Potsdam-Mittelmark : Merkel schafft die SPD-Hochburgen ab

Die SPD ist in Potsdam-Mittelmark nicht an der eigenen Schwäche gescheitert, sondern an der Stärke der CDU. Das lässt sich vor allem an den Ergebnissen in der Region Teltow ablesen

Tobias Reichelt
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23.09.2013 21:25

Potsdam–Mittelmark – Die Gewinne sind zweistellig: 12,5 Prozent mehr in Nuthetal, 11,9 Prozent in Stahnsdorf und 11,1 Prozent in Teltow. Die CDU hat am Wahlsonntag in vielen Kommunen Mittelmarks abgeräumt, in denen bislang die SPD die Nase vorn hatte. Die über Jahre von der SPD geführten Hochburgen gibt es jetzt nicht mehr. Beim Blick auf die Ergebnisse wird aber klar: Die Sozialdemokraten sind im Kreis nicht an der eigenen Schwäche gescheitert, sondern an der Stärke der CDU.

„Ich denke, dass wir vom bundespolitischen Trend profitiert haben, von der Attraktivität der Kanzlerkandidatin Angela Merkel“, sagt Ludwig Burkardt. Einen Tag nach der Wahl hat sich der Kleinmachnower CDU-Landtagsabgeordnete tief in den Zahlendschungel eingearbeitet und ist zufrieden. „Wir hatten einen irrsinnigen Wahlkampf“, sagt Burkardt, der sich besonders in früheren SPD-Bastionen Mittelmarks bezahlt gemacht habe.

Erstmals seit Jahren konnte die CDU bei der Bundestagswahl in Nuthetal, Stahnsdorf und Teltow an der SPD vorbeiziehen. Am deutlichsten büßte die Partei in Teltow ein und verlor 3,7 Prozent, sie landete bei 26,5, die CDU holte 34,7.

Gleichzeitig sei das aber auch der höchste Verlust der SPD im Kreis, sagt Sören Kosanke. Der SPD-Landtagsabgeordnete und mittelmärkische Parteivorsitzende spricht auch nicht von einer Wahlniederlage. „Das Ergebnis ist bei der Ausgangslage als Gewinn zu sehen.“ Der Verlust der SPD halte sich mit rund eineinhalb Prozent in Grenzen. Hingegen habe die CDU überall Zugewinne verbucht. „Den Merkel-Bonus müssen wir mit ganz viel Neid anerkennen“, so Kosanke. Seiner Partei sei es in Mittelmark nicht gelungen, die Nicht-Wähler zu mobilisieren.

So seien auch die anderen Zugewinne der CDU von 12,6 Prozent in Michendorf, 11,2 in Schwielowsee, 10,8 in Kleinmachnow und 10,2 in Werder zu erklären. Allesamt Kommunen, in denen die CDU ohnehin ihre Stärken hatte.

„Die Zuwächse der CDU in Mittelmark sind deutlich“, fasst Burkardt zusammen und hofft, dass sich der Trend bis zu den Kommunal-, Landtags- und Europa-Wahlen im kommenden Jahr hält. „Das wird uns Schwung geben“, sagt der Politiker, warnt aber vor Euphorie: „Jede neue Regierung wird Sachen machen müssen, die nicht jedem gefallen.“

Gewinner und Verlierer in einem sind die Grünen, zumindest in Kleinmachnow. Im Vergleich zur Wahl 2009 büßten sie im Ort 3 Prozentpunkte ein. Mit ihren 12,9 Prozent erzielten sie aber noch die besten Werte im Wahlkreis. Das schlechteste Ergebnis erreichten sie mit mageren 5,5 Prozent in Werder (Havel). Dort fiel es ihnen schon immer schwer, Wähler zu gewinnen. Für die FDP ist Kleinmachnow immerhin ein Trostpflaster. 6,9 Prozent haben ihr dort die Stimme gegeben. Der Schnitt lag im Wahlkreis bei schlappen 3,3 Prozent.

Das ganze Gegenteil ist die Wahlbeteiligung. Auch dort gibt es aus Kleinmachnow eine interessante Zahl zu vermelden: 87,2 Prozent der Wähler gingen zur Urne. Das ist deutschlandweit ein Spitzenwert. Auch in Michendorf (79,5 Prozent) und Nuthetal (79,3 Prozent) wurde kräftig gewählt. Die durchschnittliche Beteiligung im Kreis lag bei 74,4 Prozent. Am faulsten waren die Werderaner mit 70,6 Prozent Wahlbeteiligung.

Abgesahnt hat in den mittelmärkischen Gemeinden die Euro-kritische „Alternative für Deutschland“ (AfD). In Werder und Stahnsdorf hat sie je 7,2 Prozent der Stimmen geholt. Auch in Kleinmachnow, Nuthetal und Teltow erreichte die Partei rund sechs Prozent. Die vor der Wahl zum Teil hoch gehandelten Piraten kamen im Kreis nur auf 2,7 Prozent.

Für die anstehenden Wahlen misst CDU-Politiker Burkardt vor allem seiner Partei eine gewichtige Rolle im Kreis zu: „Ich gehe davon aus, dass die CDU auf Dauer auf dem Weg nach vorne ist.“ SPD-Politiker Kosanke warnte indes vor Übermut: Auf kommunaler Ebene könnte der Kanzlerinnen-Bonus verpuffen. „Die Wähler wissen, dass Frau Merkel da nicht reinfunkt.“ Eva Schmid, Tobias Reichelt