Potsdam-Mittelmark : Millionen-Projekte im TechnoTerrain

Baustart für Kaufland in wenigen Wochen / Neues BMW-Logistikzentrum / Neue Verkehrswege

Teltow - Holger Koppe sollte recht behalten. „2008 könnten sich Kräne drehen“, meinte der Vertreter von der Immobilien Development Teltow KG vor anderthalb Jahren. Den Worten folgen jetzt im TechnoTerrain Teltow (TTT) Taten. Nach Jahren relativen Stillstands im größten innerstädtischen Gewerbegebiet Brandenburgs war bereits in den vergangenen Wochen reichlich Bauaktivität an der Rheinstraße zu verzeichnen: Altbausubstanz wurde abgerissen, Flächen planiert. Inzwischen ist das Vorhaben für die Ansiedlung eines Kaufland-Marktes für baureif erklärt worden, bis zum Sommer 2009 soll das 12-Millionen-Euro-Projekt vollendet sein.

Damit verbunden ist die Neugestaltung von Verkehrsbeziehungen, deren Wirkungsgrad über die Stadtgrenze hinausgeht. Denn auf Grundlage eines städtebaulichen Vertrages mit Teltow errichtet der Kaufland-Investor die Bogenspange, die der Erschließung des Marktes und weiterer Gewerbegebietsflächen dient. Die Bogenspange endet auf der Potsdamer Straße – der Knoten soll in Form eines Kreisverkehrs gestaltet werden, der auf Kosten der Stadt Teltow errichtet wird. Die Fortführung der Trasse wäre die Biomalzspange, die das Stahnsdorfer Gewerbegebiet anbinden würde.

Die Ansiedlung von Kaufland, das nicht als SB-Warenhaus, sondern als reiner Verbrauchermarkt geplant ist, hatte im benachbarten Kleinmachnow und Stahnsdorf für Vorbehalte gesorgt. Vor allem im unmittelbar angrenzenden Weinberg-Viertel, einem reinen Wohngebiet, fürchteten die Anwohner eine Zunahme des Durchgangsverkehrs. Doch soll der Teil der Oderstraße, der nach Kleinmachnow führt, teilweise entwidmet werden und nur noch für Fußgänger und Radfahrer passierbar sein.

In einem Einzelhandelsgutachten habe man den Bedarf für die Ansiedlung eines Verbrauchermarktes ermittelt sowie den Einzugsradius definiert, so Petra Schulz, Geschäftsführerin der TTT Grundstücksverwaltungs GmbH. So rekrutiere der Markt seine Kundschaft aus einem Einzugsbereich zwischen den Stadtgrenzen von Berlin und Potsdam sowie bis nach Großbeeren. „Die Konzentration liegt auf der regionalen Kaufkraft“ so Schulze.

Immobilienentwickler Koppe bewertet die Kaufland-Ansiedlung als „Initialzündung“ für die Entwicklung und Vermarktung noch freier Flächen. Vor gut anderthalb Jahren skizzierte Koppe die Idee einer Automeile im TechnoTerrain. Dafür gebe es nunmehr nachhaltiges Interesse. So habe das bereits ansässige BMW-Autohaus Riller & Schnauck eine weitere Teilfläche von 14 000 Quadratmetern erworben. Für drei bis vier Millionen Euro plant das Unternehmen des Bau eines neuen Logistikzentrums für Neu- und Gebrauchtwagen, eine Karosseriewerkstatt und eine Lackiererei. Der Baubeginn ist noch in diesem Jahr geplant. Insgesamt will der BMW-Händler 40 neue Arbeitsplätze schaffen. Für den Ausbau der Automeile führe man zudem weitere aussichtsreiche Verhandlungen, so Koppe. Es gebe Pläne für namhafte Autohäuser, Ansiedlungen von Werkstätten, Waschanlagen, für eine weitere Tankstelle und ein Fast-Food-Restaurant. Bereits heute finden sich hier die Berlin-Brandenburg-Niederlassung von Peugeot, Autohäuser von Renault, Rover, BMW, Mini und Jaguar.

Dass die künftigen Gewerbeansiedlungen sowie der Bevölkerungszuwachs die Stadt vor die Herausforderung stellt, den zunehmenden Verkehr vernünftig zu lenken, ist Bürgermeister Thomas Schmidt bewusst. Er leugnet nicht, dass die Mitte der 90er Jahre prognostizierte Entlastung des Durchgangsverkehr durch den Bau des Spangensystems inzwischen überholt ist. Ein aktuelles Verkehrgutachten hat Schwachstellen am System der Umgehungsstraßen deutlich aufgezeigt. Bei einem weiteren Bevölkerungszuwachs von 18 Prozent und einer 20-prozentigen Zunahme des Autoverkehrs bis zum Jahr 2020 werde an einigen Stellen die Leistungsfähigkeit des Spangenssystems erreicht. Bislang hat die Stadt auf das sich abzeichnende Szenario kaum Antworten. Von Vorteil sei, so Schmidt, dass Teltow seit einigen Wochen eine eigene Verkehrsbehörde hat, so dass man schnell und flexibel auf die Lenkung der Verkehrsflüsse reagieren könne. Peter Könnicke

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