Michendorf : Sporthallennutzung künftig nicht mehr kostenlos

Am Montag soll über eine neue Entgeltordnung in Michendorf entschieden werden: Deshalb fürchten einige Vereine nun um ihren Fortbestand.

Reinhard Mirbach (CDU).
Reinhard Mirbach (CDU).Foto: Andreas Klaer

Michendorf - Vereine und andere ehrenamtliche Nutzer müssen in Zukunft in Michendorf für die Benutzung von Gemeindezentren und Sporthallen mit Gebühren rechnen. Über eine entsprechende Entgeltordnung wird am Montag in der Gemeindevertretersitzung entschieden.

Die neuen Gebühren werden von der Gemeindeverwaltung nicht freiwillig erhoben. Die Kommunalaufsicht des Landkreises hatte der Gemeinde Michendorf eine entsprechende Auflage erteilt. Grund ist ein dringend benötigter Kredit für den Ausbau der Grundschule am Meisenweg. Laut der Gemeinde ist für den Ausbau ein Darlehen in Höhe von 7,7 Millionen Euro nötig. Weger der Ausgabe hatte die Kommunalaufsicht den aktuellen Haushalt der Gemeinde nicht genehmigt. Diese müsse ihre Kosten besser decken.

Es ist nicht die erste Rüge

Bereits 2017 habe die Kommunalaufsicht die Gemeinde wegen ihrer Ausgaben angemahnt, sagte Bürgermeister Reinhard Mirbach (CDU) am Donnerstag auf Anfrage. Die Gemeinde habe damals einen Kredit für den Bau der Kita an der Potsdamer Straße aufgenommen. Die Kommunalaufsicht forderte damals die Gemeinde auf, ihre Ausgaben zu senken oder die Einnahmen zu erhöhen. Michendorf gebe zu viel Geld für freiwillige Leistungen aus, wie etwa die Nutzung der gemeindeeigenen Einrichtungen für Vereine und Ehrenamtliche kostenlos anzubieten, so Mirbach. An erster Stelle stünden jedoch die Pflichtaufgaben der Kommune, wie etwa der Ausbau der Grundschule. Um die Kosten für diese Kernaufgaben zu deckeln, sei die Gemeinde gesetzlich verpflichtet, entsprechende Entgelte oder Steuern einzunehmen. „Selbstverständlich würde ich gerne die Gemeinschaftszentren und Sporthallen weiterhin kostenfrei zur Verfügung stellen“, so Mirbach. „Die vielen Angebote der Ehrenamtlichen und Vereine sind unglaublich bereichernd für unsere Gemeinde.“ Aber er könne auch die Kommunalaufsicht verstehen.

Auch andere Kommunen erheben Gebühren

Solche Gebühren würden auch in anderen Kommunen im Landkreis Potsdam-Mittelmark erhoben, erklärte Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert auf PNN-Anfrage. Auch wenn die Gemeinde Michendorf mit ihren Ausgaben vor allem ihren Einwohnern etwas Gutes tun wolle, müsse die Kommunalaufsicht nach dem Haushaltsgesetz einschreiten, wenn die Einnahmen nicht die Ausgaben decken. Bereits 2017 hatte Mirbach versucht, eine ähnliche Entgeltordnung für die sechs Gemeindezentren und drei Sporthallen in Michendorf auf den Weg zu bringen, die jedoch von den Gemeindevertretern abgelehnt wurde. Mit der neuen Regelung sollen die Betriebskosten der Einrichtungen anteilig auf die Nutzer umgelegt werden.

Gebühren sind gestaffelt

Die Nutzer werden dafür in fünf unterschiedliche Gruppen eingeteilt: von den Gemeindevertretern oder Ortsbeiräten über gemeinnützige Vereine und Schulen, Privatpersonen, bis hin zu sonstigen Veranstaltern. Die Gebühren für die Zentren sind gestaffelt, je nachdem wie hoch die Betriebskosten sind. So sollen etwa die Vereine für die Gemeindezentren in Stücken und Fresdorf einen Euro pro Stunde zahlen. In Wildenbruch fallen zwei Euro die Stunde an. Im Ortsteil Wilhelmshorst sind es drei Euro, in Langerwisch vier und für das Gemeindezentrum in Michendorf sind fünf Euro pro Stunde fällig. Für die drei Turnhallen der Gemeinde in Michendorf, Wildenbruch und Wilhelmshorst fallen für Vereine fünf Euro die Stunde an. Sie können auch pro Mitglied eine Pauschale von zehn Euro pro Jahr zahlen.

Vereine fürchten um ihren Fortbestand

Einige kleinere Vereine hätten Sorge um ihren Fortbestand, erklärte Mirbach. Etwa der Awo-Ortsverein in Wilhelmshorst oder der Singekreis der Senioren. Sie können nicht verstehen, warum sie nun ebenso Geld zahlen sollen wie Nutzer, die für ihre Veranstaltungen Eintritt verlangen. Mirbach betonte, dass dafür Sorge getragen werde, dass kein Verein seine Existenz fürchten müsse. „Wir werden eine entsprechende Lösung für alle finden“, so Mirbach.

Der SG Michendorf kann die neue Regelung nachvollziehen, wie der Vorstandsvorsitzende Jörg Großmann erklärte. „Als Verein sind wir nicht dagegen. Wir verstehen, dass für die Nutzung pro Stunde Gebühren anfallen.“ Die Beiträge der 450 Mitglieder wurden bereits bei der letzten Vereinssitzung einstimmig erhöht. „Der Zustrom zum Verein wird trotzdem nicht abreißen“, ist sich Großmann sicher. Auch der SV Wilhelmshorst sieht keine Schuld bei der Gemeinde. „Wir werden in den sauren Apfel beißen und die Kosten tragen“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Torsten Lodni. Die Mitgliederbeiträge werde der Verein jedoch nicht erhöhen. „Wir werden 1500 Euro zusätzlich im Jahr ausgeben müssen.“ Das Geld hätte man zwar an anderen Stellen besser investieren können, aber es sei nun einmal nicht zu ändern.