Potsdam-Mittelmark : Miese Apfel-Ernte in Werder (Havel)

Da im Frühjahr viele Blüten erfroren sind, gibt es jetzt in Werder (Havel) enorme Ernteeinbrüche. Die Preise für die Verbraucher bleiben aber stabil.

Seltene Exemplare. Bei den Bauern werden nur zwischen zehn und 40 Prozent der normalen Menge Äpfel geerntet.  Teurer werden die Äpfel am Hof und im Laden wohl nicht.
Seltene Exemplare. Bei den Bauern werden nur zwischen zehn und 40 Prozent der normalen Menge Äpfel geerntet.  Teurer werden die...Foto: Thilo Rückeis

Werder (Havel)/Potsdam - Es sind dramatische Ausfälle: Die jetzt begonnene Apfelernte wird den Obstbauern der Region wohl nicht einmal halb so viel Ertrag bringen wie eine durchschnittliche Ernte. Grund dafür sind vor allem Spätfröste des Frühjahres. Stefan Lindicke, Obstbauer und Geschäftsführer des Werderschen Obst- und Gartenbauvereines, sagte den PNN am Donnerstag, dass er bestenfalls 40 Prozent der üblichen Apfelmenge auf seinen Plantagen ernten wird. „Bei tiefer gelegenen Anlagen, die vom Frost stärker betroffen sind, werden es nur wohl zehn Prozent sein.“

Thomas Giese, Geschäftsführer der Firma Havelfrucht, bestätigt das Bild: Auch er habe durch Spätfröste, Trockenheit und Sonnenbrand auf den Früchten Verluste zwischen 40 bis 55 Prozent, wobei die Fröste den größten Schaden angerichtet hätten. Die Havelfrucht ist der größte Anbaubetrieb für Äpfel der Region, auf 60 Hektar wächst ihr Obst.

Der Verbraucher wird von den Ausfällen zunächst aber wenig merken: Giese, dessen Firma zur Schoonhoven-Gruppe gehört und den Einzelhandel beliefert, rechnet nicht mit höheren Preisen in den Supermärkten. Sollten die Äpfel aus Werder alle sein, würden eben welche aus anderen Ländern verkauft. Auch Stefan Lindicke spricht von stabilen Preisen, auf seinem Hof werde das Kilogramm wie im vergangenen Jahr auch 1,90 Euro kosten. Allerdings werde es im Gegensatz zum Vorjahr keine Mengenrabatte beim Kauf von mindestens fünf Kilogramm geben. Am morgigen Samstag beginnt auf Lindickes Hof am Plessower Eck in Werder die Selbstpflücke: Wer eigenhändig erntet, muss für das Kilo wie schon im Vorjahr 1,50 Euro zahlen.

Bei Gerhard Neumann von Neumanns Erntegarten in Bornim kann man erst Ende des Monats selbst in die Plantagen. Erst dann werde eine späte Sorte reif, von der ausreichend Früchte für die Selbsternte am Baum hängen. Neumann spricht gegenüber den PNN von Ausfällen von bis zu 90 Prozent. Die Lage sei „sehr ernst“: Er werde deutlich weniger Pflegemaßnahmen in seinen Plantagen durchführen können, da kaum Einnahmen für Arbeitskräfte da sind, die die Pflege durchführen könnten.

Zusätzlich zu den Ernteausfällen erwarten die Bauern in diesem Jahr auch noch höhere Kosten: Durch die Trockenheit musste deutlich mehr gewässert werden als sonst. Schon im trockenen Jahr 2018 habe man doppelt so hohe Kosten für Bewässerung gehabt wie 2017, sagt Thomas Giese. „Das wird wohl auch dieses Jahr wieder so werden“. Vor Einsparungen bei der Baumpflege warnt der Geschäftsführer jedoch: Dadurch könnten die Bäume auch in den Folgejahren weniger Ertrag bringen. Er selbst habe Glück, dass seine Firma in schlechten Jahren wie diesem Unterstützung aus anderen Bereichen der Schoonhoven-Gruppe erhält. Er wolle auch nicht jammern, schließlich kämen sicher auch wieder bessere Jahre.

Die wirtschaftliche Situation ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich: So habe Stefan Lindicke etwa eine gute Kirschernte gehabt, bei vielen anderen Bauern war die Pflaumenernte gut ausgefallen. Wer seinen Betrieb gut aufstelle, habe fast immer Sorten, die noch Ertrag bringen, so Lindicke. Allerdings lassen sich die Ausfälle der Apfelernte nicht durch eine gute Pflaumenernte aufrechnen: So ist die Anbaufläche für Pflaumen bei Havelfrucht nur etwa ein Fünftel so groß wie die der Äpfel. Lindicke hofft, dass es irgendwann möglich ist, eine Versicherung abzuschließen, in die alle Bauern in guten Jahren einzahlen und in schlechten Jahren Geld entnehmen. Dies sei wesentlich unbürokratischere Hilfe, zudem würden Bauern so nicht immer als Bittsteller wahrgenommen. Gerhard Neumann beklagt gegenüber den PNN ebenfalls enormen Bürokratieaufwand für seinen kleinen Betrieb.

Mit der geringen Ernte stehen die Bauern der Region nicht allein da: Laut dem Amt für Statistik Berlin Brandenburg wird die Erntemenge an Äpfeln im Land um fast die Hälfte unter der des Vorjahres und 42 Prozent unter dem sechsjährigen Durchschnitt liegen. In Brandenburg werden auf etwa 900 Hektar Fläche Äpfel angebaut.