleichzeitig transportieren kann.

Bis 1938 waren beide Orte durch eine Autofähre verbunden, dann wurde die Autobahnbrücke über die Havel eröffnet. Seither fuhr noch eine Fähre für einzelne Autos oder Fuhrwerke, die Ringel zufolge von der Sowjetarmee versenkt wurde. Bis in die 70er-Jahre gab es dann noch einen Fährmann, der mit einem Ruderboot Fahrräder an der Havel übersetzte.

In der Nähe des alten Phöbener Steges betreibt Reiner Tanz eine Bootsvermietung. Auf seinem Grundstück könnte ein Anleger für das Fährschiff entstehen. „Eigentlich wollten wir mit dem Betrieb 2015 beginnen“, so Tanz. Das sei jetzt nicht mehr zu schaffen, da vom Wasser- und Schifffahrtsamt die Genehmigung für die Anlage fehle. Wann die Bauarbeiten an den Stegen starten könnten, sei unklar.

Für den Fährbetrieb gibt es noch weitere Hindernisse: Nach der Gesetzgebung darf es sich um keine öffentliche Fähre handeln, da sonst unter anderem eine Besatzung von zwei Personen an Bord vorgeschrieben ist und der Betrieb sich nicht rechnen würde, so Ortsvorsteher Ringel. Deshalb soll die Töplitzer Fähre nach der Sportbootvermietungsverordnung betrieben werden, also ohne festen Fahrplan.

Erfahrungen mit dem Betrieb eines Wassertaxis hat auch Kerstin Hotzel, die unter anderem Ferienwohnungen in Petzow vermietet. Mit einem Boot hatte sie vor Jahren versucht, Fahrgäste von dort mit dem Boot zur Werderaner Insel zu fahren, und das mit einem juristischen Trick: Statt ein Wassertaxi anzumelden, hatte sie Charterverträge für ihre Gäste vorbereitet. Streng genommen charterte also jeder Fahrgast einen Teil des Bootes, die strengen Regeln für ein Wassertaxi entfielen. „Das durften wir aber nach einem Jahr nicht mehr, da uns eine Art Taxidienst unterstellt wurde“, so Hotzel. Jetzt benutze sie das Boot für Kaffeefahrten.

Das könnte sich jedoch im kommenden Jahr ändern. Derzeit holt Hotzel ihre Gäste noch mit einem Autoshuttle vom Werderaner Bahnhof ab. „Wir planen, mit dem Boot an den Anleger nahe des Bahnhofes zu fahren, und unsere Gäste auf Wunsch auf diesem gemütlichen Weg abzuholen.“ Hotzel zufolge ist das unproblematisch, da der Shuttle nur auf Anfrage fährt. Die Vernetzung der Werderaner Ortsteile zu Wasser bietet sich der Unternehmerin zufolge an. „Der Nahverkehr in die Ortsteile lässt zu wünschen übrig, was auch unsere Touristen merken.“ So ist Petzow nur in der Sommersaison an Wochenenden mit Bussen von Werder aus erreichbar, an Schultagen gibt es einen täglichen Bus von Werder in den Ortsteil. Da hätten gute Wasserverbindungen echte Chancen, Fahrgäste zu gewinnen. Enrico Bellin

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