Potsdam-Mittelmark : Mit dem Abwasser sitzen gelassen

Bauunternehmer Manfred Röh muss seit 20 Jahren Leitungsnetz und Grube für 40 Haushalte betreiben

Thomas Lähns
Für Familien ein Idyll – Für den Abwasserzweckverband jedoch ein möglicher Kostenfaktor: Die Weinberg-Siedlung.
Für Familien ein Idyll – Für den Abwasserzweckverband jedoch ein möglicher Kostenfaktor: Die Weinberg-Siedlung.Foto: Manfred Thomas

Michendorf - Manfred Röh will demnächst in Rente gehen – aber das Abwasser lässt ihn nicht. Wider Willen ist der Michendorfer Bauunternehmer Herr über ein umfangreiches Fäkalleitungsnetz und eine große Sammelgrube am Rande von Stücken. Es ist ein merkwürdiger Fall, der sich da in den vergangenen 20 Jahren entwickelt hat: Denn eigentlich sind für die Wasserver- und Abwasserentsorgung in Brandenburg allein die Kommunen zuständig. Oder die von ihnen gegründeten Zweckverbände. „Ich habe mich jahrelang hingesetzt und es gemacht“, sagt Manfred Röh. „Man hat mich einfach im Regen stehen lassen.“

Röh hatte kurz nach der Wende die Weinberg-Siedlung am Ortsrand von Stücken entwickelt und die Parzellen an Häuslebauer verkauft. 40 Eigenheime sind über die Jahre entstanden. Weil es damals keinen Zweckverband gegeben hatte, übernahm Röhs Firma die Erschließung mit Wasser- und Abwasserleitungen – und kaufte außerdem eine nagelneue Sammelgrube von der sich auflösenden LPG. Mit der damals selbstständigen Gemeinde Stücken hatte er einen Erschließungsvertrag unterzeichnet: Darin wurde vereinbart, dass die öffentliche Hand die Abwasseranlagen übernimmt, sobald die Siedlung fertig ist.

Aber es kam anders, als Röh dachte. Denn der 1992 gegründete Wasser- und Abwasserzweckverband Mittelgraben wollte mit der Übernahme der Anlagen noch warten – bis Stücken komplett ans öffentliche Abwassernetz angeschlossen wird. Röh, dessen LPG-Grube nur eine Übergangslösung sein sollte, geduldete sich viele Jahre. Doch 2005 begehrte die Stückener Bürgerschaft gegen den drohenden Zwangsanschluss auf und erreichte, dass keine lange Abwasserdruckleitung über Fresdorf nach Wildenbruch verlegt wird. Stattdessen sollten Kleinkläranlagen errichtet werden. „Ich hatte die Vision, dass wir uns anschließen lassen, um geordnete Verhältnisse herzustellen“, sagt Manfred Röh. Dafür hatte er sich damals auch als Gemeindevertreter eingesetzt. Aber ohne Erfolg.

Der Bauunternehmer muss seine Abwasseranlagen nun nicht nur betreiben, sondern auch Auflagen erfüllen. Für die Grube muss er regelmäßig einen sogenannten Dichtheitsnachweis erbringen, der nächste wird jetzt wieder fällig. Das Gutachten kostet samt Untersuchungen 12 000 Euro – eine Menge Geld für Röhs kleine Firma. Der Zweckverband, der sich bislang weigerte, die Anlagen zu übernehmen, hat ihm jetzt sogar ein Zwangsgeld von 1000 Euro angedroht, wenn er den Nachweis nicht erbringt.

„Man ist nicht in der Lage, die Dinge zu ordnen“, klagt der Unternehmer – gibt sich aber trotzdem kompromissbereit: Den Dichtheitsnachweis würde er noch bezahlen. Aber dann solle sich die Gemeinde Michendorf mit ihrem Verband über die Zukunft der Abwasserentsorgung am Weinberg einig werden.

Einen ersten Vorstoß dazu gibt es nun endlich: Die Michendorfer Gemeindevertreter haben auf ihrer Sitzung am Montag mehrheitlich beschlossen, den Mittelgraben-Verband, in dem auch die Gemeinde Nuthetal sitzt, mit entsprechenden Schritten zu beauftragen. Demnach solle der Zweckverband das Leitungsnetz im Stückener Wohngebiet übernehmen – soweit der technische Zustand es zulasse. Außerdem soll der Bau einer zentralen Kleinkläranlage vorbereitet werden. Ein Anschluss per Abwasserleitung an das Zentralnetz wird dabei vorerst ausgeschlossen, ebenso wie der Weiterbetrieb der Sammelgrube. Bei Röh sorgt das für Kopfschütteln: Gleich nachdem er den Dichtheitsnachweis für die nächsten Jahre erbracht hat, soll die Grube stillgelegt werden.

Während das Prinzip der Entsorgung – eine sogenannte Insellösung für die Weinberg-Siedlung – von Michendorfer Seite festgelegt ist, soll nun verhandelt werden, wer die Kosten dafür trägt. Entweder alle Verbandskunden, für die sich dadurch die Gebühren erhöhen würden, oder nur die Weinberg-Bewohner, auf die dann saftige Beträge zukämen.

Fraglich ist auch, wie der Verband mit der Vorgabe aus Michendorf umgeht – denn weisungsbefugt ist nur die Verbandsversammlung. Gemeindevertreter Carsten Kumke betitelte die Beschlussvorlage am Montagabend als Wunschkonzert. Andere zeigten sich optimistisch: „Ich sehe es als Startschuss, damit es in Bewegung kommt“, so der Stückener CDU-Mann Jens Schreinicke. Und damit Manfred Röh doch noch irgendwann seinen Ruhestand antreten kann.